10 Profitipps Arbeitszeugnis richtig lesen

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Detailarbeit: Es gibt viele Feinheiten der Zeugnissprache. Beispielsweise

- spezielle Zeugniscodes, um Abwertungen zu verschleiern,

- fein abgestufte Bewertungen für Einzelnoten und

- wichtige Kernaussagen, die die Leistungsbereitschaft der oder des Beurteilten unterstreichen können.

Schnelle Hilfe: Dennoch müssen Sie nicht in die gesamte Tiefe der Formulierungen für Zeugnisse eintauchen, um Ihr Arbeitszeugnis richtig zu lesen.

Effektiv: Unsere 10 Profitipps helfen Ihnen dabei, Ihr Zeugnis schnell zu deuten und zu bewerten. Machen Sie es wie die Zeugnisprofis, analysieren Sie Ihr Arbeitszeugnis mithilfe dieser 10-Punkte-Checkliste.

Neu: Nutzen Sie zusätzlich auch unseren kostenlosen Arbeitszeugnis-Test mit 20 Testfragen (klick: PDF-Download, 0,8 MB).

 



#1 Bewertung: Wie lautet der Kündigungsgrund im Schlussabsatz des Arbeitszeugnisses?

Zentraler Punkt: Haben Sie gekündigt? Oder wurde Ihnen gekündigt? Ist die Kündigung betriebsbedingt erfolgt? Oder sogar fristlos? Hier gibt das Arbeitszeugnis Auskunft mit Formulierungen zum Kündigungsgrund im letzten Absatz.

- Die Formulierung "Herr Schmidt verlässt uns auf eigenen Wunsch" entspricht in seiner Bedeutung einer Kündigung durch den Arbeitnehmer selbst. Grundsätzlich wird eine eigene Kündigung günstiger gedeutet, schließlich hat hier der Arbeitnehmer von sich aus gehandelt.

- Der Satz "Das Arbeitsverhältnis wurde zum 31.12.2017 einvernehmlich beendet" drückt eine Kündigung im gegenseitigen Einvernehmen aus, beispielsweise durch einen Aufhebungsvertrag.

- Und ein knappes "Das Arbeitsverhältnis endet am 06.12.2017" umschreibt durch das "krumme" Datum üblicherweise eine fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber. Diese Formulierung ist in Arbeitszeugnissen als sehr kritisch anzusehen, weil sie künftige Bewerbungschancen deutlich mindern kann.

Arbeitszeugnis lesen

 



#2 Enthält die Schlussformel Dank, Bedauern und Zukunftswünsche?

Dank und Bedauern: Enthält Ihr Zeugnis nach dem Kündigungsgrund eine Schlussformel? Damit ist gemeint, dass erstens das Bedauern über Ihren Weggang, zweitens ein ausdrücklicher Dank für Ihre bisherigen Leistungen und drittens gute Wünsche für Ihre weitere berufliche Zukunft ausgesprochen werden.

Auch wenn Arbeitnehmer nach höchstrichterlicher Rechtsprechung leider keinen Anspruch auf "Dank und Bedauern" haben, enthalten überzeugende Endzeugnisse dennoch eine Formulierung wie "Wir bedauern sein Ausscheiden sehr, bedanken uns für die langjährige stets produktive Zusammenarbeit und wünschen Herrn Müller für seine berufliche und private Zukunft alles Gute und weiterhin Erfolg."

 



#3 Welcher Notenstufe entspricht die Gesamtnote?

Schwarmdummheit: Gerne wird von Laien in Sachen Arbeitszeugnis behauptet, dass die Gesamtnote "stets zur vollsten Zufriedenheit" falsch sei.

Diese sieht die höchste Instanz für Arbeitszeugnisse allerdings schon seit vielen Jahren anders. Das Bundesarbeitsgericht hat nämlich ausdrücklich bestätigt, dass die genannte Formulierung zwar sprachlich nicht schön, aber in "sehr guten" Arbeitszeugnissen eben doch üblich, und daher auch richtig sei.

