Gehört der Geburtsort noch ins Arbeitszeugnis?

Von Püttjer - Schnierda

In unseren Zeugnisberatungen werden wir in letzter Zeit häufiger gefragt, ob im Einleitungsabsatz des Arbeitszeugnisses neben Vorname, Familienname und Geburtsdatum auch der Geburtsort genannt werden muss.

"Herr Sebastian Schmidt, geb. am 19. April 1999 in München, war vom ..."

Gibt es eine Pflicht, den Geburtsort im Arbeitszeugnis zu nennen?

 

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Muss der Geburtsort im Arbeitszeugnis genannt werden?

In fast drei Jahrzehnten Beratertätigkeit haben wir schon tausende von Arbeits- und Zwischenzeugnissen gelesen, analysiert und ausgewertet. Und tatsächlich hat es hier mittlerweile eine Änderung in Sachen Geburtsort gegeben.

 

Früher üblich

Für Zeugnisse, die 20 Jahre oder älter sind, lässt sich festhalten, dass diese eigentlich immer das Geburtsdatum und den Geburtsort enthalten haben. Die Formel "Frau Vorname Name, geboren am Tag.Monat.Jahr in Ort war vom ... für uns tätig." wurde nicht weiter hinterfragt und war einfach üblich.

 

Heute anders

Wenn wir für Kundinnen und Kunden Arbeitszeugnisse vollständig ausarbeiten, lassen wir den Geburtsort in der Regel weg.

Warum sollte auch in einem Zeugnis für eine Logistikmitarbeiterin erwähnt werden, dass sie in Krakau geboren wurde, wenn sie schon seit dem dritten Lebensjahr in Bremen wohnt?

Und welchen Nutzen hat die Ortsangabe Istanbul, wenn der IT-Experte das Studium in Deutschland durchlaufen hat und hier seit fünfzehn Jahren lebt, arbeitet und Steuern zahlt?

 

Rechtlich Pflicht?

Laut Gewerbeordnung darf das Arbeitszeugnis "keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen."

Hier gelten § 630 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) in Verbindung mit § 109 der Gewerbeordnung (GewO).

 




Diskriminiert diese Angabe den Arbeitnehmer?

Ob die Nennung des Geburtsortes im Zeugnis eine diskriminierende Aussage sein kann, ist daher mittlerweile durchaus umstritten.

Wie anhand unserer Beispiele aus unseren Zeugnisberatungen zu erkennen, könnte ein Geburtsort im Ausland, einen schon viele Jahre in Deutschland lebenden Arbeitnehmer bei der Arbeitssuche eventuell diskriminieren. Dies ist laut Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz (AGG) aber nicht zulässig.

Daher sollten Arbeitgeber hier auf den neuen Trend in Sachen AGG im Arbeitszeugnis reagieren - und den Geburtsort grundsätzlich weglassen. Es sei denn, Mitarbeiter bestehen ausdrücklich auf die Erwähnung im Zeugnis.

 




Darf der Geburtsort fehlen?

Unserer Erfahrung nach sollten Arbeitnehmer bei Bedarf das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen und gegebenenfalls darum bitten, den Geburtsort aus dem Arbeitszeugnis zu entfernen. Schließlich reichen Name und Geburtsdatum aus, um das Zeugnis dem beurteilten Arbeitnehmer zuzuordnen.

Kommt es bei einem neuen Arbeitgeber zur Einstellung, wird dieser gegebenenfalls eine Kopie des Personalausweises oder einen anderen Identitätsnachweises verlangen.

Weiter ist es durchaus üblich, einfach beim alten Arbeitgeber anzurufen und sich über Angaben im Zeugnis direkt zu informieren.




Ebenso wichtig: Schlussabsatz und Aufgaben

Achten Sie bitte darauf, dass Ihr Arbeitszeugnis nicht nur im Einleitungsabsatz, sondern auch im Aufgabenteil, bei den Einzelnoten, der Gesamtnote und dem wichtigen Schlussabsatz fehlerlos und überzeugend ist.

Diese Artikel aus unserer 25-jährigen Beratungspraxis helfen Ihnen weiter.

 

Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches

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