Muss der Lebenslauf unterschrieben werden?

Unterschrift und Graphologie​ ✓ E-Mail-Lebenslauf ✓ konservative Personalmitarbeiter ✓ emotionale Note ✓

 

Deutschland ist für seine Regeln bekannt – und manchmal auch gefürchtet, beispielsweise dann, wenn es um die Regeln für die „richtige“ oder „perfekte“ Bewerbung geht.

Eine Frage, die uns in unserer Coachingpraxis immer wieder gestellt wird, lautet daher auch „Muss ich meinen Lebenslauf unterschreiben? Und wie mache ich das mit der Unterschrift bei einer E-Mail-Bewerbung?

 



Ihr Lebenslauf: Unterschrift, Graphologie und erster Eindruck

Sicherlich haben Sie selber auch schon einmal fremde Unterschriften gesehen und sich Gedanken darüber gemacht, was Ihnen daran auffällt, gefällt oder missfällt.

Gemeinhin wird von „gestandenen Persönlichkeiten“, also auch Führungskräften, eine entsprechende Unterschrift erwartet, die durchaus etwas mehr Platz einnehmen darf.

Durch eine breitere Unterschrift werden im Idealfall auch optisch Selbstvertrauen, Extraversion und Dynamik ausgedrückt. Also genau die Eigenschaften, die von Führungspersönlichkeiten erwartet werden.

 



Was drückt Ihre Unterschrift aus?

Selbstverständlich gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass eine entsprechend ausgeführte Unterschrift ein eindeutiges Signal dafür ist, dass sich dahinter ein „Erfolgsmensch“ verbirgt. Denn die „Lehre von der Handschrift als Ausdruck des Charakters“, also die Graphologie, ist als psychodiagnostische Methoden sehr umstritten und kaum anerkannt.

Und selbst wenn sich aus Schnörkeln, Häkchen, Wendungen und Links- oder Rechtsneigungen doch Aussagen über Neigungen, Charaktereigenschaften und Persönlichkeitsmerkmalen ablesen lassen sollten, was nicht nur wir stark bezweifeln, sind sich sogar Graphologen darüber einig, dass bloße Unterschriften nicht als Schriftprobe taugen. Sie entsprechen nämlich gerade nicht der üblichen Handschrift einer Person.

Insofern stimmen wir mit der Ansicht von „Handschriftexperten“ ausnahmsweise einmal überein: Unterschriften zeigen gerade nicht, wie jemand „ist“, sondern wie er oder sie „gesehen“ werden will.

 



Bewerbung: Der „Sinn“ der Unterschrift

Diese Feststellungen führen wieder direkt zurück zur Aufgabe und Funktion von Unterschriften am Ende von Lebensläufen oder Anschreiben.

Stellen Sie sich einen Lebenslauf ohne Foto, ohne Hervorhebungen in „fett“, „kursiv“ oder „unterstrichen“ und ohne Unterschrift vor. Sogleich wird vor Ihrem inneren Auge ein farbloses und blutleeres Dokument in Form einer Zeitleiste mit viel Text auftauchen, das in dieser Form nicht gerade zum intensiven Lesen einlädt.

Aber genau diese Wirkung möchten Sie ja eigentlich mit Ihrem Lebenslauf erzielen. Sie möchten, dass Leserinnen und Leser in den Personalabteilungen der Firmen oder in Personalberatungen von Ihrem CV nicht nur rational als Datenblatt, sondern auch emotional angesprochen werden.

 



Lebenslauf: Design bestimmt das Bewusstsein

Aus diesem Grund werden heutzutage auch viel mehr als früher dezente Farbmarkierungen, Tabellen mit Farbverläufen oder farbige Aufzählungen für die Gestaltung von Lebensläufen eingesetzt. Beispielsweise dann, wenn Bewerbungen an dynamische Start-Ups, kreative Medienunternehmen oder dynamische Online-Marketingagenturen versandt werden.

Und in den Fällen, in denen Lebenslauf und Anschreiben an konservative Unternehmen, Behörden und seriöse Wirtschafts- oder Unternehmensberatungen versandt werden, erfüllen Bewerbungsfoto, Kopfzeile, strukturiertes Layout und eben auch die Unterschrift das gleiche unterschwellige Bedürfnis auf Seiten des Empfängers nach dezenten Emotionen.

Nehmen Sie dieses Bedürfnis ernst. Wählen Sie Ihr Bewerbungsfoto so aus, dass es zu der ausgeschriebenen Stelle passt. Und präsentieren Sie Ihre Unterschrift so, dass gewünschte Attribute wie „sachlich“, „zuverlässig“, „nüchtern“ oder eben auch „dynamisch“, „zupackend“, „selbstbewusst“ bereits anhand der persönlichen Signatur erkennbar werden.

 

P.S.: Sollten Sie Ihren Lebenslauf als E-Mail-Bewerbung verschicken, empfehlen wir Ihnen daher Ihre Unterschrift zu scannen und -  nicht zu klein - einzufügen.

 

Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

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