Betriebsbedingte Kündigung 25 Beispiele: Wirksam oder nicht?

 

Wenn über den "Flurfunk" im Unternehmen herauskommt, dass Ihr Arbeitgeber

  • Teile der Produktion verlagert,

  • Abteilungen zusammenlegt oder

  • Arbeitsinhalte outsourct

müssen Sie unter Umständen damit rechnen, dass Ihnen in naher Zukunft eine betriebsbedingte Kündigung zugeht.

Wann ist diese überhaupt berechtigt? Und wie können Sie sich wehren (krankschreiben lassen)?

 




Innerbetriebliche und außerbetriebliche Gründe

Das Kündigungsschutzgesetz (KschG) legt fest, dass Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern betriebsbedingt kündigen können, wenn wegen "dringender betrieblicher Erfordernisse" der Bedarf an Arbeitsleistungen "dauerhaft" sinkt.

Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn Bereiche zusammengelegt werden ("innerbetrieblicher Grund") oder wenn es massive Absatzschwierigkeiten gibt ("außerbetrieblicher Grund").

Voraussetzung für die Geltung des Kündigungsschutzgesetzes ist allerdings, dass der Betrieb mehr als zehn Mitarbeiter beschäftigt und dass das Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate gedauert hat (Kündigungsfrist in Probezeit).

 




15 Beispiele für innerbetriebliche Gründe

Definition: Innerbetriebliche Gründe sind unternehmerische Entscheidungen des Arbeitgebers, die zu Veränderungen in den Abläufen, in der Produktion oder Ähnlichem führen und sich auf die Beschäftigungssituation negativ auswirken.
  1. Stilllegung eines Unternehmens

  2. Zusammenlegung von Abteilungen

  3. Restrukturierung

  4. Verlagerung der Produktion

  5. Einschränkung der Produktion

  6. Umstellung der Produktion

  7. Anschaffung neuer Maschinen

  8. Einführung neuer Fertigungsmethoden

  9. Insolvenz

  10. Schließung von Filialen

  11. Outsourcing von Arbeitsprozessen oder Arbeitsinhalten

  12. Reduktion von Schichtdiensten, beispielsweise von Drei- auf Zweischichtbetrieb

  13. Erhöhung der Arbeitsdichte

  14. Auslagerung von Tätigkeiten auf Freiberufler

  15. Übertragung der Arbeitsaufgaben auf Zeitarbeitsfirmen

 




10 Beispiele für außerbetriebliche Gründe

Definition: Außerbetriebliche Gründe werden von außen an den Betrieb herangetragen und müssen sich unmittelbar auf die Beschäftigungssituation auswirken.
  1. Absatzprobleme

  2. Mangel an Aufträgen

  3. Umsatzrückgänge

  4. Veränderungen in der Marktstruktur

  5. Margenprobleme wegen zu hoher Kosten

  6. Wegfall von Drittmitteln (Forschung)

  7. Stellenstreichung im Haushalt (öffentlicher Dienst)

  8. Rohstoffmangel

  9. Entfall von Subventionen

  10. Sanktionen auf Produkte

 




Kein gleichwertiger Arbeitsplatz vorhanden?

Es reicht nicht aus, allein auf betriebliche Erfordernisse zu verweisen, um betriebsbedingt zu kündigen. Zusätzlich müssen Arbeitgeber prüfen, ob

  • ein anderer, gleichwertiger Arbeitsplatz oder

  • ein nicht gleichwertiger Platz

im Unternehmen vorhanden sind. Dabei reicht es aus, wenn eine gleichwertige Stelle bis zum Ablauf der Kündigungsfrist frei wird. Unter Umständen kommt auch eine Weiterbildungsmaßnahme in Betracht, damit der Arbeitnehmer im Anschluss daran weiterbeschäftigt werden kann.

Grundsätzlich sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, Mitarbeitern mittels einer Änderungskündigung eine Arbeitsplatzalternative anzubieten, wenn diese zu geänderten Arbeitsbedingungen möglich ist.

