Vorgesetztenwechsel: Muss ich jetzt ein Zwischenzeugnis anfordern?

 

Angenommen, Sie arbeiten seit drei Jahren für Ihr Unternehmen und Ihr Vorgesetzter verlässt das Unternehmen. Sollten Sie jetzt die Gelegenheit nutzen und Ihren Anspruch auf ein Zwischenzeugnis durchsetzen und eine Zwischenbeurteilung anfordern?

Oder sollen Sie darauf vertrauen, dass das Unternehmen von allein tätig wird und Ihnen unaufgefordert eine schriftliche Bestätigung Ihrer Leistungen übermittelt?

 




Kein Vertrauen in Personalabteilung

Berufserfahrene Bewerberinnen und Bewerber werden bei der zweiten Alternative, also dem Vertrauen darauf, dass die Personalabteilung von sich aus eine ungeliebte Zusatzaufgabe übernimmt, bereits geschmunzelt haben.

Denn es ist allgemein bekannt, dass in der betrieblichen Praxis keine zusätzliche Arbeit ausgeführt wird, wenn nicht jemand darauf drängt, dass tatsächlich etwas geschieht.

Damit ist die Frage nach der Eigeninitiative bereits geklärt. Entweder Sie werden aktiv oder es gibt regelmäßig kein Zwischenzeugnis.

 




Risiken beim Zwischenzeugnis anfordern

Alternativ könnten Sie natürlich auch einfach abwarten, sich Ihren fordernden Aufgaben im Tagesgeschäft hingeben und bei Bedarf zu einem späteren Zeitpunkt eine Zwischenbeurteilung in Zeugnisform einfordern.

Hiervor möchten wir aber ausdrücklich warnen, denn ohne die günstige Ausgangssituation des Vorgesetztenwechsels schrecken Sie womöglich die Chefetage auf. Schließlich könnte vermutet werden, dass Sie sich wegbewerben wollen und bald kündigen werden.

Dies kann im ungünstigsten Fall dazu führen, dass die Firma von sich aus überlegt, für Sie Ersatz zu suchen und Ihnen "proaktiv" kündigt.

Und auch ohne eine arbeitgeberseitige Kündigung besteht die Gefahr, dass Sie von aktuellen Aufgaben abgezogen, von Informationen abgeschnitten und von Projekten abgerufen werden. Keine schönen Aussichten!

 




Wenn der Vorgesetzte geht

Was sagen nun Karriereberater und Zeugnisexperten dazu, ob Sie Ihren Anspruch in Sachen Zwischenzeugnis geltend machen sollten.

Aus unserer Beratungspraxis

Ein Kunde suchte den Kontakt zu uns, da er ein unterdurchschnittlich bis schwaches Arbeitszeugnis erhalten hatte. Er hatte vier Jahre mit einem guten, forderndem und förderndem Chef zusammengearbeitet, der dann aber in den Ruhestand gegangen war.

Mit dem neuen Vorgesetzten kam unser Kunde nicht wirklich klar. Die produktive Stimmung war dahin, schon Kleinigkeiten sorgten für Streit und Auseinandersetzungen. Und letztendlich entschied sich unser Kunden nach sechs Monaten "unter dem Neuen" zu kündigen.

Leider kam die Quittung mit dem Abschlusszeugnis. Hier hatte der zuständige (neue) Fachvorgesetzte seine Enttäuschung über die konfliktträchtige und unproduktive Zusammenarbeit in die schriftliche Beurteilung einfließen lassen.

Leider konnte unser Kunde kein Zwischenzeugnis für die Zeit davor vorlegen. Erst mit viel Mühe und Anstrengungen und dem mehrfachen Androhen einer gerichtlichen Auseinandersetzung wurde sein Abschlusszeugnis von der Note "ausreichend" auf "befriedigend" hochgesetzt.

Was in keinster Weise dem außerordentlichen beruflichen Engagement der ersten vier Jahre für den Arbeitgeber entsprach.

 




Zwischenzeugnis: Karrierekiller oder Bewerbungsjoker

Sollten Sie sich also die Frage stellen, ob Sie bei einem Vorgesetztenwechsel besser damit fahren, ein Zwischenzeugnis einzufordern, helfen Ihnen diese Überlegungen.

  1. Sind Sie länger als zwei Jahre im Unternehmen und haben noch keine Zwischenbeurteilung in Schriftform bekommen?

  2. Sind Sie sogar in eine Führungsposition aufgestiegen ohne einen Nachweise Ihres vorherigen beruflichen Engagements zu haben?

  3. Ist dies Ihr erster Job nach der Hochschule?

  4. Liegen also überhaupt keine "echten" Arbeitszeugnisse vor?

  5. Oder handelt es sich um eine fünf-, sieben- oder zehnjährige Mitarbeit für einen einzigen Arbeitgeber, die niemals bewertet worden ist?

  6. Kann es passieren, dass Ihr Arbeitgeber plötzlich in Insolvenz gerät?

  7. Ist der Inhaber schon deutlich älter und möchte das Unternehmen bald verkaufen?

  8. Wird das Unternehmen womöglich von einem Mitbewerber übernommen?

  9. Haben in letzter Zeit viele Kollegen das Unternehmen verlassen und sich über unterdurchschnittliche Arbeitszeugnisse beklagt ("Racheakt am Mitarbeiter")?

 

Wenn Sie sich letztendlich dafür entscheiden sollten, ein Zwischenzeugnis anzufordern, sollten Sie taktisch vorgehen. Vertrauen Sie nicht auf die Personalabteilung, sondern fassen Sie zumindest Ihre Aufgaben für den Tätigkeitsblock selbst zusammen. Und ergänzen Sie Ihre Angaben durch besondere Erfolge und Leistungen.

Oder formulieren Sie den gesamten Entwurf aus und übermitteln Sie ihn an Ihren wohlwollenden Vorgesetzten, solange Sie ihn noch haben!

 

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Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

foto: © Nick Karvounis on Unsplash.com