Schlechtes Arbeitszeugnis - Was tun?

Beispiele schlechte Bewertungen ✓ gezielt Nachbesserung einfordern ✓ Verhandlungsspielräume nutzen ✓ Vorgesetzter oder Personalabteilung ✓ taktisch erklären im Gespräch ✓

 

Sie befürchten, dass Ihr Arbeitszeugnis schlechte Bewertungen enthält? Sie möchten unterdurchschnittliche Noten nicht akzeptieren? Und Ihr Zeugnis eigentlich anfechten und Verbesserungen einfordern?

Was können Sie nun tun?

 



#1 Beispiele: Ist Ihr Arbeitszeugnis wirklich schlecht?

In unserer Beratungspraxis haben wir täglich mit Arbeitszeugnissen und den dazugehörigen Auseinandersetzungen zu tun.

Beispiele schlechtes Arbeitszeugnis: Neben einer eindeutig schlechten Gesamtnote gibt es - in der Summe - diese Merkmale, die eine unterdurchschnittliche Bewertung vermuten lassen:

- Zu geringer Umfang, beispielsweise zwei Jahre Beschätigung, aber nur eine sehr knappe Seite Textinhalt für das Zeugnis.

- Zu wenig Aussagekraft, beispielsweise eine Unternehmensbeschreibung, die fünf Zeilen umfasst, aber ein Tätigkeitsblock, der nur aus drei Hauptaufgaben besteht.

- Zu passive Wortwahl: "war beschäftigt", "hat erledigt", "wurde beauftragt" und weitere.

- Zu oberflächlich: Dann fehlen besondere berufliche Erfolge "Zu erwähnen ist ..." oder besondere persönliche Merkmale "Insbesondere im Umgang mit Kunden...".

- Widersprüchlich: Die Gesamtnote ist gut, aber das Verhalten gegenüber Vorgesetzten oder Kollegen ist schwach bewertet. Oder die Arbeitsweise ist unterdurchshnittlich. Oder die Führungsleistung ist deutlich abweichend.

Änderungen möglich: Unsere Praxis bestätigt, dass sich hartnäckige Diplomatie im Regelfall auszahlt. Damit meinen wir, dass wir es immer wieder erleben, dass Zeugnisse durchaus verbessert werden können. Vorausgesetzt, Sie gehen mit der richtigen Mischung aus Taktik, Verhandlungsgeschick und Ausdauer vor.

Zeugnis-Check: Bevor Sie sich über ein vermeintlich schlechtes Arbeitszeugnis ärgern, sollten Sie zunächst selbst eine gründliche Analyse durchführen.

 

So analysieren Sie Ihr Arbeitszeugnis
Wie aussagekräftig ist die Aufgabenbeschreibung?
Werden besondere berufliche Erfolge erwähnt?
Wie schlecht ist die Gesamtnote wirklich?
Wie ist der Kündigungsgrund im Schlussabsatz formuliert?
Wird Dank für die geleistete Arbeit ausgesprochen?
Wird für die berufliche und private Zukunft weiterhin alles Gute und Erfolg gewünscht?
Welchen Gesamteindruck haben Sie vom Arbeitszeugnis?

 

Auf dieser Basis können Sie dann gezielt Nachbesserungen einfordern. Idealerweise gleich mit konkreten Verbesserungsvorschlägen, denn so manche Personalabteilung weiß oft gar nicht, wie ein überzeugendes Arbeitszeugnis formuliert wird, insbesondere in kleinen oder mittleren Unternehmen.

 



#2 Nach Kündigung: Schlechtes Arbeitszeugnis

Wissen fehlt: Es gibt viele Unternehmen, die aus Unwissen und Unachtsamkeit missverständliche Arbeitszeugnisse verfassen. Dies gilt nicht nur für kleinere und mittlere Unternehmen, kommt dort aber besonders häufig vor.

Enthält Ihr Arbeitszeugnis also von Ihnen entdeckte Fehler und Abwertungen, die so gar nicht so beabsichtigt waren, wird Ihr ehemaliger Arbeitgeber Ihre Korrekturwünsche hinsichtlich der Formulierungen oft ohne größeren Widerstand erfüllen.

Suchen Sie das Gespräch: Es empfiehlt sich, hier zunächst das Gespräch suchen und sich nicht gleich in eine juristische Auseinandersetzung zu stürzen. Sind die Fronten nämlich erst einmal verhärtet, wird es schwieriger werden, die beabsichtigen Veränderungen zu erzielen.

 



#3 Gab es Ärger in der Firma?

Streit am Arbeitsplatz: Wenn es Reibereien mit Kollegen oder Vorgesetzten gab, finden diese Konflikte häufig auch ihren Niederschlag im Arbeitszeugnis.

