60 eigene Fragen im Vorstellungsgespräch stellen

von Christian Püttjer & Uwe Schnierda

 

Sie möchten eigene Fragen im Vorstellungsgespräch ans Unternehmen stellen? Wonach sollten Sie den neuen Arbeitgeber fragen? Und welche Fehler sollten Sie bei Ihren Rückfragen vermeiden?

 

foto: © yanlev / fotolia.com

  • Aktualisiert und deutlich erweitert am 23.11.2015
  • Üblicherweise finden vor der Besetzung einer Stelle mehrere Gespräche mit der Bewerberin beziehungsweise dem Bewerber statt.
  • Immer häufiger gilt es zunächst im Telefoninterview zu überzeugen. Auch in diesen ersten Gesprächen können und sollten Bewerber von sich aus Fragen stellen.
Mit den richtigen Fragen erarbeiten Sie sich einen klaren Vorteil für die abschließende Einstellungsentscheidung. Aber was sind "gute Fragen"?

 

 

 

 

  • In sich anschließenden persönlichen Bewerbungsgesprächen ist der Einstellungswunsch weiter mit guten Argumenten gegenüber Vertretern der Personalabteilung und künftigen Fachvorgesetzten zu begründen.
  • Zu einer gründlichen Vorbereitung gehört die Auseinandersetzung mit persönlichen Stärken und Schwächen.
  • Auch die Selbstpräsentation, also eine kurze Darstellung der individuellen beruflichen Entwicklung in Kombination mit passenden Einstellungsargumenten ist überaus wichtig.
  • Aber es gibt noch mehr Themenfelder, die vorbereitet werden sollten, und dazu gehören auf jeden Fall die "eigenen Fragen" an den neuen Arbeitgeber.
  • Dabei geht es einerseits um das berechtigte Informationsbedürfnis der Bewerberin beziehungsweise des Bewerbers.
  • Andererseits aber auch um eine indirekte Form der wichtigen Überzeugungsarbeit der oder die "Richtige" für die zu besetzende Stelle zu sein.
  • Wer seine Fragen geschickt platziert und sich eingehend zu Details über den neuen Job und das neue Arbeitsumfeld erkundigt, verstärkt damit den positiven Eindruck eines besonders interessierten und engagierten Bewerbers. Dies ist wie so oft auch eine Frage der Rhetorik im Vorstellungsgespräch.

 



Haben Sie noch Fragen? - Welche Fragen im Vorstellungsgespräch stellen?

  • Ein gut verlaufendes Bewerbungsgespräch ist kein Verhör, sondern ein Dialog. Und zu einem Dialog gehört, dass beide Seiten Informationen geben und erfragen.
  • Mit taktisch geschickt ausgewählten eigenen Fragen im Bewerbungsgespräch können Sie zeigen, dass Sie erkannt haben, worauf es in der neuen Stelle ankommt.
  • Bei der Auswahl sinnvoller Fragen sollten erst die Fragen gestellt werden, bei denen es um inhaltliche Aspekte der neuen Stelle geht, beispielsweise die Gewichtung einzelner Aufgaben.
  • Formale Fragen zu Gehalt oder Urlaub sollten erst danach erörtert werden.
  • Je nach ausgeschriebener Position darf auch etwas härter nachgefragt werden.
  • Werden in der Stellenausschreibung beispielsweise deutliche Steigerungen der Kundenbesuche, nachhaltige Kostensenkungen oder sehr flexible Produktionsabläufe gefordert, sollten Bewerberinnen und Bewerber im eigenen Interesse gründlich danach fragen, wie diese überdurchschnittlichen Ziele in der Vergangenheit erreicht wurden und in der Zukunft erreicht werden sollen.
  • Kündigungen in der Probezeit beruhen oft darauf, dass die Vorstellungen der Bewerber und die des neuen Arbeitgebers nicht gründlich genug abgeglichen worden sind.
  • Aus diesem Grund sollten auch berufserfahrene Führungskräfte im eigenen Interesse intensiver und häufiger nachhaken als Young Professionals oder Fachspezialisten.
  • Daher richten sich die Fragen 41 bis 60 speziell an Top-Manager und Führungskräfte.

 



60 Beispiele für eigene Fragen ans Unternehmen

  • Selbstverständlich müssen - und sollten - Sie nicht alle aufgeführten Fragen stellen.
  • Unsere Liste dient dazu, Ihnen Anregungen zu geben und geeignete Formulierungen vorzustellen.
  • Wählen Sie für Ihre Bewerbungsgespräche mit Geschäftsführern, Personalexperten, Headhuntern und künftigen Fachvorgesetzten die Fragen aus, die Sie für wichtig halten.
  • Dies hängt sicherlich auch davon ab, welche - guten oder schlechten - Erfahrungen Sie in Ihrer momentanen Stelle und der davorliegenden gesammelt haben.
  • Je länger Sie am Berufsleben teilhaben, desto besser können Sie vermutlich schon im Vorfeld abschätzen, welche Zielsetzungen innerhalb der neuen Stelle zu Sachproblemen und auch zu zwischenmenschlichen Konflikten führen können.
 
