In Probezeit gekündigt - so gut erklären

 

Dass Kündigungen in der Probezeit heute häufiger als früher vorkommen, hat unserer Erfahrung nach verschiedene Gründe.

  • Viele Arbeitgeber bieten keine oder nur eine unzureichende Einarbeitung. Wer die hohen Anforderungen nicht von Anfang an erfüllt, wird gefeuert.

  • Wegen des Fachkräftemangels gehen manche Firmen bei der Bewerbersuche zu große Kompromisse ein und kündigen dann schneller in der Probezeit.

  • Bewerberinnen und Bewerber fühlen sich im neuen Kollegenkreis nicht wohl und kündigen selber.

  • Neue Mitarbeiter fühlen sich permanent überfordert und und vom neuen Chef alleingelassen und geben frustriert auf.

  • Manche Jobs werden ganz bewusst nur als Übergangslösung angesehen. Sobald eine bessere Stelle in Sicht ist wird sofort gewechselt.

 

    Gegen eine arbeitgeberseitige Kündigung in der "Kennenlernphase" kann wenig unternommen werden. Dafür können Arbeitnehmer ebenso schnell das Arbeitsverhältnis beenden.

    Probleme gibt es allerdings häufiger, wenn die Kündigung in der Probezeit dann in einem Vorstellungsgespräch erklärt werden soll.

    Wie können Sie hier überzeugend argumentieren?

     




    Probezeitkündigung: Im Vorstellungsgespräch begründen

    In unserer Beratungspraxis erleben wir es regelmäßig, dass Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer aus allen Wolken fallen, wenn sie schon nach wenigen Monaten oder gar Wochen eine Kündigung durch den Arbeitgeber erhalten. Dies kommt häufiger vor als gedacht.

    Wir haben durchaus den Eindruck, dass etwa jedes fünfte neue Arbeitsverhältnis schon nach kurzer Zeit wieder beendet wird.

    Betroffene berichten uns davon, dass Ihnen vorgeworfen wird

    • zu langsam zu arbeiten,

    • eine zu schlechte Arbeitsqualität abzuliefern,

    • sich nicht ins Team integriert zu haben,

    • zu viele Nachfragen zu stellen,

    • zu oft Unterstützung durch Vorgesetzte oder Kollegen einzufordern oder

    • zu penetrant darauf zu bestehen, dass bestehende Regeln im Bereich Qualität, Einkauf oder Finanzen auch eingehalten werden.

     




    Schlechte Einarbeitung, cholerischer Chef

    Die Sicht der gekündigten Arbeitnehmer ist allerdings häufig eine ganz andere. So wird kritisiert,

    • dass die Aufgaben aus der Stellenbeschreibung in keiner Weise der Realität am Arbeitsplatz entsprechen,

    • dass Entscheidungs- und Abstimmungswege völlig unklar sind,

    • dass Abteilungen hoffnungslos miteinander zerstritten sind,

    • dass die Personalfluktuation im gesamten Unternehmen sehr hoch ist,

    • dass die neue Vorgesetzte aus dem Vorstellungsgespräch das Unternehmen kurzfristig verlassen hat und mit dem Nachfolger nicht produktiv zusammengearbeitet werden kann,

    • dass Projekte zu Ende geführt werden sollen, die von Anfang an völlig falsch geplant wurden oder

    • dass gegenseitige Wertschätzung, Unterstützung und positives Feedback in der "Unternehmenskultur" überhaupt keinen Platz hätten.

     

    Ganz unabhängig davon, ob der Kündigungsgrund nun im Einzelfall mehr der Arbeitgeber- oder der Arbeitnehmerseite zuzuordnen ist, machen die genannten Beispiele deutlich, dass negative Emotionen in jedem Fall eine große Rolle spielen.

    Dieses emotionale Störfeuer darf natürlich keinen Eingang in anstehende Vorstellungsgespräche finden. Sonst entsteht der Eindruck, dass die suchende Firma nicht den gewünschten Problemlöser bekommt, der anstehende Aufgaben nach kurzer Einarbeitungszeit gewissenhaft bewältigt.