Meist ist es aber so, dass Arbeitgeber die größte Zeitdauer des Beschäftigungsverhältnisses zufrieden sind und es erst gegen Ende wiederholt zu Streit kommt, der dann letztendlich zu einer arbeitgeberseitigen, einer arbeitnehmerseitigen oder einer einvernehmlichen Kündigung führt.

Der Blick zurück: In diesen Fällen hilft es oft, gegenüber der Firma auf den langen Beschäftigungszeitraum, die engagierte Mitarbeit und die Erfolge der Vergangenheit zu verweisen.

Der gesamte Zeitraum: Und explizit auszusprechen, dass der Konflikt am Ende des Arbeitsverhältnisses zwar bedauerlich ist, im Arbeitszeugnis jedoch die gesamte Beschäftigungsdauer zu bewerten ist.

 



#4 Wer ist der richtige Ansprechpartner?

Wer kann helfen? Wenn Sie Änderungen an Ihrem Zeugnis erreichen möchten, werden Sie mit der richtigen Ansprechpartnerin beziehungsweise dem richtigen Ansprechpartner schneller zum Ziel kommen.

Fach- oder Personalabteilung: Meist ist der Draht zum ehemaligen Fachvorgesetzten am besten. Dann sollten Sie abwägen, ob Sie sich direkt mit der Personalabteilung auseinandersetzen wollen oder Ihren ehemaligen Chef ein letztes Mal zum Verbündeten machen.

Oberste Ebene: Manchmal ist es auch sinnvoll, den direkten Draht zur Geschäftsführung zu suchen. Schließlich werden dort Entscheidungen getroffen, die dann auch von Personalmitarbeitern oder ehemaligen Fachvorgesetzten umgesetzt werden müssen.

 



#5 Sind frühere Arbeitszeugnisse schlecht?

Zeugnisse im Vorstellungsgespräch: Wir erleben es auch häufiger, dass Bewerberinnen oder Bewerber in Vorstellungsgesprächen auf frühere Arbeitszeugnisse angesprochen werden. Beispielsweise, weil die Führungsleistung fragwürdig formuliert ist oder der gute Umgang mit Kunden nicht ausdrücklich erwähnt wird.

Späte Nachbesserung: Auch in diesen Fällen lohnt sich manchmal ein sehr verspäteter Wunsch auf Nachbesserung. Insbesondere dann, wenn die Firma noch existiert und der frühere Vorgesetzte noch dort arbeitet.

So haben wir schon Änderungen in Zeugnissen erzielen können, die fünf oder mehr Jahre alt waren. Einen rechtlichen Anspruch auf Korrektur haben Sie in diesen Fällen selbstverständlich nicht.

 



#6 Wie räumen Sie Missverständnisse in Vorstellungsgesprächen aus?

Auf Nachfragen reagieren: Sollten Sie trotz aller Bemühungen auf Änderung mit einem eher durchschnittlichen oder sogar unterdurchschnittlichen Arbeitszeugnis leben müssen, sollten Sie damit rechnen, darauf in Vorstellungsgesprächen angesprochen zu werden.

 

Schlechte Zeugnisse im Vorstelungsgespräch erklären

Frühere Leistungsnachweise gelten ebenso: Im Idealfall verweisen Sie auf zwei oder mehr frühere Arbeitszeugnisse, in denen Ihre Leistungen besser bewertet worden sind.

Aufgaben gut bewältigt: Erklären Sie, dass Sie mit den Kollegen und den Aufgaben gut zurechtgekommen sind, die Chemie mit dem Chef aber einfach nicht stimmte, was letztendlich zur Kündigung führte und sich dann auch im Arbeitszeugnis niedergeschlagen hat.
Reagieren Sie taktisch: Behaupten Sie mit unschuldiger Miene, dass Sie bisher davon ausgegangen sind, dass das Zeugnis Ihre guten Leistungen widerspiegelt und es sich bei einigen Formulierungen wohl um ein Missverständnis handeln muss.
Zusätzliche Referenzen: Bieten Sie zusätzliche Referenzen an, beispielsweise Kollegen, mit denen Sie ein größeres Projekt bearbeitet haben oder Kunden, mit denen Sie viele Jahre zusammengearbeitet haben. Vergessen Sie nicht, Ihre Referenzgeber vorher um Erlaubnis zu fragen.

 

Wenn Sie die Gelegenheit haben, Einfluss auf ein aktuelles Zwischenzeugnis oder Endzeugnis nehmen zu können, sollten Sie diese Chance nutzen. Rufen Sie uns an, gerne unterstützen wir Sie dabei!

Denn überzeugende Arbeitszeugnisse begleiten Sie ein Arbeitsleben lang - und schlechte leider auch.

 

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Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

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