Arbeitszeugnis: Darf es schlechter als Zwischenzeugnis sein?

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Darf das Arbeitszeugnis schlechter als das Zwischenzeugnis sein?

In unserer Beratungspraxis kommt es häufiger vor, dass uns Kundinnen oder Kunden davon berichten, dass das nach einer Eigenkündigung ausgestellte Arbeitszeugnis signifikant von einem früher ausgestellten Zwischenzeugnis abweicht. Und zwar nach unten, in den mittleren bis negativen Notenbereich.

Späte Rache? Die Vermutung, dass sich auf diese Weise ein Arbeitgeber an einem vormals geschätzten Leistungsträger rächen möchte, indem er ein (unter-)durchschnittliches Zeugnis ausstellt, ist häufig nicht von der Hand zu weisen. Was können Betroffene hier tun?

 




Endzeugnis: Plötzlich schlechtere Bewertungen

Da es Fälle von "plötzlicher Verschlechterung", "merkwürdigem Leistungsabfall" oder "bösartiger Bewertung" in der Zeugnispraxis leider schon sehr oft gegeben hat, haben Arbeitnehmer hier immer wieder den Gang zum Rechtsanwalt gesucht. Und sind konsequenterweise bis vor das Bundesarbeitsgericht gezogen.

 

Bindungswirkung gilt

Das Bundesarbeitsgericht hat in einem Grundsatzurteil entschieden, dass ein Zwischenzeugnis eine Bindungswirkung für Arbeitgeber entfaltet, die sich auf das abschließende Arbeitszeugnis (Endzeugnis) auswirkt.

Grundsätzlich sei zwar denkbar, dass Einzelbewertungen im Endzeugnis anders ausfallen könnten, dann müssten diese erheblichen Leistungsänderungen aber zum einen tatsächlich vorliegen und zum anderen vom Arbeitgeber auch belegt werden, BAG, Urteil vom 16.10.20079 AZR 248/07.

 

Ausnahmefälle

Damit bleibt festzuhalten, dass es prinzipiell eine Bindung an frühere Aussagen und Bewertungen gibt, die Arbeitgeber im Zwischenzeugnis getroffen haben. Es sei denn, es gibt klare Belege dafür, dass sich Engagement, Leistungsstärke und persönliches Verhalten nach der Ausfertigung der früheren Beurteilung tatsächlich deutlich verschlechtert haben.
 




Arbeitszeugnis muss Zwischenzeugnis entsprechen

Insbesondere dann, wenn der Beurteilungszeitraum für das Zwischenzeugniss sehr lang war und die sich daran anschließende weitere Beschäftigungsdauer eher kurz war, dürfte es für Arbeitgeber damit sehr schwer werden, plötzlich schlechtere Bewertungen ins Arbeitszeugnis zu schreiben.

Damit gilt, dass das Endzeugnis in der Regel dem Zwischenzeugnis entsprechen muss.

 

Absichern

Unserer Erfahrung nach sollten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer daher jede Möglichkeit nutzen, ein Zwischenzeugnis anzufordern. Auf diese Weise sichern sie sich eine schriftliche Bestätigung ihrer bisher überzeugenden Leistungen und erzielten Erfolge.

Insbesondere wenn im Rahmen einer längeren Beschäftigungsdauer Aufgabenfelder wechseln, sollte immer freundlich, aber beharrlich ein Zwischenzeugnis verlangt werden.

 

Beförderungen nutzen

Ein guter Anlass für ein Zwischenzeugnis findet sich immer, beispielsweise dann, wenn der Vorgesetzte geht oder wechselt, eine eigene Beförderung erfolgt oder Elternzeit ansteht. Ebenso geeignet sind grundlegende Änderungen in der betrieblichen Organisation wegen Fusionen oder der Zusammenlegung von Abteilungen.

 

Gunst der Stunde

Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sprechen uns als Zeugnisberater sogar ausdrücklich an, um bei einem anstehenden Vorgesetztenwechsel die Gunst der Stunde zu nutzen und sich von uns ein Top-Zeugnis formulieren zu lassen. War die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Chef produktiv und harmonisch, wird er dies üblicherweise gerne auch im Zwischenzeugnis bestätigen.

 




Klar und deutlich: Auf Abweichungen hinweisen

Wenn Sie von Ihrem Arbeitgeber ein oder sogar mehrere Zwischenzeugnisse mit guten bis sehr guten Beurteilungen erhalten haben und mit dem abschließend übermittelten Endzeugnis unzufrieden sind, sollten Sie gut begründet Änderungen einfordern.

Arbeiten Sie einen Gegenentwurf aus, der

  • Arbeitsaufgaben detailliert beschreibt,

  • besondere Erfolge individuell herausstellt,

  • alle Einzelbewertungen positiv darstellt und

  • die wichtige Gesamtnote überzeugend ausdrückt.

Bei dieser Zeugnisarbeit helfen Ihnen unsere bewährten Top-Muster aus unserer Zeugnispraxis.

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Racheakt oder Nachlässigkeit?

Nicht immer muss es sich bei merkwürdigen Formulierungen, mehrdeutigen Halbsätzen und irritierenden Wörtern um eine Abrechnung des Arbeitgebers mit dem früher sehr geschätzten Arbeitnehmer handeln.

In unserer Beratungspraxis hören wir auch davon, dass vormals geschulte Personalmitarbeiter die Firma verlassen haben und Nachfolger mit der Aufgabe "Endzeugnis verfassen" hoffnungslos überfordert sind.

Viele Firmen verschicken auch eher allgemein gehaltene Arbeitszeugnisse, die mittels "Zeugnisgeneratoren" aus dem Internet erstellt worden sind. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass diese Zeugnisse häufig eher oberflächlich, oft sogar nichtssagend wirken, da auf individuelle Erfahrungen, Kenntnisse und Stärken kaum eingegangen wird.

 

Kompromiss finden

Sichern Sie sich sich gute oder sehr gute Bewertungen im Endzeugnis.

Wenn Sie mit der Version Ihres Arbeitgebers nicht einverstanden sind, empfiehlt es sich immer zuerst einen Gegenentwurf einzureichen. Meist lässt sich ein guter Kompromiss finden. Denn welche Firma hat schon Lust auf nervige Rechtsstreitigkeiten?

Nutzen Sie unsere Premium-Musterzeugnisse für Ihren Gegenentwurf. Gerne beraten wir Sie auch persönlich.

 

Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches

foto: © Essentialiving on Unsplash.com