Gelochtes Arbeitszeugnis zählt nicht zum Geheimcode

 

  • Geknickt, mit Heftklammern versehen, radiert, mit Kaffeeflecken verunziert oder gelocht: Handelt es sich hier um Geheimzeichen?

  • Ein Gericht entschied kürzlich, dass das an den Arbeitnehmer übermittelte gelochte Arbeitszeugnis nicht unter den verbotenen Geheimcode fällt.

  • Warum wurde hier die Klage der Arbeitnehmerin abgewiesen?

     




    Ungelochtes Zeugnis: Kein Anspruch darauf

    Die ehemalige Beschäftigte eines Fliesenlegerbetriebes forderte vor Gericht eine neues Endzeugnis ohne Lochung. Dies lehnte das Arbeitsgericht Weiden in Bayern ab. Es gebe zwar grundsätzlich formale Kriterien, die erfüllt sein müssten.

    Da es sich hier aber um einen kleinen Handwerksbetrieb für Fliesen- und Natursteinarbeiten handele, der nachweisen konnte, dass er ausschließlich über gelochtes Geschäftspapier verfüge, dürfe das Zeugnis auch darauf verfasst werden.

    Arbeitsgericht Weiden, Urteil vom 9. Januar 2019, Az. 3 Ca 615/18

     




    Die branchenüblichen Gepflogenheiten gelten

    Der Richter verwies darauf, dass die Anforderungen an einen kleinen Handwerksbetrieb geringer seien als die, die man beispielsweise an eine internationale Großkanzlei stelle.

    Weiter sei es so, dass ein "unvoreingenommener Leser mit Branchenkenntnis" aus einer Lochung keine unzulässige Distanzierung des Zeugnisausstellers vom eigentlichen Inhalt erkennen könne.

     

    Dass die Form der Ausstellung ebenso wichtig ist wie der eigentliche Inhalt, hat die Rechtsprechung grundsätzlich immer wieder bejaht.

    Unter formalen Gesichtspunkten darf ein Arbeitszeugnis

    • keine Flecken, Radierungen, Verbesserungen oder Durchstreichungen,
    • keine Vielzahl von Rechtschreib- oder Kommafehlern,

    enthalten. Weiter muss es

    • ordentlich und sauber
    • maschinell und mit lesbarem Schriftgrad

    geschrieben worden sein.

     

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