Mein Chef droht ständig mit Kündigung: Was kann ich tun?

 

"Drohungen kurz vor Feierabend"

Ihr Chef kommt regelmäßig kurz vor Feierabend mit angeblich dringend zu erledigenden Aufgaben zu Ihnen. Auf Ihren Einwand hin, dass Sie gleich nach Hause fahren wollen, antwortet er in dieser Art: "Dein nachlassendes Engagement ist mir schon seit einigen Wochen aufgefallen. Vermutlich wäre es das Beste, wenn ich dir wegen Arbeitsverweigerung kündige."

 

"Neue Chefin droht"

Sie haben seit fünf Monaten eine neue Vorgesetzte, die Sie nun zum Vieraugengespräch gebeten hat. Nach kurzer Vorrede geht Ihre neue Chefin Sie direkt an: "Ganz unter uns, ich möchte Sie hier in meiner Abteilung nicht mehr haben. Entweder Sie kündigen innerhalb der nächsten zwei Monate, dann gebe ich Ihnen noch ein gutes Arbeitszeugnis mit auf den Weg.

Wenn Sie nicht gehen, sollten Sie sich auf einen Nervenkrieg mit Abmahnungen und fristloser Kündigung einstellen, schlechtes Arbeitszeugnis zum Abschied inklusive."

 

"Kurz vor der Insolvenz"

Ihrem Unternehmen geht es wirtschaftlich schon länger nicht mehr so gut. Die Stimmung ist im Keller, viele Mitarbeiter haben sich schon wegbeworben und die frei gewordenen Stellen werden einfach nicht wiederbesetzt. Auch bei Ihrem Chef liegen die Nerven blank, ständig droht er Ihnen und allen anderen Mitarbeitern: "Ich machen den Laden dicht und schmeiße alle raus!"

In unserer Beratungspraxis erleben wir regelmäßig Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die am Arbeitsplatz von Vorgesetzten mit dem Hinweis auf unmittelbar erfolgende Abmahnungen (50 Beispiele) oder (fristlose) verhaltensbedingte Kündigungen

  • unter Druck gesetzt,

  • eingeschüchtert,

  • verunsichert,

  • gemobbt,

  • beleidigt oder sogar

  • terrorisiert

werden. Aber was kann man gegen diese ständige Anfeindungen und Drohungen tun?

 




Oft schwierig: Suchen Sie das Gespräch!

Dass Sie zu einem späteren Zeitpunkt, an dem der Chef wieder ansprechbar ist, das Gespräch suchen sollten, um den Konflikt zu besprechen und zu vereinbaren, wie es künftig besser gehen könnte, klingt zwar gut. Aber meist ist die Situation am Arbeitsplatz schon so verfahren, dass konstruktive Gespräche häufig nicht mehr möglich sind.

Kurzfristig kann es vielleicht helfen, wenn bei plötzlicher Zunahme der Arbeitsbelastung direkt nachgefragt wird, ob zu Lasten der "dringenden Aufgabe C" die eigentlich zu erledigenden "Aufgaben A und B" verschoben werden sollen.

Oder ob das nächste Mal vielleicht eine andere Kollegin kurzfristig helfen oder ein anderer Kollege die Zusatzaufgabe übernehmen kann, weil er sich mit der Thematik besser auskennt.

Nicht wenige Chefs fühlen sich durch eigene Vorschläge von Mitarbeitern allerdings in ihrer Autorität herausgefordert und versuchen nun erst recht ihren Willen, also ihre eher unrealistischen Arbeitsanweisungen, mit aller Macht durchzusetzen.

 




Eigene Kündigung nahegelegt: harte Drohung

Wenn Ihnen ein Vorgesetzter, wie im obigen Beispiel ausgeführt, nahelegt, doch bitte selbst zu kündigen, ist die Situation am Arbeitsplatz ebenfalls komplett verfahren.

Denn wie sollen Sie bitte auf diese offensichtliche Kriegserklärung reagieren?

