Arbeitszeugnis 10 häufige Fehler und Lösungen

Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

Häufige Fehler vermeiden  ✓ Sie und Ihr ✓ Einzelnoten schlechter als Gesamtnote ✓ Reihenfolge-Technik ✓ Bloß kein Glück ✓

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Ja, es stimmt, dass das Schreiben von Arbeitszeugnissen wirklich eine Geheimwissenschaft ist. Dennoch gibt es typische Fehler, die Sie mit unserer Hilfe schnell erkennen können. Um dann den Arbeitgeber in einem zweiten Schritt zur Verbesserung aufzufordern.

Wenn wir in unserer Beratungspraxis Arbeitszeugnisse schreiben, überprüfen und verbessern stellen wir die folgenden Mängel recht häufig fest. Nutzen Sie unser Insiderwissen, um Ihr Zeugnis einem Schnellcheck zu unterziehen.

 

Aus einer fehlerhaften Zeugnisvorlage für Führungskräfte (!) von monster.de. - Mehr dazu unter Fehler 7. und Fehler 8.

 



1. Aufgabenblock zu kurz

Was soll das Arbeitszeugnis für Sie eigentlich leisten? Richtig, es soll Sie bei der jetzt anstehenden Bewerbung oder künftigen Bewerbungen mit guten Argumenten unterstützen, die für Sie sprechen.

Diese Argumente fehlen aber, wenn der Aufgabenblock zu wenige Tätigkeiten enthält, die dann auch noch viel zu knapp dargestellt werden.

Wir erleben es in unseren Zeugnisberatungen immer wieder, dass sowohl typische Arbeitsinhalte als auch im Laufe der Zeit übernommene Zusatzaufgaben nicht erwähnt werden.

Dies liegt häufig daran, dass die Personalmitarbeiter, die Arbeitszeugnisse ausstellen, häufig gar nicht wissen, welche Aufgaben die Angestellten im Tagesgeschäft und im Rahmen von Projekten, Vertretungen oder Sonderaufgaben übernommen haben.

Interessant für Sie ist unsere Erfahrung, dass an diesem Punkt kaum Widerstand geleistet wird, wenn Sie Nachbesserungen einfordern. Überarbeiten und ergänzen Sie daher Ihren Aufgabenblock, wenn Sie nicht zufrieden mit dem Entwurf der Firma sind. Unsere Beispiele als PDF-Downloads für Aufgaben, Tätigkeiten und Zuständigkeitsbereiche helfen Ihnen dabei zielgerichtet und schnell.

 



2. Widersprüchliche Bewertungen zwischen den Einzelnoten

Wenn die Arbeitsmotivation „gut“ ist, sollte die Arbeitsweise nicht bloß mit „ausreichend“ bewertet werden. Übersetzt heißt dies nämlich: „Er ging zwar sehr motiviert an alle Aufgaben heran, war aber eher schlampig bei der täglichen Arbeit und machte häufig Fehler.“

Überprüfen Sie also Ihr Arbeitszeugnis dahingehend, ob es innerhalb der Einzelbewertungen gravierende Abweichungen gibt.

Wir haben Ihnen zum besseren Verständnis für die vielen Einzelnoten im Arbeitszeugnis eine Übersicht zusammengestellt.

 



3. Gesamtnote und Einzelbewertungen weichen deutlich voneinander ab

Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wissen mittlerweile, dass eine „gute“ oder „sehr gute“ Gesamtnote im Stil von „Sie erledigte die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.“ ins Arbeitszeugnis gehört.

Allerdings werten manche Arbeitgeber die überzeugende Gesamtnote durch die Hintertür ab. Nämlich in den Einzelbewertungen wie Arbeitsqualität, Sozialverhalten oder Führungsleistungen.

Sorgen Sie also dafür, dass Ihre Einzelbewertungen auch der von Ihnen geforderten Gesamtnote entsprechen.

 



4. Der Frauenfehler: Sie und Ihr!

Werden Arbeitnehmerinnen bewertet, hat sich in etwa jedes zehnte Arbeitszeugnis mittlerweile der „Frauenfehler“ eingeschlichen.

Dann sieht man immer öfter Rechtschreibfehler wie „Sie erledigte die Ihr übertragenen Aufgaben...“ oder „Auch im Umgang mit Kollegen konnte Sie...“ In diesen Fällen handelt es sich aber nicht um eine höfliche Anrede. Deshalb werden „ihr“ und „sie“ hier kleingeschrieben.

