Im besten gegenseitigen Einvernehmen - Gefährlich!

Von Püttjer - Schnierda

Das gegenseitige Einvernehmen taucht regelmäßig in Schlussformulierungen von Arbeitszeugnissen auf. Zeugnisprofis und Personalexperten wissen dann, dass der Arbeitnehmer nicht von sich aus gekündigt hat.

Je nachdem, wie hier im Detail formuliert wird, kann das Arbeitsverhältnis mittels Aufhebungsvertrag beendet worden sein.

Oder es liegt eine verschleierte arbeitgeberseitige Kündigung vor, die im Zeugnis zum Ausdruck bringen soll: "Wir haben ihn gefeuert!"

 

Worauf kommt es also wirklich an, wenn vom

  • vom "gegenseitigen Einvernehmen",

  • von einer "einvernehmlichen Auflösung des Arbeitsverhältnisses" oder

  • von einer Trennung "im besten Einvernehmen"

die Rede ist?

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Bedeutung: Gegenseitiges Einvernehmen im Zeugnis

In fast allen Arbeitszeugnissen wird der Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses (hier: 40 Beispiele und Formulierungen) ganz konkret und deutlich erkennbar im letzten Absatz aufgeführt.

 

Eigenkündigung

Häufig werden eigene Kündigungen durch den Arbeitnehmer in dieser Art formuliert: "Herr Schmidt verlässt uns auf eigenen Wunsch, was wir sehr bedauern. Wir danken ihm ausdrücklich für seine stets überzeugenden Leistungen und wünschen ihm für seinen weiteren beruflichen und privaten Lebensweg alles Gute und weiterhin viel Erfolg." (Note "gut").

 

Arbeitgeber kündigt

Wird dagegen nur knapp in dieser Weise formuliert, handelt es sich um eine arbeitgeberseitige Kündigung: "Das Arbeitsverhältnis mit Herrn Schmidt endet zum 31. Dezember 20XX."

 

Betriebliche Kündigung

Werden Arbeitsplätze abgebaut, weil Unternehmen aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten Personal abbauen müssen, handelt es sich um betriebliche Kündigungen: "Leider müssen wir das Arbeitsverhältnis mit Frau Schmidt wegen einer grundlegenen Änderung in der Betriebsorganisation und damit verbundenem Stellenabbau beenden."

 

Im Einvernehmen

Ist in der Schlussformel von einer einvernehmlichen Beendigung die Rede, gilt es, ganz genau hinzuschauen. Hier kommen, wie so oft, die Feinheiten der Zeugnissprache zur Geltung. Was genau sollten Sie dabei im Blick haben?

 




Formulierungen: einvernehmliche Trennung

Die allgemeine Lebenserfahrung zeigt, dass es auch im privaten Bereich eher selten vorkommt, dass Beziehungen auf Initiative von beiden Seiten hin einvernehmlich aufgelöst werden.

Meist ist der eine Teil der aktive Part - und der andere muss sich in sein Schicksal fügen. Ob er oder sie will oder nicht.

Im Arbeitsleben sieht es ähnlich aus. Hier wird die Trennungsinitiative in der Regel ebenfalls eindeutig vom Arbeitgeber oder klar vom Arbeitnehmer ergriffen.

Neue (Arbeits-)Partner wollen aber immer die Gründe für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses erfahren. Möglichst schon bei der Analyse der Bewerbungsunterlagen, bestehend aus Anschreiben, Lebenslauf und beigefügten Arbeitszeugnissen.

 

gefeuert

Ist im Schlussabsatz nur vom Einvernehmen die Rede, interpretieren Zeugniskenner dies als mehr oder weniger offensichtliche Arbeitgeberkündigung.

"Das Arbeitsverhältnis endet durch einvernehmliche Trennung zum ...“ (Bedeutung: Rausschmiss!)

 

nur guten?

"Die Trennung erfolgt im guten Einvernehmen." ist als Kündigungsgrund eher problematisch anzusehen. Hier fehlt der wichtige Zusatz "beiderseitigen". Zeugsnisexperten gehen hier ebenfalls von einer Kündigung durchs Unternehmen aus.

Erschwerend kommt hinzu, dass "im guten" eine klare Stufe schlechter als das gängige "im besten" ist.

 

besten beiderseitigen

"Das Arbeitsverhältnis endet im besten beiderseitigen Einvernehmen zum ..." ist als Trennungsgrund klar zu verstehen. Zeugnisprofis folgern hieraus, dass tatsächlich eine gegenseitige Absprache mittels Aufhebungsvertrag geschlossen wurde. Formlierungen dieser Art tauchen deshalb sehr häufig in Zeugnissen von Führungskräften auf.

 

allerbesten

Wenn vom "allerbesten gegenseitigen Einvernehmen" die Rede ist, wirkt dies schon fast ironisch. Auch wenn diese Beschreibung ab und an verwendet wird, empfehlen wir doch den Verzicht darauf.

Überaus freundschaftliche und fast schon fröhliche Trennungen mögen im Einzelfall zwar vorkommen, werden von Außenstehenden aber oft als unglaubwürdig wahrgenommen.

 




Immer im Blick: Gesamtnote, Aufgaben, Erfolge

Arbeitszeugnisse werden immer im Gesamtzusammenhang interpretiert. Wenn also bei Führungskräften vom "besten gegenseitigen Einvernehmen" die Rede ist, werden zusätzlich auch

  • die Gesamtnote (zusammenfassende Beurteilung),

  • die Verantwortungsbereiche und Tätigkeiten im Aufgabenblock,

  • die besondere Erfolge und Leistungen

  • und der Führungsstil samt Führungsleistung

genauer analysiert und in Notenstufen übersetzt werden. Widersprüche zwischen den Einzelnoten, missverständliche und mehrdeutige Formulierungen wirken sich in der Summe negativ aus.

 

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Profitipp: Auf eigenen Wunsch oft möglich

In unseren Zeugnisberatungen (keine Rechtsberatung) weisen wir Führungskräfte und andere Arbeitnehmer regelmäßig darauf hin, dass ein vereinbarter Aufhebungsvertrag zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses im Zeugnis oft auch als "Kündigung auf eigenen Wunsch" ausgedrückt werden kann.

 

Rechtsexperten sehen Spielraum

Viele Rechtsanwälte vertreten die Ansicht, dass ein Aufhebungsvertrag im Prinzip auch als Angebot des Arbeitgebers angesehen werden kann. Dieses Angebot kann der Arbeitnehmer dann annehmen kann oder auch nicht. Und mit einer Annahme würde letztendlich der "eigene Wunsch" des Arbeitnehmers zum Ausdruck gebracht werden.

Daher lässt sich in Aufhebungsverträgen für den Themenpunkt "wohlwollendes Arbeitszeugnis" häufig durchsetzen, dass im Schlussabsatz des Zeugnisses eine Kündigung auf Wunsch des Arbeitnehmers erwähnt wird. Obwohl es sich streng genommen eigentlich um ein "gegenseitiges bestes Einvernehmen" handelt.

 

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Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

foto: © Victoria Heath on Unsplash.com