Kein Arbeitszeugnis für die Bewerbung, und nun?

kein Arbeitszeugnis in der Bewerbungvon Christian Püttjer & Uwe Schnierda

Bewerbung ohne Zeugnis ✓ Fehlen richtig erklären ✓ Nicht im Anschreiben begründen ✓ Lösungen aus der Praxis ✓

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Ihnen fehlt ein Arbeitszeugnis? Sie wissen nicht, wie Sie das in der Bewerbung oder in einem Vorstellungsgespräch erklären können? Dann helfen Ihnen unsere Praxistipps.

 



Bewerben ohne Zeugnis

  • Wem fehlen Arbeitszeugnisse? In unserer Beratungspraxis hat sich gezeigt, dass bei etwa jedem zehnten Bewerber einzelne Arbeitszeugnisse fehlen.
  • Für gesamte Beschäftigungsdauer kein Arbeitszeugnis: Manche Arbeitnehmer können überhaupt kein Arbeitszeugnis für ein einzelnes Arbeitsverhältnis vorlegen. Es fehlen in diesen Fällen sowohl Zwischzeugnis(se) als auch das abschließende Endzeugnis.
  • Damit gibt es überhaupt keine Dokumentation von Seiten der Firma darüber, welche Aufgaben die oder der Beschäftigte übernommen hat und wie seine Leistungen im Detail und insgesamt (Gesamtnote) eingeschätzt wurden.
  • Nur Zwischenzeugnis, aber kein Endzeugnis: Gelegentlich sind ein oder zwei Zwischenzeugnisse eines Arbeitgebers vorhanden, aber kein abschließendes Arbeitszeugnis.
  • Dann bleibt für neue Arbeitgeber im Dunkeln, welche Schwerpunkte das Aufgabenfeld nach Erstellung des Zwischenzeugnisses umfasste. Kam es eventuell zu gravierenden zu Änderungen im Arbeitsbereich?
  • Weiter offen bleibt, ob die nach der Zwischenbewertung erbrachten Leistungen konstant blieben oder womöglich stark abgefallen sind und es deswegen zur Kündigung kam.

 



Warum fehlen Bewerberinnen und Bewerbern Arbeitszeugnisse?

  • Ärger: Es gab Ärger am alten Arbeitsplatz und man hat sich im Unfrieden getrennt. Die Firma „vergisst“ dann einfach ein Zeugnis auszustellen. Der Arbeitnehmer hakt nicht nach. Und laut Rechtsprechung ist der Anspruch auf Erteilung bereits nach sechs bis zehn Monaten erloschen.
  • Nachlässigkeit des Arbeitgebers: Der ehemalige – mit den Leistungen durchaus zufriedene - Arbeitgeber hat hoch und heilig versprochen, das Zeugnis per Post zu übermitteln, dies ist aber unterblieben.
  • Umzug: Der Arbeitnehmer ist mehrmals umgezogen, dabei sind wichtige Unterlagen (Arbeitszeugnisse, Ausbildungszeugnisse, Zertifikate) verloren gegangen.
  • Fehler des Arbeitnehmers: Der Arbeitnehmer selber hatte versprochen einen eigenen Entwurf für das Zeugnis einzureichen, den die Firma dann übernehmen wollte. In der neuen Stelle hatte er aber so viel zu tun, dass er erst bei der nächsten Bewerbung merkt, dass ihm das Zeugnis jetzt fehlt, weil er vergessen hatte, den Entwurf zu schreiben.
  • Insolvenz: Der Versuch des Arbeitnehmers, einen Zeugnisentwurf nachzureichen schlägt fehl, weil die alte Firma längst insolvent ist und nicht mehr existent.
  • Wohlwollender Vorgesetze weg: Der ehemalige wohlwollende Vorgesetzte, der den Entwurf unbesehen unterschreiben wollte, hat mittlerweile gekündigt.


 



Sollen fehlende Arbeitszeugnisse im Anschreiben erwähnt werden?

  • Nein, im Anschreiben sollten weder fehlende Zeugnisse erklärt oder schwächere Benotungen erläutert werden.
  • An dieser Stelle sollten besser Einstellungsargumente für die neue Stelle thematisiert werden.

 

 
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Sollte es im Lebenslauf angesprochen werden?

  • Nein, der Zusatz „Arbeitszeugnis liegt nicht vor“ könnte zwar hinter einer beruflichen Station im Lebenslauf eingefügt werden.
  • Dies würde aber zu ungünstigen Spekulationen über die Gründe dafür führen: Läuft noch ein Verfahren vor dem Arbeitsgericht? Haben sich ehemaliger Arbeitgeber und Arbeitnehmer heillos zerstritten? Hat der ehemalige Arbeitgeber das fehlende Zeugnis rechtswidrig zurückbehalten, weil er verärgert über eine fristlose Kündigung des Arbeitnehmers war?

 



Also gar nicht in den Bewerbungsunterlagen erwähnen?

  • Auch ungünstig, weil das Fehlen von Arbeitszeugnissen von Personalverantwortlichen oder künftigen Vorgesetzten, die über die Einstellung entscheiden, dahingehend interpretiert wird, das wohl ein schlechtes Zeugnis nicht beigelegt wurde, also „unterschlagen“ werden sollte.

 



Was tun und wie das Fehlen erklären?

  • Wir empfehlen berufserfahrenen Bewerberinnen und Bewerbern Arbeitszeugnisse rückwärts chronologisch zu präsentieren.
  • An der Stelle, an der ein Zeugnis fehlt, kann eine Zusatzseite eingefügt werden mit der Firmenbezeichnung, der Positionsbezeichnung und der Beschäftigungsdauer als Überschrift.
  • Dahinter dann, im Fließtext, eine kurze Begründung. Beispielsweise so: „Dieses Arbeitszeugnis fehlt, da es mein damaliger Arbeitgeber leider versäumt hat, mir ein Zeugnis auszustellen und meiner Bitte um nachträgliche Ausstellung aufgrund von Änderungen in der Unternehmensorganisation nicht entsprochen werden konnte.“
  • Eventuell auch eine ergänzende „alte“ Referenz: „Für Nachfragen zu meinen damaligen beruflichen Leistungen steht Ihnen Herr Johann Schmidt, mein damaliger Abteilungsleiter, unter der Telefonnumer 089 / 44 55 66 77 zur Verfügung.“

 

 

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Und wenn im Vorstellungsgespräch dazu nachgefragt wird?

  • Mit der gleichen Argumentationsstrategie vorgehen und herausstellen, dass Sie gute Arbeit geleistet haben, für die nur eine formale Bestätigung fehlt.
  • Zusätzlich idealerweise darauf verweisen, dass die anderen Arbeitszeugnisse „gut“ oder „sehr gut“ sind, um mit dieser Gesprächsstrategie von kritischen Einstellungshindernissen wegzukommen und stattdessen lieber Einstellungsargumente in den Vordergrund zu rücken.


 



Abschlusstipp?

  • Wir haben es schon erlebt, dass fehlende Arbeitszeugnisse noch nach sieben Jahren ausgestellt worden sind. Vorausgesetzt, es findet sich ein wohlwollender Ansprechpartner im alten Unternehmen und die Firma existiert noch. Einfach einen Zeugnisentwurf erstellen - und freundlich nachfragen.

 

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