Auch Ihre Zeugnisnote sollte daher zumindest "stets zur vollen Zufriedenheit (Note 2)" oder "stets zur vollsten Zufriedenheit (Note 1)" lauten. Es gibt selbstverständlich auch alternative Formulierungen, die die gleichen Notenstufen ausdrücken.

 



#4 Wird die Gesamtnote im Schlussabsatz wiederholt?

Doppelt hält besser: Wird die Gesamtnote, möglichst "gut" oder "sehr gut", im Schlussabsatz wiederholt? Dann sollten die "stets guten Leistungen (Note 2)" oder die "stets absolut überzeugenden Leistungen (Note 1)" am Ende des Zeugnisses noch einmal wiederholt werden.

Ungünstig wäre hier "wir danken ihm für seine Leistungen für unser Unternehmen". Denn ohne "stets" und "gut" entspricht der Dank leider nur einem "ausreichend", also der Note 4.

Studie zum Arbeitszeugnis: Insbesondere Schlussabsatz (#2 und #4), Gesamtnote (#3) und Tätigkeitsbeschreibung (#6 und #5) überprüfen Zeugnisprofis unserer Erfahrung nach immer, was auch im Jahre 2016 in einer empirischen Studie der Ernst-Abbe-Hochschule zum Arbeitszeugnis bestätigt wurde.

 



#5 Werden berufliche Erfolge betont?

Ergebnisse, Erfolge, Erreichtes: In modernen Arbeitszeugnissen werden nicht bloß Tätigkeiten und Verantwortungsbereiche aufgezählt. Es werden auch ausgewählte Erfolge (PDF 100 berufliche Erfolge) in den Vordergrund gestellt, beispielsweise

- die Schulung von Kollegen,

- Optimierungen in den Arbeitsabläufen,

- Kosteneinsparungen oder

- erfolgreiche Projekte.

Sprachlich eingeleitet werden besondere berufliche Erfolge mit Formulierungen wie "Besonders zu erwähnen ist, dass...", "Hervorzuheben ist..." oder "Besonders erwähnen möchten wir an dieser Stelle, dass ...".

Weil die Ausformulierung besonderer beruflicher Erfolge sowohl Personalabteilungen als auch beurteilten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern oft schwer fällt, haben wir in unseren PDF-Downloads neben 100 Tätigkeiten auch 100 Erfolge aufgeführt. Jeweils mit Bezug auf unterschiedliche Berufsfelder und unterschieden nach Fachkräften und Führungskräften.

 



#6 Wie ausführlich werden Aufgaben und Tätigkeiten beschrieben?

Nicht zu knapp: Überprüfen Sie ebenfalls, ob Ihr Tätigkeitsblock im Arbeitszeugnis verdeutlicht, wie vielfältig Ihr Aufgabengebiet, Ihre Tätigkeiten und gegebenenfalls auch Ihre Verantwortungsbereiche waren.

Oberflächliche Aufzählungen im Stil von "Das Aufgabengebiet von Frau Müller umfasste die Investitionsplanung" sind definitiv nicht aussagekräftig genug.

Besser wäre eine ausführliche Darstellung, beipielsweise so "Das verantwortungsvolle Aufgabengebiet von Frau Müller umfasste die Investitionsplanung einschließlich der Einwerbung von Fremdkapital und Fördergeldern".

 



#7 Wie strukturiert, systematisch und planvoll sind die Arbeitsaufgaben erledigt worden?

Arbeiten mit Plan: Der Herangehensweise an Arbeitsaufgaben kommt eine immer bedeutendere Rolle zu. Dies liegt daran, dass sich Aufgabenfelder in immer kürzeren Abständen verändern und damit ständig neue Herausforderungen an die Mitarbeiter gestellt werden.

In Arbeitszeugnissen überzeugen die Beschreibungen zur Arbeitsweise der Beurteilten dann, wenn dabei Begriffe wie "planvoll", "strukturiert", "methodisch" oder "systematisch" eingesetzt werden.

Auch hier natürlich in Kombination mit Zeitwörter wie "stets", "immer" oder "jederzeit", beispielsweise "Frau Schmidt arbeitete stets strukturiert, ergebnisorientiert und zügig (Note 2)".