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1. "Wer ist mein direkter Vorgesetzter beziehungsweise meine direkte Vorgesetzte?"
2. "Wie sieht die übliche Einarbeitung aus?"
3. "Gibt es einen Organisationsplan der Firma?"
4. "Wie groß ist das Team beziehungsweise die Abteilung, in der ich arbeiten werde?
5. "Kann ich meinen Arbeitsplatz einmal persönlich sehen?"
6. "Wurde die ausgeschriebene Stelle neu geschaffen?"
7. Wenn nicht: "Wie lange war mein Vorgänger/meine Vorgängerin für Sie in dieser Position tätig?"
8. "Ist er oder sie noch im Unternehmen?
9. "In welchem Bereich arbeitet er oder sie jetzt für das Unternehmen?"
10. Wenn nicht: "Warum hat er oder sie das Unternehmen verlassen?"
11. "Mit welchen Kollegen werde ich besonders eng zusammenarbeiten?"
12. "Mit welchen Abteilungen ist die Zusammenarbeit besonders intensiv?"
13. "Gibt es abteilungsübergreifende Projektarbeit?"
14. "Wie hoch ist der zeitliche Anteil der Projektarbeit etwa?"
15. "Ich habe Sie so verstanden, dass die die Aufgaben ..., ... und ... im Mittelpunkt der ausgeschriebenen Position stehen, ist das richtig?"
16. "Wie hoch ist der Anteil der Reisetätigkeit etwa?"
17. "Gehören Auslandsreisen dazu?"
18. "Eher im europäischen Raum oder weltweit?"
19. "Was für ein Firmenwagen ist vorgesehen?"
20. "Kann ich als Mitarbeiter Weiterbildungsmöglichkeiten nutzen?"
21. "Gibt es dafür einen jährlichen Etat, den ich für passende Weiterbildungen nutzen kann?"
22. "Ist Gleitzeit vorgesehen?"
23. "Wie wird die Arbeitszeit erfasst?
24. "Wie wird mit Überstunden umgegangen?"
25. "Wie sieht die Urlaubsregelung aus?"
26. "Welcher Gehaltsrahmen ist vorgesehen?"
27. "Gibt es einen Erfolgsanteil?"
28. "Wie hoch war die Quote für die Zielerreichung des Erfolgsanteils im letzten Jahr?"
29. "Gibt es besondere Sozialleistungen?"
30. "Welche zusätzlichen Anforderungen, die nicht in der Stellenausschreibung genannt sind, sind Ihnen noch wichtig?"
31. "Konflikte am Arbeitsplatz gehören nun einmal dazu, wenn es in der Vergangenheit bezogen auf die ausgeschriebene Position Missverständnisse oder fachliche Auseinandersetzungen gegeben hat, welche Abteilungen waren dann betroffen?"
32. "Welche drei Schnittstellen hinein ins Unternehmen sind für die ausgeschriebene Position die wichtigsten?"
33. "Gibt es regelmäßige Gespräche mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, beispielsweise Jahresgespräche?"
34. "Gibt es über die Personalsachbearbeitung hinaus auch HR-Zielsetzungen im Unternehmen, beispielsweise die gezielte Ermittlung von Weiterbildungsbedarf und dazu passende Angebote und Möglichkeiten?"
35. "Wenn ich so direkt fragen darf, seit wie vielen Jahren arbeiten Sie in diesem Unternehmen?"
36. Anschlussfrage: "Haben Sie gleich in der jetzigen Position angefangen oder sind Sie aufgestiegen beziehungsweise haben intern gewechselt?"
37. "Wie geht es nach dem Gespräch weiter?"
38. "Gibt es einen groben Zeitplan für die Einstellungsentscheidung?"
39. "Falls es ein zweites Vorstellungsgespräch gibt, wer würde mir dann gegenüber sitzen?"
40. "Muss ich mit einem Assessment-Center bei Ihnen rechnen?"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Rückfragen, die Führungskräfte stellen können

Von Managerinnen und Managern wird in der neuen Position erwartet, dass sie die Unternehmensziele umsetzen, Impulse geben und gemeinsam mit dem Mitarbeitern Lösungen entwickeln sollen. Damit dies im Arbeitsalltag auch gelingt, sollte durchaus auch einmal kritischer nachgefragt werden. Siehe auch: Headhunter überzeugen: Welche Informationen erfragen Sie?

