Arbeitszeugnis: Freundlich und hilfsbereit?

von Christian Püttjer & Uwe Schnierda

Was ist gemeint, wenn im Arbeitszeugnis steht "Sein Verhalten gegenüber Kollegen war stets freundlich und hilfsbereit."? Und welche Botschaft kommt bei künftigen Arbeitgebern eigentlich an, wenn formuliert wurde "Sie wurde wegen ihres freundlichen Wesens und ihrer kollegialen Haltung von Vorgesetzten und Kollegen sehr geschätzt."?

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Neue Trends im Arbeitszeugnis?

Seit mehr als 20 Jahren lesen und optimieren wir Endzeugnisse und Zwischenzeugnisse, daher kennen wir aktuelle Trends und geben diese teilweise auch vor. So enthalten Arbeitszeugnisse, auch auf unsere langjährigen audrücklichen Empfehlungen hin, heutzutage deutlich häufiger

- berufliche Erfolge, die in Zahlen ausgedrückt werden,
- konkrete Beispiele für persönliche Fähigkeiten wie Kommunikationsstärke, unternehmerisches Denken, Führungsstärke oder Veränderungsbereitschaft und auch
- Formulierungen im Block Sozialverhalten, die sowohl den Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern als auch Kunden oder Geschäftspartnern näher erläutern.

 

 

 

 

 

 





Cholerischer Chef sucht "liebe" Arbeitnehmerin?

Was uns in diesem Zusammenhang in Zeugnissen häufiger auffällt - und stört -, sind weichgespülte Formulierungen zum Sozialverhalten. So heißt es häufig:

"Sie wurde von Vorgesetzten und Kollegen stets als freundliche und fleißige Mitarbeiterin geschätzt." oder
- "Ihr Verhalten gegenüber Kollegen ist stets freundlich und hilfsbereit." oder
- "Vorgesetzte und Kollegen schätzten ihn als freundlichen, kooperativen und zuvorkommenden Mitarbeiter."

 

 

 

 

 

 

Grundsätzlich wünschen wir selbstverständlich jeder Arbeitnehmerin und jedem Arbeitnehmer ein harmonisches und kollegiales Miteinander. Problematisch wird die Harmoniefalle im Zeugnis aber dann, wenn die oder der Bewertete künftig

- Geschäftspartner überzeugen,
- Kunden begeistern,
- Kollegen mitreißen,
- Projekte leiten oder
- Führungsaufgaben übernehmen möchte.

Dann sollte es im Zeugnis heißen, dass der Arbeitnehmer von den Kollegen doch eher "stets sehr geschätzt und respektiert" wurde oder die Arbeitnehmerin "regelmäßig als kompetente Ansprechpartnerin" in Anspruch genommen wurde.

 
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Karriere als fleißiges Bienchen?

Leider ist in diesem Zusammenhang auch immer wieder festzustellen, dass deutlich mehr Frauen in Arbeitszeugnissen den Stempel "freundlich und zuverlässig" aufgedrückt bekommen.

Sicherlich freut es so manchen neuen Arbeitgeber, wenn er ein "fleißiges Bienchen, das im Berufsalltag gerne darauf verzichtet eigene Vorstellungen umzusetzen" bekommt.

Die Arbeitnehmerinnen, die sich allerdings für Stellen interessieren, die eine gewisse Durchsetzungsfähigkeit verlangen, sollten sich daher im Arbeitszeugnis nicht allzu "lieb" beschreiben lassen.

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