 



#8 Enthält das Arbeitszeugnis Geheimcodes?

Zwischen den Zeilen beurteilt: Mit Geheimcodes (kostenlos 200 Zeugniscodes als PDF-Download) meinen wir verschlüsselte Abwertungen. Hierzu zählen "Nicht"-Formulierungen, Relativierungen oder Widersprüche.

Nicht-Formulierungen: Heißt es im Zeugnis "Die Motivation von Herrn Müller ist nicht zu kritisieren", handelt es sich um eine typische "Nicht"-Formulierung. Gemeint ist in Wirklichkeit, dass die Motivation von Herrn Müller zu kritisieren ist. Ähnlich ist die Beschreibung "untadelige Persönlichkeit" zu werten, auch hier wird zwischen den Zeilen ausgedrückt, dass die Persönlichkeit des Arbeitnehmerns zu tadeln ist.

Relativierungen: Zu den Relativierungen in Arbeitszeugnissen gehören Einschränkungen wie "im Großen und Ganzen" oder "im Wesentlichen". Die Aussage "Sie war im Wesentlichen motiviert." meint also tatsächlich "Sie war manchmal motiviert, was aber selten vorkam.", was einem "mangelhaft", also der Note "5" entspricht.

Widersprüche: Wird im Aufgabenblock auf wichtige Projekte hingewiesen, im Bewertungsblock aber nichts weiter zum Gelingen der Projekte ausgeführt, handelt es sich um einen Widerspruch im Zeugnis. Gleiches gilt für die Gesamtnote, wie unter Punkt 4 ausgeführt.

 



#9 Wie effektiv war das Führungsverhalten?

Leadership-Skills: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Führungsverantwortung hatten, sollten die Ausführungen zum Führungsstil und zu den Führungserfolgen besonders aufmerksam lesen.

Gerade wenn erfolgreich Umstrukturierungen bewältigt, neue Abteilungen aufgebaut oder neue Geschäftsfelder erschlossen wurden, sollten diese besonderen Führungsleistungen im Arbeitszeugnis unbedingt auch nachgezeichnet werden.

Praxistipp: Weiter sollten Gesamtnote und Führungsnote der gleichen Notenstufe entsprechen. In unserer Beratungspraxis sehen wir regelmäßig "sehr gute" Gesamtnoten in einer Kombination mit "lediglich guten" Bewertungen für die Führungsleistungen.

Dieser Widerspruch (siehe eben "Geheimcode") geht dann leider zu Lasten der beurteilten Führungskraft - und kann durchaus negativ interpretiert werden: "Als Spezialist ist er/sie sehr gut, als Führungskraft aber eine ganze Note schwächer."

 



#10 Ist die Einleitung aktiv formuliert?

Kommt viel zu oft vor: Passive Einleitungen in Arbeitszeugnissen sind ungünstig, weil Leser dann von Anfang an kritisch oder sogar negativ eingestimmt werden.

Zu vermeiden sind daher Formulierungen wie "Herr Schmidt war bei uns vom 01.01.2013 bis zum 31.12.2017 beschäftigt." Oder "Frau Müller war bei uns vom 01.04.2012 bis zum 31.12.2015 angestellt."

Besser sind aktive Einleitungen, also "Herr Schmidt war bei uns vom 01.01.2013 bis zum 31.12.2017 in der Abteilung Rechnungswesen als Teamleiter tätig."

In unseren Hunderten von verschiedenen Arbeits- und Zwischenzeugnis-Downloads sehen Sie, wie sich die hier vorgestellten Vorgaben vollständig und aussagekräftig umsetzen lassen.

Wählen Sie einfach die Vorlage aus, die am besten zu Ihrem Berufsfeld passt. Erstellen Sie damit schnell und effektiv selber ein aussagekräftiges Zeugnis. Oder fordern Sie die Änderungen beim Arbeitgeber ein, die Ihnen wichtig sind.

Schließlich begleitet Sie Ihr Arbeitszeugnis ein Arbeitsleben lang.

 

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Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

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