Lücken im Lebenslauf erklären - 5 schnelle Praxistipps

von Christian Püttjer & Uwe Schnierda

In vielen Lebensläufen gibt es Lücken, beispielsweise wegen einer Kündigung, einer beruflichen Neuorientierung, einem Aufbaustudium, einem Zweitstudium, einer Fortbildung, Elternzeit oder einem Sabbatical. Wie lassen sich diese Lücken in den Bewerbungsunterlagen geschickt füllen?

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Lücken im Lebenslauf kaschieren, darstellen oder schließen

  • Gradlinige berufliche Entwicklungen sind mittlerweile die Ausnahme geworden. Beschäftigungsverhältnisse, die 20 oder mehr Jahre dauern gibt es nur noch selten.
  • Deutlich zugenommen haben dagegen befristete Beschäftigungsverhältnisse, mehrere kürzere unbefristete Beschäftigungsverhältnisse von drei bis fünf Jahren hintereinander oder - freiwillig und unfreiwillige - Phasen der Selbstständigkeit, die sich mit Phasen des Angestelltendaseins abwechseln.
  • Weiter ist zu beobachten, dass manche freigestellte Arbeitnehmer in wirtschaftlich schwächeren Zeiten ein Aufbau- oder Zweitstudium aufnehmen, um einerseits in einer demotivierenden Bewerbungssituation etwas Sinnvolles zu tun und sich andererseits weiterzuqualifizieren.

 



Wie lassen sich Lücken und Auszeiten im Lebenslauf füllen?

1. Lücke wegen Kündigung

Eine Insolvenz des Arbeitgebers oder eine Kündigung wegen einer wirtschaftlichen Schieflage des Unternehmens kommt für die Beschäftigten häufig überraschend. Bis dann der emotionale Schock verarbeitet und die Fähigkeit zum eigenen Handeln wieder gegeben ist und zur eigenen Qualifikation passende Stelle ausgeschrieben werden, können durchaus einige Wochen oder Monate vergehen. Dies wissen auch Arbeitgeber.

Lösung: Bereits in den ersten Püttjer/Schnierda- Bewerbungsratgebern aus dem Jahr 1996 empfahlen wir das Wort „Arbeitslosigkeit“ im Lebenslauf durch „arbeitsuchend“,  „Bewerbungsphase“ und bei einem Berufswechsel durch „berufliche Neuorientierung“ zu ersetzen. Und dieser Tipp ist immer noch aktuell. Ergänzend kann im Lebenslauf bei der Darstellung der letzten beruflichen Position angegeben werden „Insolvenz des Arbeitgebers“ oder „betriebsbedingte Kündigung“.

 

2. Lücke wegen längerem Auslandsaufenthalt oder Sabbatical

Einige Fachspezialisten oder Führungskräfte, die mehrere Jahre überaus engagiert gearbeitet haben, gönnen sich nach einer aus betrieblichen Gründen erfolgten Kündigung oder Freistellung durch den Arbeitgeber eine Belohnung in Form einer mehrmonatigen Auslandsreise.

Hier braucht die Belohnung in Sachen Work-Life-Balance im Lebenslauf nicht mühsam als „Sprachreise“ oder „interkultureller Auslandsaufenthalt“ versteckt werden.

Lösung: Die Angabe „Sabbatical“ oder „Asienreise“ reicht aus, zumindest dann, wenn vorher viel gearbeitet wurde.

Die dazugehörige Strategie fürs Vorstellungsgespräch lautet entsprechend: „Was ich mache, mache ich richtig. Entweder arbeiten oder reisen. Und jetzt möchte ich bei Ihnen mit aufgetankten Batterien und vollem Engagement mitarbeiten.“

 

 
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3. Lücke wegen Aufbaustudium, Zweitstudium und Fortbildung

Hier stellen wir häufiger „unechte Lücken“ in Lebensläufen fest. Im rückwärts-chronologischen Lebenslauf wird im Block „Berufliche Erfahrungen“ die letzte Anstellung dargestellt, die bereits vor zwei oder mehr Jahren endete. Erst auf der zweiten Seite des Lebenslaufes, im Block „Studium“ oder „Ausbildung“ tauchen dann Erststudium und akutelles Zweitstudium oder Ausbildung und laufende Fortbildung auf.

