Mythos LinkedIn: Führungskräfte haben echte Netzwerke

Echte Karriere ohne LinkedIn und XING ✓ virtuelle Netzwerke sind wie virtueller Sex ✓ C-Level-Manager arbeiten, aber surfen nicht ✓ Überflüssig: Business Social Media ✓

 

- „Aktualisieren Sie ihr Profilfoto!“

- „Etablieren Sie sich als unverwechselbare Marke (Personal Brand)!“

- „Signalisieren Sie, dass Sie wechselbereit sind!“

 

So und ähnlich lauten die ewig gleichen Empfehlungen auf den Karriereseiten von Jobbörsen, von bloggenden Journalisten und selbsternannten „Karriereexperten“, die eigentlich nur klickbaitorientierte Werbeplattformen sind, und natürlich auch direkt auf den Seiten von XING („For a better working life“) und LinkedIn („Das weltweit größte berufliche Netzwerk“).

 



Virtuelles Netzwerken ist wie virtueller Sex: unbefriedigend

Einschlägige Studien stellen immer wieder fest, dass viele Führungskräfte, insbesondere des mittleren und höheren Managements (C-Level), teilweise gar nicht und zum Teil nur unwillig berufliche „virtuelle“ soziale Netzwerke nutzen.

Dies ist verständlich, schließlich können ausgeprägte „Business Social Media“-Aktivitäten durchaus Unruhe am momentanen Arbeitsplatz auslösen.

Vorgesetzte, die Top-Management-Ebene oder der Aufsichtsrat können durch derart offensichtliche Aktivitäten den Eindruck gewinnen, dass eine sehr engagierte und karriereorientierte Führungskraft offensichtlich in nächster Zeit das Unternehmen verlassen möchte, um den nächsten Karriereschritt zu vollziehen (E-Learning "CEO/CFO/CIO-Vorstellungsgespräch oder überzeugende Selbstpräsentation).

 



Kaltgestellt wegen Wechselwünschen

Entsteht beim aktuellen Arbeitgeber der Eindruck, dass sich ein Leistungsträger wegbewerben oder womöglich zu einem Mitbewerber wechseln möchte, wächst die Gefahr, dass ein eben noch von Vertrauen und Wertschätzung geprägtes Arbeitsverhältnis mittels Aufhebungsvertrag und dazugehöriger Freistellung schneller beendet wird, als es der betroffenen Führungskraft lieb sein kann.

Dann ist der Bewerbungsvorteil aus der Festanstellung heraus ohne Not verspielt worden. Und der Begründungsbedarf hinsichtlich der Beantwortung der Kernfrage „Warum hat man Ihnen gekündigt?“ wird in anstehenden Vorstellungsgesprächen und vorab durchgeführten Telefoninterviews mit Headhuntern deutlich zunehmen.

 



Vorsicht mit unreflektierten „Experten-Tipps“

Daher sind die immer wieder im Netz zu lesenden Aufforderungen, Tipps und Empfehlungen, doch endlich aktiver auf LinkedIn oder XING in Erscheinung zu treten, eine zweischneidige Sache, zumindest für die Zielgruppe von Führungskräften, die die eigene Karriereplanung reflektiert und strategisch angeht.

Denn

- eine plötzliche Ergänzung und Überarbeitung des Profils auf XING oder LinkedIn,

- eine signifikant zunehmende virtuelle Vernetzung mit „Kollegen“ in anderen Firmen (der gleichen Branche),

- ein auffällig häufiges Teilen von fachspezifischen Artikeln oder

- ein substantieller Anstieg von selbstverfassten Stellungnahmen in Netzwerk-Gruppen

kann nicht nur Headhuntern und Personalberatern, sondern ebenso dem eigenen Arbeitgeber auffallen.

 



TalentpoolManager: Über 50 Kriterien signalisieren Ihren Wechselwunsch

So hat beispielsweise das Netzwerk XING kürzlich den TalentpoolManager entwickelt, der wohl nicht nur externen Personalberatern, sondern vermutlich auch dem eigenen Unternehmen anhand eines speziellen Algorithmus „mitteilen kann“, wie ausgeprägt die Wechselbereitschaft von XING-Mitgliedern ist.

Kein Wunder also, dass so manche Managerin und so mancher Manager sich auch künftig mit Aktivitäten in den Business Netzwerken zurückhalten wird – und weniger auf ein digitales, sondern lieber auf ein „echtes“ analoges Netzwerk an hilfreichen beruflichen Kontakten setzen wird.

 

Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches

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