 



5. Zeugnis im Superlativ

Da immer mehr Firmen es den Beurteilten überlassen, ihr Arbeitszeugnis selbst zu schreiben, tauchen neuerdings immer mehr Zeugnisse im Superlativ auf. Auch wir empfehlen selbstverständlich ein Arbeitszeugnis positiv zu verfassen. Dies darf aber nicht zu Lasten der Glaubwürdigkeit gehen.

Insbesondere dann nicht, wenn die Noten vorhergehender Arbeitszeugnisse, Hochschulzeugnisse, Ausbildungszeugnisse oder Schulzeugnisse eher im befriedigenden oder gar ausreichenden Bereich lagen.

 



6. Beredtes Schweigen: Was wird nicht gesagt?

Unter Zeugnisexperten ist das „beredte Schweigen“ als Maßnahme des Arbeitgebers bekannt, um die Unzufriedenheit mit den Leistungen des beurteilten Arbeitnehmers auszudrücken.

Wenn beispielsweise das Zwischenzeugnis eines Ingenieurs keine Angaben zu seiner „systematischen“, „analytischen“ oder „strukturierten“ Vorgehensweise enthält, kann dies künftige Arbeitgeber zu Spekulationen einladen, die zu Lasten des Beurteilten gehen.

 



7. Glück im Arbeitszeugnis?

Leider gibt es im Internet viele qualitativ minderwertige und sogar eindeutig abwertende Zeugnisfloskeln, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern dann auch noch empfohlen werden.

Auch die Jobbörse Monster.de stellt beispielsweise ein kostenloses Arbeitszeugnis zur Verfügung, das in die Zukunftswünsche den Wunsch nach „Glück“ aufgenommen hat.

Bedenken Sie dabei jedoch, dass derjenige, der am Arbeitsplatz Erfolg gehabt hat, sicherlich beim nächsten Arbeitgeber kein „Glück“ benötigt. „Glück“ braucht wohl eher der, der nichts konnte, oder?

 



8. Negative Bewertungen durch Reihenfolge-Technik?

Für alle Arbeitszeugnisse gilt, dass Aufzählungen besonders aufmerksam kontrolliert werden müssen. Beispielsweise darf es nicht heißen „Für seine private und berufliche Zukunft wünschen wir ihm ...“, da künftige Arbeitgeber natürlich an der beruflichen Zukunft des beurteilten Arbeitnehmers interessiert sind. Richtig wäre also „Für seine berufliche und private Zukunft wünschen wir ihm ...“. Aua Monster.de!

Gleiches gilt für das Sozialverhalten. Negativ zu werten wäre diese Aufzählung „Ihr Verhalten gegenüber Kollegen, Vorgesetzten und Mitarbeitern war stets einwandfrei.“ Übersetzt meint dies nämlich „Ihr Verhalten gegenüber dem Chef/der Chefin war zu beanstanden.“

Besser ist also „Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern war stets einwandfrei.“

 



9. Adresse auf dem Arbeitszeugnis

Immer wieder kommt es auch vor, dass das Arbeitszeugnis als Endzeugnis die Adresse des Beurteilten enthält, also wie ein Geschäftsbrief aufgebaut ist.

Zum einen ist dies unüblich und widerspricht der richtigen Form. Und zum anderen könnte daraus womöglich gefolgert werden „Wir wollten ihn in der Firma nicht mehr sehen, haben ihm gekündigt und dann das Zeugnis nach einem Gerichtstermin wegen seiner Kündigungsschutzklage per Post zugestellt.“

 



10. Negativformulierungen: „tadellos“ und „nicht zu beanstanden“?

Unter Zeugnisexperten ist es schon seit Jahren bekannt, dass Negativformulierungen in Arbeitszeugnissen verwandt werden, um Arbeitnehmer indirekt abzuwerten.

Dann heißt es „Ihr Verhalten war vorbildlich und tadellos (meint allerdings: zu tadeln)“. Oder „Sein Verhalten gegenüber Kunden war überzeugend und nicht zu beanstanden (meint: absolut zu beanstanden)“.

In unserer Beratungspraxis erleben wir zwar häufig, dass Negativformulierungen nicht aus Absicht, sondern aus Unwissenheit ins Zeugnis eingefügt werden. Aber auch dies geht letztendlich zu Lasten der Arbeitnehmerin beziehungsweise des Arbeitnehmers.

 

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