Vorgesetztenwechsel ▷MUSS ich Zwischenzeugnis anfordern?

Von Püttjer - Schnierda

Angenommen, Sie arbeiten seit drei Jahren für Ihr Unternehmen und Ihr Vorgesetzter verlässt das Unternehmen oder wechselt intern oder geht in Elternzeit oder nimmt ein Sabbatical.

Sollten Sie jetzt die Gelegenheit nutzen und Ihren Anspruch auf ein Zwischenzeugnis durchsetzen und eine Zwischenbeurteilung in Zeugnisform anfordern?

Oder sollen Sie darauf vertrauen, dass das Unternehmen von allein tätig wird?

Und Ihnen unaufgefordert eine schriftliche Bestätigung Ihrer Leistungen und Erfolge übermittelt?

 

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Vorgesetzter wechselt: Warte auf Zwischenzeugnis

Berufserfahrene Bewerberinnen und Bewerber werden bei der eben genannten zweiten Alternative, also dem Vertrauen darauf, dass die Personalabteilung von sich aus eine ungeliebte Zusatzaufgabe übernimmt, bereits geschmunzelt haben.

Denn es ist allgemein bekannt, dass in der betrieblichen Praxis keine zusätzliche Arbeit ausgeführt wird, wenn nicht jemand darauf drängt, dass tatsächlich etwas geschieht.

 

Damit ist die Frage nach der Eigeninitiative bereits geklärt.

Entweder Sie werden aktiv oder es gibt regelmäßig kein Zwischenzeugnis.

 

Gutes Zwischenzeugnis durch Vorgesetzte

Es gehört zum betrieblichen Alltag, dass bisherige Vorgesetzte aus Karrieregründen das Unternehmen verlassen, an einen anderen Standort wechseln, intern aufsteigen oder in Rente gehen.

Dann sind sie beim Weggang oft in guter Stimmung und durchaus bereit, engagierten und leistungsstarken Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, ein gutes Zwischenzeugnis auszustellen.

Nutzen Sie unsere Vorlagen für "sehr gute" und "gute" Zwischenzeugnisse aus dem Downloadbereich. Damit nehmen Sie positiv Einfluss auf

  1. die Auflistung Ihrer Arbeitsaufgaben,

  2. das Hervorheben besonderer Erfolge und Leistungen,

  3. die Betonung Ihrer individuellen Stärken und Kompetenzen im Zeugnis

 




Risiko: Zu spät für Zwischenzeugnis

Alternativ könnten Sie natürlich auch einfach abwarten, sich Ihren fordernden Aufgaben im Tagesgeschäft hingeben und bei Bedarf zu einem späteren Zeitpunkt eine Zwischenbeurteilung in Zeugnisform einfordern.

 

Hiervor möchten wir aber ausdrücklich warnen!

Denn ohne die sehr günstige Ausgangssituation des Vorgesetztenwechsels schrecken Sie mit Ihrem Wunsch auf ein Zwischenzeugnis zu einem späteren Zeitpunkt womöglich die Chefetage auf.

Oftmals wird dann - zu Recht - vermutet, dass Sie sich wegbewerben wollen und bald kündigen werden.

 

Dies kann im ungünstigsten Fall dazu führen, dass die Firma von sich aus überlegt, für Sie Ersatz zu suchen und Ihnen "proaktiv" kündigt. Derartige Fälle haben wir schon häufiger erlebt.

 

 

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Und auch ohne eine arbeitgeberseitige Kündigung besteht die Gefahr, dass Sie bei einem stark beeinträchtigtem Vertrauensverhältnis von aktuellen Aufgaben abgezogen, von Informationen abgeschnitten und von Projekten abgerufen werden.

Keine schönen Aussichten!

 




Wenn die Vorgesetzte geht

Was sagen nun Karriereberater und Zeugnisexperten dazu, ob Sie Ihren Anspruch in Sachen Zwischenzeugnis geltend machen sollten.

