Interne Bewerbung: 10 strategische Fehler und Insider-Tipps

Argumente auch im Anschreiben nötig  ✓ Duzen in der Bewerbung  ✓ Lebenslauf anpassen ✓ Konkurrenten im Blick ✓ Unterstützer einbinden ✓

 

Aus unserer Coachingpraxis

Zwischen momentanem Vorgesetztem und neuem Team zerrieben.

 

Svea Schmidt (alle Namen erfunden) arbeitete schon einige Jahre erfolgreich im Einkaufsteam eines Anbieters von Spezialpumpen als Technische Einkäuferin mit. Das Unternehmen war schon länger auf Wachstumskurs, die Stimmung unter den Mitarbeitern war gut und ständig wurden neue Stellen geschaffen und besetzt.

Holger Müller leitete im gleichen Unternehmen das Logistikteam und suchte dringend nach Ersatz für einen Mitarbeiter, der bisher die Wareneingangskontrolle einschließlich Qualitätsprüfung verantwortet hatte.

Er sprach Svea Schmidt an und fragte sie, ob sie Lust hätte, die Vakanz auszufüllen. Begeistert sagte Svea Schmidt zu, da sie schon länger aus der doch etwas eintönigen Routine am Arbeitsplatz ausbrechen, aber dennoch ihr Fachwissen aus dem technischen Einkauf weiterhin anwenden wollte.

Womit Svea Schmidt nicht gerechnet hatte, waren die harschen Reaktionen ihres momentanen Vorgesetzten, der sich im Stich gelassen fühlte. Von sofort an wich er dem Kontakt mit ihr aus und verbreitete aus Wut im Einkaufsteam das Gerücht, dass Svea Schmidt wohl ein Verhältnis mit Holger Müller hätte, da der ihr ja eine neue, besser bezahlte Stelle unter der Hand zuschanzen wolle.

Die Eigendynamik kam immer mehr in Fahrt, Holger Müller zog sein Angebot letztendlich zurück, um der Gerüchteküche den Wind aus den Segeln zu nehmen. Svea Schmidt musste an ihrem alten Arbeitsplatz bleiben. Die Beziehungsebene zum Vorgesetzten aber war vollständig zerstört.

Am Ende musste Svea Schmidt sich außerhalb des Unternehmens eine neue Stelle suchen, da sie den kalten Umgangston und die spitzfindigen Bemerkungen ihres direkten Vorgesetzten einfach nicht mehr aushielt.

 

Nicht immer verlaufen interne Bewerbungen so dramatisch und emotional belastend wie im geschilderten Beispiel. Im Gegenteil, sehr oft gelingt der Um- oder Aufstieg. Allerdings sollten grundsätzlich die Reaktionen aller Personen bedacht werden, die vom internen Wechsel in irgendeiner Art betroffen sind.

Schließlich spielt der "Faktor Mensch" nicht nur im Privaten, sondern auch am Arbeitsplatz eine zentrale Rolle im Leben aller Beteiligten. Wird dies bei "Planänderungen" zu wenig bedacht, kann es tatsächlich, wie im geschilderten Beispiel, statt eines erfolgreichen internen Wechsels zu einer externen Zwangsbewerbung kommen.

 



Startvorteil: interne Bewerbung

Aktuell boomt der Arbeitsmarkt in vielen Regionen, tatkräftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden gesucht. Viele Firmen schaffen neue Stellen, die nicht nur mit Bewerbern von außen, sondern auch von innen besetzt werden.

Bei der internen Bewerbung gibt es die Möglichkeit

  • aufzusteigen, also sich intern befördern zu lassen, beispielsweise zum Projektleiter, zur Teamleiterin, zum Abteilungsleiter oder zur Bereichsleiterin oder

  • umzusteigen, also intern eine ähnliche Stelle zu finden, die noch besser zu den eigenen Wünschen und Vorstellungen passt. Dabei kann es um die Arbeitsinhalte gehen oder auch um den Wechsel ins Wunschteam zu Kollegen, die einem einfach sympathischer sind.

     

    Die Vorteile der internen Umorientierung liegen auf der Hand.

    • Der Arbeitsalltag und die Arbeitsabläufe im Unternehmen sind interessierten Jobwechslern grundsätzlich vertraut.

    • Viele Kolleginnen und Kollegen kennt man bereits über einen längeren Zeitraum.

