Gefährlich - vorläufiges Arbeitszeugnis nach Kündigung

 

Jens Möller hat sehr engagiert fünf Jahre lang für einen mittelständischen Maschinenbauer als Leiter Einkauf und Logistik gearbeitet. Nun fusionierte das Unternehmen mit einem Mitbewerber. Der langjährig erfolgreich tätigen Führungskraft wurde ein Aufhebungsvertrag einschließlich Abfindung, Freistellung und vorläufigem Arbeitszeugnis für die anstehende Jobsuche angeboten.

 

  • Handelt es sich bei dem vorläufigen Zeugnis um ein Zwischenzeugnis?

  • Oder gelten hier zusätzliche Besonderheiten, die von gekündigten oder freigestellten Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmern im eigenen Interesse dringend beachtet werden sollten?

 



Wichtiger Unterschied: vorläufiges und endgültiges Arbeitszeugnis

Grundsätzlich unterscheiden lassen sich

  • das klassische Arbeitszeugnis (Endzeugnis),

  • das klassische Zwischenzeugnis (Vorgesetztenwechsel, Beförderung, Elternzeit und weitere Anspruchsgründe) und

  • das hier näher beleuchtete vorläufige Arbeitszeugnis (Aufhebungsvertrag, Freistellung, fristgerechte Kündigung mit längerer Kündigungsfrist).

 

In unserer Beratungspraxis erleben wir häufiger, dass dem vorläufigen Arbeitszeugnis deutlich zu wenig Beachtung geschenkt wird, weil freigestellte Leistungsträger oder Fachspezialisten oft froh sind, dem nervigen Arbeitsalltag für einige Monate entkommen zu sein.

Die Belastung durch Überstunden, fordernde Projekte, Reisetätigkeit und Auslandseinsätze war oft so hoch, dass die Freistellungsphase quasi als "verdienter mehrmonatiger Erholungsurlaub" verstanden wird. Diese Einschätzung ist sicherlich nachvollziehbar.

 



Schwaches Arbeitszeugnis bitte nicht akzeptieren

Allerdings sollte ein in dieser Zeit übermitteltes fehlerhaftes Arbeitszeugnis mit der Überschrift "Zwischenzeugnis" nicht fälschlicherweise einfach hingenommen und aus gefährlicher Bequemlichkeit wortlos akzeptiert werden.

 

Insbesondere dann nicht,

  • wenn wesentliche Arbeitsinhalte fehlen,

  • auf besondere Leistungen und Erfolge überhaupt nicht eingegangen wird,

  • einzelne Formulierungen missverständlich oder sogar abwertend formuliert worden sind,

  • die Gesamtnote merkwürdig erscheint und

  • die bei Führungskräften die unverzichtbare Führungsleistung eher dürftig beschrieben wird.

 



Später ist oftmals zu spät

Schon so mancher ehemalige Arbeitnehmer hat zu Unrecht darauf vertraut, dass sich die Merkwürdigkeiten oder sogar Mängel in der seiner Meinung nach nur vorläufig erfolgten Zwischenbeurteilung zu einem späteren Zeitpunkt noch beheben lassen.

Je mehr Zeit aber ins Land geht, desto schwächer werden bei ehemaligen Vorgesetzten die Erinnerungen an die seinerzeit engagierte, ergebnisorientierte und erfolgreiche Mitarbeit des Beurteilten Ex-Kollegen.

Die Bereitschaft, auf Änderungswünsche einzugehen sinkt noch mehr, wenn das Arbeitsverhältnis gegen Ende vorwiegend durch Reibereien, Streitigkeiten und Auseinandersetzungen geprägt war, was durchaus der Realität entspricht.

Schließlich wird ja oft gekündigt, weil beispielsweise der Chef oder die Kollegen nur noch schlechte Stimmung verbreitet haben.

Gelegentlich haben wir in unserer Beratungspraxis durchaus den Eindruck, dass das Arbeitszeugnis eher als Racheakt, denn als wohlwollende und möglichst objektive Leistungsbewertung eingesetzt wurde.

 



Nehmen Sie rechtzeitig Einfluss

Das Problem des vorläufigen Arbeitszeugnisses mit der Überschrift "Zwischenzeugnis" ist darin zu sehen, dass es weitaus verbindlicher ist. Wer die zu Bewerbungszwecken übermittelte vorläufige Beurteilung ohne Gegenreaktion akzeptiert, wird es deutlich schwerer haben, zu einem späteren Zeitpunkt noch Wünsche am Endzeugnis durchzusetzen.

Hier hilft unter Umständen nur der Weg zum Experten für Arbeitsrecht, also einem Anwalt beziehungsweise Fachanwalt, was üblicherweise mit viel zeitlichem Aufwand und Nervenkrieg verbunden ist. Mit etwas taktischem Geschick kann dem späteren Ärger häufig vorgebeugt werden.

 

Aus unserer Beratungspraxis

Auch wenn Sie sich gar nicht mit dem vorläufigen Arbeitszeugnis, das die Überschrift Zwischenzeugnis trägt, bewerben möchten, sollten Sie berechtigte Änderungen in jedem Fall einfordern. Damit erhöhen Sie Ihre Chancen deutlich, letztendlich ein gutes Endzeugnis zu bekommen.

Bei laufenden Bewerbungen können Sie das momentan noch wenig überzeugende Zwischenzeugnis einfach weglassen, um den hilfreichen "Anschein eines leistungsstarken Bewerbers auf Jobsuche" nicht unbedacht zu beschädigen.

 

Wenden Sie sich bei Zweifeln an der Qualität Ihres vorläufigen Zeugnisses an noch vorhandene Unterstützer im Unternehmen. Legen Sie einen eigenen Entwurf vor, der Ihre überzeugenden Leistungen nachvollziehbar und aussagekräftig dokumentiert.

Nutzen Sie hierfür unsere bewährten digitalen Zeugnishelfer, um schneller zum "sehr guten" oder "guten" Zwischenzeugnis zu kommen.

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Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

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