Beredtes Schweigen im Arbeitszeugnis

Was ist das "beredte Schweigen" im Arbeitszeugnis?

Beim "Schweigen" in Arbeitszeugnissen geht es darum, dass zu zentralen Eigenschaften, typischen Merkmalen, wesentlichen Aufgaben oder üblichen Kennzeichnungen des Berufsfeldes keinerlei Aussagen getroffen werden.

Stattdessen wird dazu ganz offensichtlich nichts gesagt, also auffällig deutlich geschwiegen.

Wie erkennen Sie beredtes Schweigen in Ihrem Zeugnis?

Und wie sollten Sie darauf reagieren?

 

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Beispiele: Beredtes Schweigen in Zeugnissen

  • Stellen Sie sich bitte kurz die Wirkung eines Arbeitszeugnisses für einen Vertriebsmitarbeiter vor, das keinerlei Aussage zu seinem Umgang mit Kunden enthält.

  • Oder die Beurteilung einer Führungskraft, in der mit keinem Wort auf die Führungsleistung eingegangen wird.

  • Wie würden wohl künftige Arbeitnehmer derartige "Auslassungen" deuten?

 

Auch das Bundesarbeitsgericht hatte schon häufiger zu klären, ob ein Arbeitszeugnis ergänzt werden muss, wenn bestimmte typische Eigenschaften einer Branche oder Berufsgruppe im Zeugnis fehlen.

 




Reden durch Schweigen im Arbeitszeugnis

Grundsätzlich stellt sich beim beredten Schweigen die Frage, ob damit in Arbeitszeugnissen versteckt und indirekt eine negative Aussage über die beurteilte Arbeitnehmerin oder den beurteilten Arbeitnehmer getroffen wird.

Schließlich ist es sehr merkwürdig und auffällig, wenn typische Eigenschaften eines Berufsfeldes oder übliche Merkmale, die innerhalb einer Berufsgruppe charakteristisch sind, nicht im Zeugnis enthalten sind.

Aus diesem Grund bezeichnen professionelle Zeugnisleser offenkundige Auslassungen mit dem Fachausdruck "beredtes Schweigen", was zum Geheimcode in Arbeitszeugnissen zählt.

 




Problem: Zentrale Eigenschaften nicht erwähnt

Zum "Reden durch Schweigen" erläuterte das Bundesarbeitsgericht, dass das Nichterwähnen typischer Eigenschaften oder üblicher Leistungen von anderen Zeugnislesern, also neuen Arbeitgebern, Headhuntern oder Personalberatern, üblicherweise als - indirekter und negativer - Hinweis interpretiert werden wird.

Fehlt also eine Eigenschaft oder Leistung im Arbeitszeugnis, die wesentlich für eine erfolgreiche Berufsausübung ist, können Arbeitnehmer aus den Grundsätzen der Zeugniswahrheit und Zeugnisklarheit eine Nachbesserung verlangen.

 




Klare Abwertung: Vertrieb ohne Kundenorientierung

Dies wäre beispielsweise dringend nötig, wenn das Zeugnis einer Vertriebsmitarbeiterin keine Aussagen zum Umgang mit Kunden, zur Angebotserstellung oder zum Abschlussverhalten enthält.

Gleiches gilt sicherlich auch für das Zeugnis einer Führungskraft, das nicht auf Führungsleistungen und Führungserfolge eingeht.

BAG, Urteil vom 12.08.2008, 9 AZR 632/07

Ebenso auffällig wäre es sicherlich auch, wenn Bewertungen von Projektmanagerinnen keine Aussagen zum fehlerfreien Arbeiten unter Druck (Arbeitsqualität und Belastbarkeit) enthalten würden.

 




Abhilfe: Ihre Stärken und Kenntnisse im Zeugnis

Überprüfen Sie Ihr Zwischenzeugnis oder Endzeugnis deshalb gezielt darauf, ob wesentliche Arbeitsaufgaben, Tätigkeiten, Verhaltensweisen oder Eigenschaften nicht erwähnt werden.

 

Auf einen Blick

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Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

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