Arbeitszeugnis: Freundlich und hilfsbereit?

Die Arbeitswelt entwickelt sich, die gesellschaftliche Realität verändert sich, nur Arbeitszeugnisse scheinen öfter einem Menschenbild der 50-er Jahre des letzten Jahrhunderts zu entspringen. Höchste Zeit für Änderungen, wir sorgen für Klarheit!

 

  • Was ist wirklich gemeint, wenn im Arbeitszeugnis steht: "Sein Verhalten gegenüber Kollegen war stets freundlich und hilfsbereit."?

  • Welche Botschaft kommt bei künftigen Arbeitgebern an, wenn formuliert wurde "Sie wurde wegen ihres freundlichen Wesens und ihrer Höflichkeit von Vorgesetzten und Kollegen sehr geschätzt."?

  • Warum tauchen Bewertungen und Beschreibungen wie "freundlich", "höflich", "nett" und "hilfsbereit" sehr häufig in Bewertungen von Arbeitnehmerinnen auf?

  • Und wann kann der "Weichspülfaktor" durchaus negativ gedeutet werden?

 

 

 



Neue Trends im Arbeitszeugnis

Aus der Coachingpraxis: Seit mehr als 25 Jahren lesen und optimieren wir Endzeugnisse und Zwischenzeugnisse, daher kennen wir aktuelle Trends und geben diese teilweise auch Firmen und Personalabteilungen vor. So enthalten Arbeitszeugnisse, auch auf unsere langjährigen audrücklichen Empfehlungen hin, heutzutage deutlich häufiger

-> berufliche Erfolge, die in Zahlen ausgedrückt werden,
-> Hinweise auf Sprachkenntnisse, die in internationalen Arbeitsfeldern regelmäßig eingesetzt werden,
-> Bemerkungen zur Innovationsstärke, die in Start-up-Unternehmen ("disruptive Geschäftsfelder") zum Tragen kommen,
-> konkrete Beispiele für persönliche Fähigkeiten wie Kommunikationsstärke, unternehmerisches Denken, Führungsstärke oder Veränderungsbereitschaft und auch
-> Formulierungen im Block Sozialverhalten, die sowohl den Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern als auch Kunden oder Geschäftspartnern näher erläutern.




Cholerischer Chef sucht "liebe" Arbeitnehmerin

Was uns in diesem Zusammenhang in Zeugnissen häufiger auffällt - und stört -, sind weichgespülte Formulierungen zum Sozialverhalten. So heißt es häufig:

->"Sie wurde von Vorgesetzten und Kollegen stets als freundliche und fleißige Mitarbeiterin geschätzt." oder
-> "Ihr Verhalten gegenüber Kollegen ist stets freundlich und hilfsbereit." oder
-> "Sein höfliches Auftreten und seine ruhige Art ..." oder
-> "Auch von externernen Dienstleistern wurde sie wegen ihrer Hilfsbereitschaft immer sehr geschätzt."
-> "Vorgesetzte und Kollegen schätzten ihn als freundlichen, kooperativen und zuvorkommenden Mitarbeiter."

 



Taktik: Die künftigen Aufgaben schon im Arbeitszeugnis

Grundsätzlich wünschen wir selbstverständlich jeder Arbeitnehmerin und jedem Arbeitnehmer ein harmonisches und kollegiales Miteinander. Problematisch wird die Harmoniefalle im Zeugnis aber dann, wenn die oder der Bewertete künftig

  • Geschäftspartner überzeugen,

  • Kunden begeistern,

  • Strategien entwickeln,

  • Kollegen mitreißen,

  • Dienstleister steuern,

  • Projekte leiten oder

  • Führungsaufgaben übernehmen möchte.

Dann sollte es im Zeugnis heißen, dass der Arbeitnehmer von den Kollegen doch eher "stets sehr geschätzt und respektiert" wurde oder die Arbeitnehmerin "regelmäßig als kompetente Ansprechpartnerin" in Anspruch genommen wurde.

 



Karriere als fleißiges Bienchen: Frauenfalle?

Leider ist in diesem Zusammenhang auch immer wieder festzustellen, dass deutlich mehr Frauen in Arbeitszeugnissen den Stempel "freundlich und zuverlässig" aufgedrückt bekommen.

Sicherlich freut es so manchen neuen Arbeitgeber, wenn er ein "fleißiges Bienchen, das im Berufsalltag gerne darauf verzichtet eigene Vorstellungen umzusetzen" bekommt.

Die Arbeitnehmerinnen, die sich allerdings für Stellen interessieren, die eine gewisse Durchsetzungsfähigkeit verlangen, sollten sich daher im Arbeitszeugnis nicht allzu "lieb" beschreiben lassen.

Wie es besser geht, zeigen wir Ihnen anschaulich in unseren PDF-Downloads für End- und Zwischenzeugnisse.

 

Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

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