    Vielmehr führt eine detailreiche Schilderung von Vorwürfen, Vorhaltungen und Schuldzuweisungen dazu, dass das Bild eines überforderten Arbeitnehmers entsteht, der sich weder ins neue Team integrieren noch Anweisungen und Vorgaben von Vorgesetzten nachvollziehen und umsetzen kann.

     




    Probleme immer nur kurz kommunizieren

    Dass in Vorstellungsgesprächen nachgefragt wird, wenn Brüche, Krisen, Lücken, Ausbildungsabbrüche, häufige Stellenwechsel oder auffällig kurze Beschäftigungszeiten enthalten sind, ist daher Realität für betroffene Bewerberinnen und Bewerber.

    Damit Sie bei der Erklärung Ihrer Probezeitkündigung glaubwürdig wirken und nicht vorzeitig aus dem Bewerbungsverfahren herauskatapultiert werden, können Sie sich an der Kommunikationsstrategie orientieren, die wir auch in unserer Beratungspraxis erfolgreich einsetzen.

     

    Weg von der Problemdarstellung

    Achten Sie bewusst darauf, Nachfragen zu Brüchen im beruflichen Werdegang grundsätzlich zuzugeben. Weichen Sie also nicht aus, sondern bestätigen Sie, dass es - seinerzeit - ein Problem gab.

    Wechseln Sie dann schnell zu den Stärken, Kenntnissen und Erfahrungen, die Sie grundsätzlich auszeichnen.

    • Schildern Sie beispielsweise, dass Sie beim vorherigen Arbeitgeber immer zuverlässig Termine eingehalten haben ("Zuverlässigkeit").

    • Beschreiben Sie, wie Sie Belastungsspitzen durch Überstunden bewältigt haben ("Belastungsfähigkeit").

    • Oder erläutern Sie, wie Sie neue Lösungen für Probleme gefunden haben ("Lösungsorientierung").

     

      In unseren E-Learnings zum Thema Vorstellungsgespräch stellen wir Ihnen zahlreiche Formulierungen und Beispiele vor, an denen Sie sich in Sachen "Erfolgs- statt Problemkommunikation" orientieren können. Die dort aufgeführten Beispiele stammen direkt aus unserer Beratungspraxis.

       




      Fokussieren Sie: Ihre Stärken, Erfahrungen und Leistungen

      Es ist hilfreich und unverzichtbar, dass Sie sich vor Vorstellungsgesprächen ein weiteres Mal mit der jeweiligen Stellenausschreibung intensiv auseinandersetzen.

      Schreiben Sie die fachlichen Anforderungen und die persönlichen Eigenschaften heraus, die vom neuen Arbeitgeber verlangt werden. Und überlegen Sie sich dann Beispiele dafür, wie Sie bestimmte Fachkenntnisse oder persönliche Stärken schon in der Vergangenheit erfolgreich eingesetzt haben.

      Dann haben Sie passgenaue Argumente zur Hand, um glaubwürdig und nachvollziehbar zu belegen, welchen Beitrag Sie an dem zu vergebenden Arbeitsplatz leisten werden, um das Unternehmen zu unterstützen. Diese Einstellungsargumente sprechen letztendlich für Sie.

      Fazit: Berufliche Rückschläge oder gar Niederlagen sind leider für viele Bewerberinnen und Bewerber Realität. Aber auch ein belastender Negativfaktor wie eine Kündigung in der Probezeit lässt sich im Vorstellungsgespräch geschickt erklären und kann durch gute Beispiele für eine grundsätzlich konstruktive und teamorientierte Mitarbeit wieder gerade gerückt werden.

       

      Dieser Artikel gehört zu einer Serie, die Ihnen dabei hilft, den "Rückschlag Kündigung" besser zu bewältigen.

       

      Gekündigt? - Wieder raus aus der Krise!

      Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

      foto: © Jordan Whitfield on Unsplash.com