    • Wenn intern Stellen vergeben werden, kann man nicht nur Vorteile, sondern auch eventuelle Nachteile viel leichter recherchieren ("realistische Tätigkeitsvorausschau")

    • Im Gegensatz zu externen Bewerbungen muss man nicht allein auf eine abstrakte Stellenbeschreibung oder auf "Anpreisungen" im Vorstellungsgespräch vertrauen.

    • Und auch die Vorzüge von und Kritikpunkte an neuen Chefinnen oder Chefs können oft besser eingeschätzt werden.

     

    Dennoch sind interne Bewerbungen keine Selbstläufer, zum einen sollten momentane Vorgesetzte geschickt darüber hinweggetröstet werden, dass ihnen künftig jemand anderes den Rücken freihalten muss.

    Und zum anderen müssen künftige Vorgesetzte davon überzeugt werden, dass Sie die oder der Richtige für die freie Stelle im Unternehmen sind.

    Was ist weiter zu bedenken?"

     

     



    Besonderheiten beim Anschreiben beachten

     

    Fehler 1: Duzen im Anschreiben

    Sie kennen Ihren neuen Chef, weil er eine andere Abteilung im Unternehmen, einen anderen Bereich oder eine andere Niederlassung leitet?

    Dann sollten Sie diesen Startvorteil für Ihre Bewerbung nutzen, insbesondere dann, wenn er Sie aufgefordert hat, sich auf die zu besetzende Stelle formlos zu bewerben.

    Dennoch sollte die Anrede im Anschreiben den üblichen Firmengepflogenheiten entsprechen. Schließlich wandern Anschreiben und Lebenslauf in Ihre Personalakte, und die soll weder jetzt noch später nach Kungelei oder illegalen Absprachen aussehen.

    Tipp: Wählen Sie für das Anschreiben daher die geschäftsmäßige Anrede "Sehr geehrter Herr Müller,". In manchen Firmen wäre auch ein "Lieber Sebastian Müller," denkbar. Auf keinen Fall sollte die Anrede aber "Lieber Sebastian," lauten. Abgesehen natürlich von den Firmen, in denen sich vom Azubi bis zum Vorstand alle Duzen.

     

    Fehler 2: Keine Begründung im Anschreiben

    Auch wenn Ihre Qualitäten der neuen Chefin oder dem neuen Chef bekannt sein dürften, sollten Sie auf Einstellungsargumente in Ihrem Anschreiben nicht verzichten.

    Formulieren Sie im Anschreiben der internen Bewerbung also nicht "Lieber Sebastian, hiermit bewerbe ich mich auf die von dir angesprochene Stelle Abteilungsleiter Verkauf. Alles weitere dann im Vorstellungsgespräch, mit sonnigen Grüßen, dein Jörg."

    Tipp: Entscheiden Sie sich für ein Kurzprofil, beispielsweise so: "Sehr geehrter Herr Müller, gerne nehme ich die Gelegenheit wahr, mich auf die frei werdende Stelle Abteilungsleiter Verkauf zu bewerben. Da ich seit 7 Jahren im Unternehmen im Verkauf arbeite, mehrere Produkteinführungen erfolgreich begleitet habe und die Abstimmung zwischen Vertrieb, Marketing und Produktentwicklung sehr gut kenne, möchte ich diese Erfahrungen nun gebündelt in die neue Position einbringen."

     

    Fehler 3: Keine Führungserfahrung

    Wenn Sie intern aufsteigen möchten, steht Ihre Führungserfahrung bei der Einstellungsentscheidung mit auf dem Prüfstand.

    Tipp: Verfügen Sie nur über wenig Führungserfahrung, sollten Sie Stellvertretungen wegen längerer Abwesenheit, Krankheit oder Urlaub Ihres Vorgesetzten erwähnen. Und gegebenenfalls auch auf Projektleitungen oder Projektteilleitungen hinweisen.

     

    Fehler 4: Ergebnis des Vorstellungsgespräches vorwegnehmen

    Beenden Sie Ihr Anschreiben nicht mit Floskeln wie "Wir können das  Vorstellungsgespräch zeitlich sicher verkürzen, da du meine Stärken und Qualitäten ja kennst."

    Tipp: Verweisen Sie darauf, dass Sie Ihre umfassenden Fach- und Branchenkenntnisse, Ihr Engagement und Ihre Stärken gerne allen an der Entscheidung Beteiligten in einem persönlichen Gespräch erläutern.

     



    Lebenslauf der internen Bewerbung

     

    Fehler 5: Keine passenden Tätigkeiten im Lebenslauf

    In Ihrem Lebenslauf für den internen Um- oder Aufstieg sollten nicht bloß die aktuelle Positionsbezeichnung und frühere Stellenbezeichnungen auftauchen. Sie sollten auch Tätigkeiten angeben, damit der CV mehr Substanz bekommt. Insbesondere solche, die zur Zielposition passen.

