Unsinn vom Headhunter: alle 3 Jahre Jobwechsel

Muss ich den Job wechseln ✓ Jobhopping oder Beständigkeit ✓ Karriere in einer Firma ✓ Abhängigkeit durch Loyalität ✓

 

Es gibt hilfreiche Tipps von Personalberatern und Headhuntern, aber durchaus auch fragwürdige. Wie auch sonst im Berufsleben ist es sinnvoll, zunächst zu hinterfragen, welchen Nutzen eine Empfehlung eigentlich demjenigen verschafft, der sie ausspricht.

Im heute, am 17.02.2017, erhaltenen Newsletter von experteer.de heißt es gleich zu Anfang: "Der Münchner Headhunter Christian Pape empfiehlt Kandidaten, sich alle drei Jahre in der Firma nach einem neuen Job umzusehen. Im Berufsleben rund 13-mal die Stelle wechseln – ist das die Zukunft auf dem Arbeitsmarkt?"

 



Headhunter empfiehlt Jobhopping

Mehr Wechsel, mehr Provisionen: Wenn ein Personalberater zu häufigen Stellen- und Firmenwechseln in kurzer Zeit rät, profitiert davon zumindest einer, nämlich der Personalberater selber, der ja schließlich Provisionen und Honorare für erfolgte Stellenvermittlungen von Fachspezialisten oder Führungskräften erhält. Und je häufiger Kandidaten die Stelle wechseln, desto höher fallen die Umsätze des Vermittlers aus.

Mehr kostenpflichtige Nutzer: Auch die Jobbörse Experteer dürfte interessiert daran sein, dass qualifizierte Arbeitnehmer damit liebäugeln, in kürzeren Abständen zu wechseln. Denn das Geschäftsmodell dieser Jobbörse besteht darin, die Anzahl kostenpflichtiger Nutzer zu steigern. Ein prinzipiell legitimes Unternehmensziel, das durch eine höhere Wechselfrequenz vermutlich noch besser erreicht werden kann.

 



Karriereberater warnen vor zu häufigen Jobwechseln

Treue wird nicht immer belohnt: Selbstverständlich wäre es naiv, ein, zwei oder drei Jahrzehnte in einem Unternehmen zu bleiben, ohne jemals den Arbeitgeber oder die Branche gewechselt zu haben. Kommt es dann zu einer Insolvenz, einer Fusion oder einer Übernahme, geht dies mit dem Wegfall von Arbeitsplätzen einher.

Festgefahren: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dem Arbeitgeber über die Jahre treu geblieben sind laufen tatsächlich Gefahr, als unflexibel, branchenblind oder festgefahren etikettiert zu werden.

Karriere im Management: Schaut man sich allerdings die Karrieren von Top-Führungskräften an, sind diese auf keinen Fall durch hastige Wechsel gekennzeichnet. Es fällt eher das Gegenteil auf, nämlich eine längere und konstante Mitarbeit, die einhergeht mit internen Wechseln und Aufstiegen.

 



Es kommt darauf an

Persönliche Abwägung: Wie immer im Leben gilt es Statements, auch von Headhuntern, zu differenzieren und mit der persönlichen Arbeitssituation, den eigenen Wünschen und Vorstellungen, den Branchengepflogenheiten, dem Zustand des Arbeitsmarktes und den Karriereoptionen abzugleichen.

Zu pauschal: Daher halten wir die vom Personalberater Christian Pape gemachte Aussage „Ich empfehle Kandidaten, in der ersten Hälfte des Berufslebens möglichst oft zu wechseln, neue Erfahrungen zu machen“, aus unserer Sicht als Karriereberater definitiv für zu pauschal und eher für einen Irrweg.

 

Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

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