Manche Schnellleser in der Personalabteilung überfliegen die zweite Seite des Lebenslaufes nur noch sehr flüchtig, insbesondere dann, wenn die vermeintliche Lücke zu Beginn des Blocks „Berufliche Erfahrungen“ auf der ersten Seite schon das Interesse am Bewerber erlahmen lässt.

Lösung: Bilden Sie einen gemeinsamen Block „Berufliche Erfahrungen und aktuelle Weiterqualifikation“. Dann gibt es keine Lücke mehr am Anfang des Lebenslaufes.

 

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4. Lücke wegen Elternzeit

Eine mehrere Jahre dauernde „Elternzeit“ oder „Familiengründungsphase“ sollte entsprechend im Lebenslauf bezeichnet werden. Denn weder „Kinderpause“ noch „Erziehungsurlaub“ beschreiben das Engagement und die Leistungsfähigkeit von - meist - Müttern angemessen, tauchen aber ab und an als Beschreibung in Lebensläufen auf.

Lösung: Um die Elternzeit auch beruflich aufzuwerten können Minijobs, PC-Weiterbildungen oder selbstständige Tätigkeiten angegeben werden, die häufig am Ende der Elternzeit zur Vorbereitung des Wiedereinstiegs aufgenommen werden. Und zwar mit „Power-Formulierungen“ wie

„parallel zur Kindererziehung: Minijob im Verkauf, Aufgaben: Angebotserstellung, Angebotsverfolgung und Abschluss",
„zusätzlich Minijob im Schichtdienst, Tätigkeiten: Sicherung der Datenbanken, Programmierung von Tools und Ansprechpartnerin für Störungsfälle“ oder
„selbstständige Nebentätigkeit, Aufgaben: Aufbau und Pflege der Homepage, Gestaltung des Newsletters, Wareneinkauf und -verkauf“.

 

5. Lücke wegen Scheidung

Zu einschneidenden Lebensereignissen, die sich in Lebensläufen niederschlagen, gehören manchmal auch Scheidungen. Wir erleben es ab und an, dass Fachkräfte und Manager hier so aus der Bahn geworfen werden, dass die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz extrem eingeschränkt ist. Dies kann dann zu einer Kündigung beziehungsweise zu einem Aufhebungsvertrag führen. Schließt sich an das Ende des Beschäftigungsverhältnisses dann noch eine Lücke von beispielsweise zwölf Monaten an, ist guter Rat gefragt.

Lösung: Vermerken Sie gegebenenfalls die Angabe "Trennung" oder "Scheidung" im Lebenslauf. Ergänzen Sie eventuell mit weiteren Stichworten wie "private Neuorientierung" oder "Scheidung, Umzug und Neuausrichtung der Beziehung zu meinen Kindern."

Immerhin hat diese von uns empfohlene Wortwahl in Sachen Scheidung einigen unserer Beratungskunden dabei geholfen, eine vormals große Lücke im Lebenslauf, die Einladungen zu Vorstellungsgesprächen verhinderte, zu schließen. Und wenn dann plötzlich Einladungen zu Vorstellungsgesprächen erfolgen, die auch noch zu einem qualifizierten Arbeitsangebot führen, gehört das Teilen dieser beruflichen Glücksmomente auch für Bewerbungsberater zu echten Sternstunden.

 

Fazit: Fast alle Lücken im Lebenslauf lassen sich durch eine geschickte Darstellung glaubwürdig füllen. Bleiben Sie sich sich und Ihrem Werdegang treu und stellen Sie sich darauf ein, dass auch im Vorstellungsgespräch zu Brüchen und Lücken nachgehakt wird.

 

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