 

Streit im Job

Ein Kunde suchte den Kontakt zu uns, da er ein unterdurchschnittliches und eher schwaches Arbeitszeugnis erhalten hatte.

Er hatte vier Jahre mit einer guten, fordernder und fördernden Chefin zusammengearbeitet, die dann aber in den Ruhestand gegangen war.

Mit dem neuen Vorgesetzten kam unser Kunde nicht wirklich klar. Die produktive Stimmung war dahin, schon Kleinigkeiten sorgten für Streit und Auseinandersetzungen. Und letztendlich entschied sich unser Kunden nach sechs Monaten "unter dem Neuen" zu kündigen.

Leider kam die Quittung mit dem Abschlusszeugnis. Hier hatte der zuständige (neue) Fachvorgesetzte seine Enttäuschung über die konfliktträchtige und unproduktive Zusammenarbeit in die schriftliche Beurteilung einfließen lassen.

Leider konnte unser Kunde kein Zwischenzeugnis für die Zeit davor vorlegen. Erst mit viel Mühe und Anstrengungen und dem mehrfachen Androhen einer gerichtlichen Auseinandersetzung wurde sein Abschlusszeugnis von der Note "ausreichend" auf immerhin "befriedigend" hochgesetzt.

Was in keinster Weise dem außerordentlichen beruflichen Engagement der ersten vier Jahre für den Arbeitgeber entsprach.

 




Zwischenzeugnis: Karrierekiller oder Bewerbungsjoker

Sollten Sie sich also die Frage stellen, ob Sie bei einem Vorgesetztenwechsel besser damit fahren, ein Zwischenzeugnis einzufordern, helfen Ihnen diese Überlegungen.

 

Erfolge sichern

  1. Sind Sie länger als zwei Jahre im Unternehmen und haben noch keine Zwischenbeurteilung in Schriftform bekommen?

  2. Sind Sie sogar in eine Führungsposition aufgestiegen ohne einen Nachweise Ihres vorherigen beruflichen Engagements zu haben?

  3. Ist dies Ihr erster Job nach der Hochschule?

  4. Liegen also überhaupt keine "echten" Arbeitszeugnisse vor?

  5. Oder handelt es sich um eine fünf-, sieben- oder zehnjährige Mitarbeit für einen einzigen Arbeitgeber, die niemals bewertet worden ist?

  6. Kann es passieren, dass Ihr Arbeitgeber plötzlich in Insolvenz gerät?

  7. Ist der Inhaber schon deutlich älter und möchte das Unternehmen bald verkaufen?

  8. Wird das Unternehmen womöglich von einem Mitbewerber übernommen?

  9. Haben in letzter Zeit viele Kollegen das Unternehmen verlassen und sich über unterdurchschnittliche Arbeitszeugnisse beklagt ("Racheakt am Mitarbeiter")?

 

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Die richtige Taktik: So Einfluss nehmen

Wenn Sie sich letztendlich dafür entscheiden sollten, ein Zwischenzeugnis anzufordern, empfiehlt es sich taktisch vorzugehen.

Vertrauen Sie nicht vollständig auf die Personalabteilung, sondern fassen Sie zumindest Ihre Aufgaben für den Tätigkeitsblock selbst zusammen. Und ergänzen Sie Ihre Angaben durch besondere Erfolge und Leistungen.

Oder formulieren Sie den gesamten Entwurf aus und übermitteln Sie ihn an Ihren wohlwollenden Vorgesetzten, solange Sie ihn noch haben!

 

Leichter zum Ziel

Nutzen Sie unsere bewährten digitalen Zeugnishelfer, um schneller zum "sehr guten" oder "guten" Zwischenzeugnis zu kommen.

 

hilfreich: über 400 Muster für Zwischenzeugnisse (spezielle Berufe, unterschiedliche Aufgaben und Erfolge

 

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Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

foto: © Nick Karvounis on Unsplash.com