Bleiben Sie möglichst freundlich bis sachlich im Ton, damit die offensiven Nachfragen nicht in ein Verhör der Firma durch einen Bewerber ausarten. Auch wenn es vielleicht etwas "psychologisch" klingt, sollten beim gezielten Nachhaken passende Ich-Botschaften in die eigenen Fragen integriert werden.

Beispielsweise so: "An meinen alten Arbeitsplatz habe ich die Erfahrung gemacht, dass stärkere Veränderungen in den Arbeitsabläufen durchaus möglich waren. Allerdings haben gravierende Veränderungen immer auch zu Verunsicherung, Unruhe oder sogar Abwehrreaktionen geführt. Wie ist hier aus Ihrer Erfahrung die Veränderungsbereitschaft im Unternehmen insgesamt einzuschätzen? Schließlich soll ich in der Stelle für das Unternehmen ja einige Dinge anders machen als bisher."

 

 

41. "Wie lange hat mein Vorgänger die Führungsposition innegehabt?"
42. "Welche wesentlichen Veränderungen hat er in den letzten Jahren durchgeführt?"
43. "Welche Veränderung wurde von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut angenommen?"
44. "Und welche Veränderung führte zu eher starkem Widerstand und Auseinandersetzungen?"
45. "Gab es spezielle Change-Workshops, um gravierende Veränderungen in den Abläufen oder Zielsetzungen im Vorfeld intensiv zu diskutieren?"
46. "Gibt es für die Mitarbeiter die Möglichkeit, Verbesserungsvorschläge zu machen?"
47. "Welche Verbesserungsvorschläge der Mitarbeiter sind in den letzten 24 Monaten umgesetzt worden?"
48. "Erhalten die Mitarbeiter Prämien für ihre Vorschläge?"
49. "In welchem finanziellen Rahmen werden die Vorschläge honoriert?"
50. "Kann die Höchstzahl der Verbesserungsvorschläge bestimmten Abteilungen zugerechnet werden? Wenn ja, welchen?"
51. "Wie hoch sind die Krankentagen beziehungsweise Fehltage pro Mitarbeiter im Unternehmen / im Bereich / in der Abteilung?"
52. "Welchen Anteil haben Forschung und Entwicklung am Budget?"
53. "Gibt es für meine Mitarbeiter Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten?"
54. "Gibt es für meine Mitarbeiter ein definiertes Weiterbildungsbudget?"
55. "Mit welchen Niederlassungen, Unternehmensbereichen oder Abteilungen arbeite ich besonders intensiv zusammen?"
56. "Wurden in den letzten 24 Monaten Abteilungen zusammengeführt?"
57. "Wurden in den letzten 24 Monaten Abteilungen aufgelöst?"
58. "Wurden in letzter Zeit Dienstleistungen ausgelagert?"
59. "Wurden Zeitarbeiter ins Unternehmen geholt?"
60. "Wurden Mitbewerber übernommen?"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



So bereiten Sie Ihre Entscheidung für oder gegen eine Firma vor

  • Machen Sie es wie die Firmenseite, haken Sie zu gegebenen Antworten ruhig noch einmal nach.
  • Bleiben Sie dabei freundlich im Ton, treten Sie sich dennoch als selbstbewusster und berufserfahrener Bewerber auf, der sich nicht von zu allgemeinen, oberflächlichen oder gar ausweichenden Antworten ablenken lässt.
  • Auch Sie können offene Fragen nutzen, also beispielsweise "Welche wesentlichen Aufgaben sind sehr schnell in der neuen Stelle zu lösen?" oder "Wie ist der typische Ablauf in der Abteilung, wenn neue Projekte in Angriff genommen werden?" oder auch "Wie kann ich Sie noch stärker von meinem Wunsch überzeugen, die Stelle zu bekommen?".
  • Führungskräfte und Fachspezialisten mit Berufserfahrung können durchaus auch Unterschiedsfragen einsetzen: "Wie unterscheiden Sie gute Mitarbeiter von idealen Mitarbeitern?"
  • Auch Sie werden am Abend nach einem Vorstellungsgespräch oder am nächsten Tag den Gesamteindruck, den Sie von einer Firma im Vorstellungsgespräch gewonnen haben, gründlich auf sich wirken lassen.
  • Halten Sie für sich fest, welche Antworten Sie überzeugt haben und zu welchen Aspekten Sie sich noch mehr Informationen wünschen.
  • Blenden Sie in der möglichen Euphorie eines Neubeginns auf keinen Fall die Aspekte aus, die Sie Ihrer persönlichen Erfahrung nach eher kritisch einschätzen sollten.
  • Falsche, unrealistische und überhöhte Erwartungen zu Beginn einer (Arbeits-)Beziehung enden letztendlich immer auf dem Boden der Tatsachen.
  • Und dieser Boden sollte, so gut es eben geht, im Vorfeld gründlich sondiert werden.

 

 

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