Allerdings können Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet werden Kurzarbeit einzuführen, um die Weiterbeschäftigung zu sichern, schließlich tragen sie das unternehmerische Risiko letztendlich allein.

 




Sozialauswahl: Vergleichsgruppen und Sozialpunkte

Weiter ist bei betriebsbedingten Kündigungen auch eine "Sozialauswahl unter vergleichbaren Arbeitnehmern" durchzuführen. Hierbei gelten laut § 1 Abs. 3 KSchG diese sozialen Gesichtspunkte:

  • Dauer der Betriebszugehörigkeit,

  • Lebensalter,

  • Unterhaltspflichten und

  • Schwerbehinderung.

In der Praxis werden hier Vergleichsgruppen von Arbeitnehmern gebildet, die hinsichtlich Kenntnissen, Fähigkeiten und natürlich Qualifikation austauschbar (vergleichbar) sein sollen. Innerhalb dieser Gruppen wird dann eine Rangfolge nach Sozialpunkten vergeben.

Im Ergebnis kann, bei Zugehörigkeit zur gleichen Gruppe, dann beispielsweise einer 23-jährigen Mitarbeiterin, die erst kurz im Unternehmen ist und keine Unterhaltspflichten erfüllen muss, betriebsbedingt gekündigt werden. Nicht aber dem 38-jährigen verheirateten Vater von zwei Kindern, der bereits fünfzehn Jahre angestellt ist.

 




Wie als Arbeitnehmer gegen betriebsbedingte Kündigung wehren?

Sie wissen jetzt, dass sehr viele Bedingungen zu erfüllen sind, damit eine betriebsbedingte Kündigung auch wirksam ist. Zu prüfen ist,

  • ob betriebliche Gründe vorliegen,

  • ob diese dauerhaft sind,

  • ob andere Arbeitsplätze frei sind,

  • ob korrekte Vergleichsgruppen für die Sozialauswahl gebildet und

  • ob Sozialpunkte nachvollziehbar vergeben worden sind.

Daher lohnt es sich in der Regel, hier einen Fachanwalt für Arbeitsrecht heranzuziehen, der Ihre Interessen vertritt. Denn wenn dem Arbeitgeber Fehler unterlaufen sind und sich ein langwieriger Rechtsstreit abzeichnet, wird er in der Regel einen Aufhebungsvertrag anbieten, nicht selten sogar einschließlich Abfindungszahlung.

 

Expertentipp: Kündigung in Bewerbung verscheigen

In unserer Beratungspraxis werden wir häufiger gefragt, ob es sinnvoll ist, eine Kündigung im Vorstellungsgespräch zu verschweigen.

Grundsätzlich sind betriebliche Kündigungen unproblematisch zu erklären, da diese ja nicht auf einem Fehlverhalten des Arbeitnehmers beruhen wie verhaltensbedingte Kündigungen (25 Beispiele).

Unserer Erfahrung nach empfiehlt es sich im Anschreiben zunächst nur von den Anforderungen der neuen Stelle her zu argumentieren. Schließlich geht es dem neuen Arbeitgeber vorrangig darum, was Sie künftig für ihn leisten können. Wirtschaftliche Probleme Ihres alten Arbeitgebers sind dabei keine "echten" Einstellungsargumente.

Überzeugen Sie also zunächst mit Ihrem Anschreiben und Ihrem Lebenslauf, später kann die betriebliche Kündigung dann im Vorstellungsgespräch als plausibler Wechselgrund genannt werden.

 

Wir wünschen Ihnen gute Nerven für eventuell notwendige Verhandlungen mit Ihrem Arbeitgeber.

Und unterstützen Sie gerne mit unseren Downloads für Arbeitszeugnisse, Anschreiben und Lebensläufe, E-Learnings für Vorstellungsgespräche und telefonischen und persönlichen Beratungsleistungen professionell bei Ihrer Bewerbung um eine neue und passende Stelle.

Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

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