Aufhebungsvertrag und Arbeitszeugnis, wohlwollend reicht oft nicht

Vorsicht Falle: "wohlwollend" reicht nicht ✓ Arbeitszeugnis: eigenen Entwurf durchsetzen ✓ Beendigungsformel bei Aufhebungsvertrag ✓ Beispiel für Schlussformel ✓

 

Problem: Es kommt häufiger vor, dass sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Aufhebungsvertrag oder vor Gericht darauf einigen, dass der ehemalige Mitarbeiter ein "wohlwollendes Zeugnis" erhalten soll, welches "seiner weiteren beruflichen Weiterentwicklung dienlich ist".

Unzureichende Lösung: Aber was passiert, wenn der Arbeitnehmer anschließend mit dem Wortlaut des vom Arbeitgeber übersandten "wohlwollenden Arbeitszeugnisses" nicht einverstanden ist?

 



Für das Arbeitszeugnis "konkreten Wortlaut" im Aufhebungsvertrag vereinbaren

Urteil: Hierzu hat das Sächsisches Landesarbeitsgericht entschieden, dass konkrete inhaltliche Formulierungen und Wünsche im Anschluss an einen Vergleich im gerichtlichen Zwangsvollstreckungsverfahren nicht (mehr) durchsetzbar sind. Sächsisches Landesarbeitsgericht (LAG), vom 06.08.2012 - 4 Ta 170/12

TIPP:
Daher sollten Arbeitnehmer davon absehen "bloß" die Ausstellung eines "wohlwollendes Zeugnisses" zu vereinbaren.

Sowohl im gerichtlichen Vergleich als auch im Aufhebungsvertrag sollte besser die Formulierung festgehalten werden, dass das Arbeitszeugnis nach dem "konkreten Wortlaut" des ehemaligen Arbeitnehmers ausgestellt werden wird.

Denn nur dann wird der Vorschlag/Entwurf des ehemaligen Arbeitnehmers auch eins zu eins übernommen.

 



Aufhebungsvertrag: Übliche Formulierungen für die Schlussformel

Wichtiger Teilaspekt: Im Schlussabsatz des Endzeugnisses wird üblicherweise der Kündigungsgrund genannt. Schließlich wollen neue Arbeitgeber erfahren, ob dem Arbeitnehmer gekündigt wurde oder ob er gekündigt hat.

Bei einem Aufhebungsvertrag kommen beide Seiten überein, das Arbeitsverhältnis aufzulösen. Daher wird dann oft in dieser Art und Weise formuliert:

Auf Wunsch von Herrn Schmidt wird das Arbeitsverhältnis in bestem gegenseitigen Einvernehmen mit uns zum XX.XX.XXXX beendet. Wir danken ihm für die stets sehr gute und erfolgreiche Zusammenarbeit. Für seine weitere ...

 



Oft möglich: Praxistipp aus unseren Zeugnisberatungen

Gut verhandelt: Es gibt aber auch Unternehmen, die trotz Aufhebungsvertrag akzeptieren, dass der Kündigungsgrund im Arbeitszeugnis als Kündigung durch den Arbeitnehmer beschrieben wird, was durchaus zu Vorteilen im sich anschließenden Bewerbungsverfahren führen kann.

- Auf eigenen Wunsch scheidet Herr Schmidt zum (Tag.Monat.Jahr) aus unserem Unternehmen aus.

- Frau Schmidt verlässt die (Firmenbezeichnung) zum (Tag.Monat.Jahr) auf eigenen Wunsch.

Quelle: Diese und über 1300 weitere Zeugnisformulierungen für die Optimierung und Ausarbeitung von Arbeitszeugnissen bekommen Sie hier: PDF-Download 1300 Formulierungen Führungskraft.

 



Schlussformel im Aufhebungsvertrag verhandelbar

Vorteil für Sie: Auch wenn die Initiative zur Kündigung im Rahmen eines Aufhebungsvertrages eigentlich mehr von Ihrem Arbeitgeber als von Ihnen ausgeht, dürfen Sie auf die Formulierungen im Arbeitszeugnis Einfluss nehmen. Und darauf hinwirken, dass die arbeitgeberseitige Kündigung gar nicht erwähnt wird.

Zeugnisexperten: Gerne erstellen wir zu diesem Zweck auch Ihr vollständiges Arbeitszeugnis, damit Sie ein aussagekräftiges, glaubwürdiges und positives Zeugnis bekommen (keine Rechtsberatung). Schließlich begleitet Sie dieser Karrierebaustein ein Arbeitsleben lang und ist insbesondere bei der aktuellen, der nächsten und der übernächsten Bewerbung durchaus von Bedeutung.

 

Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

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