Anschreiben: Arbeitsstelle wechseln - wie formulieren?

Beispiele für Wechselgrund im Anschreiben ✓ Wie Kündigung durch Arbeitgeber im Anschreiben darstellen ✓ Eigene Kündigung thematisieren ✓ Auf Aufhebungsvertrag verweisen ✓

 

  • Kündigung durch den Arbeitgeber?

  • Eigene Kündigung?

  • Oder Aufhebungsvertrag?

Häufig beraten wir Führungskräfte und Fachspezialisten, die nach einer Kündigung durch den Arbeitgeber oder im Rahmen eines Aufhebungsvertrages freigestellt worden sind. Wie kann dann der Wechselwunsch im Anschreiben (hier: Download Musteranschreiben) taktisch passend begründet werden?

 



Idealfall: ungekündigte Anstellung, ungünstig: freigestellt oder gekündigt

Im Idealfall bewerben sich wechselwillige Arbeitnehmer aus einer ungekündigten Position heraus. Aber nicht immer ist diese ideale Ausgangssituation im wirklichen (Berufs-)Leben gegeben.

Schließlich ist es kein Geheimnis, dass Ärger mit neuen oder alten Vorgesetzten, eine Übernahme der Firma durch Investoren oder eine Restrukturierung durchaus auch zu einer eigentlich ungewollten und ungeplanten Jobsuche führen können.

Dann steht weniger der Wunsch nach einem systematisch geplanten Karriereschritt im Vordergrund, sondern der nach einem möglichst nahtlosen Übergang in eine neue passende Position.
 



Zwischen den Zeilen: Wechselwunsch im Anschreiben

Sehr oft wird der "wahre Wechselgrund", also eine bereits erfolgte arbeitgeberseitige oder arbeitnehmerseitige Kündigung oder eine Freistellung, kundigen Personalmitarbeitern oder Personalberatern indirekt zwischen den Zeilen mitgeteilt.

Beispielsweise wenn ein Bewerber seinen Eintrittstermin im Bewerbungsschreiben so formuliert:

  • "Ich könnte Ihnen kurzfristig zur Verfügung stehen."

  • "Aufgrund unvorhergeseher Umstände kann ich die ausgeschriebene Stelle sofort antreten."

  • "Mein frühester Eintrittstermin ist der nächste Monatserste."

 



Oder ganz direkt

Manche Bewerber formulieren aber auch ganz offen:

  • "Leider ist mein Arbeitgeber in Insolvenz, daher suche ich neue Stelle, in die ich meine Erfahrungen oder Stärken einbringen kann."

  • "Wie Sie vielleicht der Fachpresse entnommen haben, werden bei der Müller AG aufgrund einer Restrukturierung Stellen abgebaut, daher bin ich auf Jobsuche."

Aber sollten die tatsächlichen Gründe für den Wechsel des Arbeitgebers bereits im Anschreiben eher indirekt oder sogar offen und klar ausgesprochen werden?

Oder verschlechtert sich damit womöglich die Ausgangsposition der Bewerberin beziehungsweise des Bewerbers.

 



Wechselgrund im Lebenslauf: offensichtliche Gründe

Auch aus dem Lebenslauf (hier: Download Muster für Lebensläufe) kann für erfahrene Personalexperten ebenfalls ersichtlich sein, dass die momentane Bewerbungssituation nicht unbedingt beabsichtigt war.

Beispielsweise dann, wenn die die momentane Position erst vor kurzem angetreten wurde. Dann wird vermutet, dass eine arbeitgeberseitige Kündigung in der Probezeit oder in den Monaten danach erfolgte, was nicht unbedingt für die Person oder Qualifikation des Jobsuchers spricht.

Oder wenn ein Bewerber seit mehreren Jahren beim gleichen Arbeitgeber in verschiedenen Positionen beschäftigt war und für die letzte Position eine Umfirmierung des Unternehmens angegeben wird. Dies wird dann als deutlicher Hinweis auf eine Firmenübernahme mit dazugehörigem Abbau von Personal interpretiert werden, von dem dann offensichtlich auch der Bewerber betroffen ist.

 



Firma und Stelle wechseln: Zurückhaltung im Anschreiben ist besser

Es ist kein Geheimnis, dass spätestens im Vorstellungsgespräch (hier: Beispielformulierungen für die Wechselmotivation) nach dem Grund für den Wechsel der Arbeitsstelle gefragt werden wird.

Unserer Erfahrung nach ist es grundsätzlizch sinnvoll die Ausgangsposition des Bewerbers nicht zu verschlechtern. Es ist besser, den knappen Platz im Anschreiben dafür zu verwenden, das individuelle Profil der Bewerberin oder des Bewerbers passgenau, stärkenorientiert und glaubwürdig darzustellen.

Dies gelingt, indem ausgewählte Anforderungen aus der neuen Stelle aufgegriffen und mit konkreten Beispielen aus dem eigenen beruflichen Werdegang belegt werden.

Gar nicht thematisieren: Daher sollten Kündigung, Aufhebungsvertrag oder wirtschaftliche Schieflage des Arbeitgebers in der Regel weder offensiv noch indirekt im Anschreiben mitgeteilt werden.

Als Ausnahme von dieser Regel sehen wir lediglich eine in der Tagespresse, im Internet oder in Fachzeitschriften bereits von der Firma kommunizierte Informationen über einen anstehenden Arbeitsplatzabbau durch betriebsbedingte Kündigungen.

Fazit: Ist nach der Analyse von Anschreiben und Lebenslauf auf Seiten neuer Arbeitgebber ein grundsätzliches Interesse an den Qualifikationen des Bewerbers entstanden, ist die Ausgangsposition deutlich besser, um die Frage nach dem Wechselgrund im persönlichen Gespräch offen und dennoch taktisch zurückhaltend zu beantworten.

 

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