Ihnen bleibt zunächst nur der Trost, dass Ihnen Ihr Chef nicht direkt kündigt, weil er die Möglichkeiten dafür wohl nicht sieht oder hat.

Daher empfiehlt es sich nicht, aus Wut, Enttäuschung oder Verzweiflung freiwillig zu kündigen. Zum einen müssen Sie dann beim Arbeitslosengeld mit einer Sperre von bis zu zwölf Wochen rechnen. Und zum anderen verspielen Sie die Chance, im Rahmen eines Aufhebungsvertrages eine Abfindung und ein gutes Arbeitszeugnis auszuhandeln.

Wird Ihnen also eine Eigenkündigung nahegelegt, sollten Sie sich einen Rechtsbeistand suchen und die für Sie günstigsten Optionen zur Aufhebung des Arbeitsvertrages klären.

 




Fiese Tricks der Arbeitgeber

Darauf verlassen, dass sich die belastende Situation am Arbeitsplatz von allein wieder ändert, sollten Sie sich nicht. Schließlich operieren viele Vorgesetzte aus einer Position der Stärke heraus - und kennen viele fiese Tricks.

 

Beispiele: So Arbeitnehmer rausekeln

 

  • Ständig muss der Arbeitnehmer neue Aufgaben erledigen, macht er - erwartbare - Fehler, wird er vor versammelter Mannschaft "niedergemacht".

  • Der Arbeitsplatz wird an einen lauten, zugigen, sehr kalten oder sehr warmen Ort "verlegt".

  • Die Chefin ruft häufig am Feierabend an.

  • Der Arbeitnehmer bekommen ungerechtfertigte Abmahnungen.

  • Es werden Gerüchte über den Mitarbeiter verbreitet ("Krankheit", "Affäre", "unzuverlässig").

  • Es wird geprüft, wie oft der Mitarbeiter am Arbeitsplatz private E-Mails schreibt oder privat telefoniert.

  • Sobald der Arbeitnehmer den Besprechungsraum, die Kantine oder die Cafeteria betritt, verlässt der der Chef nach einem "bösen Blick" in Richtung Arbeitnehmer die Räumlichkeiten.

 

Die betriebliche Realität zeigt, dass die meisten Arbeitnehmer diesem Druck auf Dauer weder körperlich ("chronischer Stress") noch seelisch ("Burn-out und Depression") gewachsen sind.

Nur sehr wenige und sehr hartgesottene Arbeitnehmer haben derart starke Nerven, dass sie diesen Dauerstress aushalten. Und sind auch noch in der Lage den Spieß umzudrehen und schlagfertig Kontra zu geben.

 




Idealfall: Abfindung raushandeln und neuen Job suchen

Für die meisten Arbeitnehmer dürfte in derart unangenehmen und nervenzehrenden Situationen gelten, dass sich das Unvermeidliche nicht aufhalten lässt. Ein Wechsel des Arbeitsplatzes also dringend geboten ist.

In unserer Beratungspraxis haben wir es schon öfter erlebt, dass taktisch versierte Mitarbeiter mittels Rechtsbeistand einen Aufhebungsvertrag einschließlich Abfindung ausgehandelt haben. Und sich parallel dazu mit unserer Hilfe direkt im Anschluss an das auslaufende Arbeitsverhältnis einen neuen Job ergattert haben.

So wurde die Sperre beim Arbeitslosengeld umgangen ("Aufhebungsvertrag als Eigenkündigung"), ein ansehnliches zusätzliches "Schmerzensgeld" in Form einer Abfindung erhandelt und obendrein noch ein neuer Arbeitsplatz gefunden, an dem es weitaus kollegialer zuging als in der vormaligen "Psychohölle".

Gerne unterstützen wir auch Sie dabei, Ihren Arbeitsplatz zu wechseln. Nutzen Sie hierfür unsere Downloads für Anschreiben, Lebensläufe und Arbeitszeugnisse. Oder lassen Sie sich von uns professionell und persönlich beraten.

 

Dieser Artikel gehört zu einer Serie rund um die Fragen Kündigung und Jobwechsel.

 

 

Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

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