    Tipp: Nutzen Sie den Gestaltungsspielraum, den Sie bei der Auswahl und Nennung von Tätigkeiten haben. Führen Sie also nicht bloß aktuelle Aufgaben auf, sondern nennen Sie auch frühere Aufgaben, die aber einen deutlichen Bezug zu den Aufgabenschwerpunkten der neuen Stelle haben.

     

    Fehler 6: Keine Erfolge im Lebenslauf

    Jedes Unternehmen, also auch Ihr Arbeitgeber, sucht überdurchschnittlich engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Deshalb gehören ausgewählte Erfolge in den Lebenslauf.

    Tipp: Verweisen Sie deshalb in Ihrem Lebenslauf ausdrücklich auf Prozessoptimierungen, erfolgreiche Sonderaufgaben, Projektarbeit, Restrukturierungen, Kostensenkungsmaßnahmen oder andere herausragende Erfolge.

     

    So gelingt Ihre interne Bewerbung

     

    Nutzen Sie unsere bewährten digitalen Bewerbungshelfer, um Ihren internen Umstieg oder Aufstieg erfolgreich in Angriff zu nehmen.

    nützlich: 4 x Muster für Anschreiben

    hilfreich: 5 x Vorlagen für Lebensläufe

    inspirierend: 4 x Muster für Zwischenzeugnisse (nach internem Wechsel wichtig)

    anregend: Die 30 wichtigsten Fragen im Vorstellungsgespräch - und Antworten

    motivierend: Die 50 wichtigsten Fragen im Vorstellungsgespräch - und Antworten

    Fehler 7: Keine Entwicklung

    Kennen Sie das Peter-Prinzip, nach dem jeder aufsteigt, bis er die Stufe seiner Unfähigkeit erreicht hat? Viele Vorgesetzte haben Angst davor, Mitarbeiter zu befördern, die sich dann auf der erreichten Karrierestufe ausruhen.

    Tipp: Verdeutlichen Sie im Lebenslauf, wie Sie sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt haben. Führen Sie ausgewählte IT-Trainings, Führungsseminare, Projektleiter-Workshops oder Sprachkurse auf.

     



    Kein Selbstläufer: Das interne Vorstellungsgespräch

     

    Fehler 8: Mitbewerber nicht im Blick

    Bei Personalentscheidungen wollen immer mehrere Entscheider mitreden und vielleicht auch eigene Kandidaten durchbringen.
     

    Tipp: Überlegen Sie sich vor einem internen Vorstellungsgespräch, wer Ihre internen Mitbewerber sein könnten, und was Sie besser als diese können.

    Und setzen Sie sich parallel dazu mit Ihren eigenen Lücken im Lebenslauf auseinander, damit Sie diese auf Nachfrage glaubwürdig erklären können.

     

    Fehler 9: Keine Einstellungsargumente

    "Groß vorzustellen brauche ich mich ja nicht, eigentlich alle hier kennen ja mein langjähriges Engagement für die Firma." Selbstpräsentationen dieser Art sind in internen Vorstellungsgesprächen tödlich, kommen aber regelmäßig vor.

    Tipp: Stellen Sie in Ihrer Selbstpräsentation ein Gemeinschaftsgefühl her, indem Sie ausgewählte Erfolge der Vergangenheit noch einmal ins Gedächtnis rufen. Sprechen Sie dann auch künftige Herausforderungen und Aufgaben an und betonen Sie, dass Sie diese ebenso ausdauernd und zielorientiert in Angriff nehmen werden.

     

    Fehler 10: Keine Übergabe der alten Aufgaben

    Verärgern Sie Ihren momentanen Chef nicht durch einen schlecht kommunizierten und uneleganten Abgang. Sonst haben Sie einen Feind fürs Leben im Unternehmen.

    Tipp: Der Flurfunk funktioniert in jedem Unternehmen und zwar immer schneller als einem lieb ist. Binden Sie Ihren momentanen Vorgesetzten daher rechtzeitig ein.

    Erklären Sie ihm oder ihr überzeugend, dass Sie Ihren Nachfolger erstens gründlich einarbeiten werden und ihm oder ihr zweitens auch danach noch als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung stehen werden. Schließlich möchten Sie Ihre momentane Stelle auch künftig nur in "allerbesten Händen" wissen.

     

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    Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

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