Staffing: Wenn das Team den Chef mobbt

Wenn Teammitglieder machen was sie wollen und ihre Vorgesetzte oder ihren Vorgesetzten systematisch ignorieren, drangsalieren, ins Leere oder sogar ins Messer laufen lassen, handelt es sich um Staffing, ein Mobbing der Mannschaft ("staff") von unten nach oben.

Die Aktivitäten, Handlungen und Äußerungen sind beim Staffing meist nicht so offensichtlich wie beim Mobbing. Schließlich wird hier ein Vorgesetzter angegriffen, der ja eigentlich über eine gewisse Macht verfügt und sich theoretisch mit dem Verweis auf seine Führungsrolle und letztendlich auch mit Abmahnungen oder sogar Kündigungen wehren kann.

 




Daran Staffing erkennen: Psychospielchen

Ob Staffing oder Mobbing, häufig sind es ein oder zwei aktive Mitarbeiter, die das Schweigen der Mehrheit ausnutzen und versuchen, die Gruppenstimmung gegen den Vorgesetzten aufzuheizen, beispielsweise

  • durch das Verbreiten von Vorurteilen, die sich auf das Geschlecht, das Alter oder den Migrationshintergrund der Führungskraft beziehen,

  • durch Gerüchte, die ihn oder sie in ein schlechtes Licht rücken,

  • durch Blockadehaltungen und Totschlagsargumente in Meetings,

  • durch abwertende Kommentare in sozialen Medien,

  • durch Sticheleien, die im Zweifelsfall als missglückter Witz deklariert werden,

  • durch ständiges Zuspätkommen bei Arbeitsmeetings oder

  • durch permanentes Nichteinhalten von zugesagten Terminen hinsichtlich unverzichtbarer Arbeitsergebnisse.

 




Gelassen bleiben und ignorieren?

Selbstverständlich ist nicht jede kleine Frotzelei gleich Staffing. Und auch eine im Eifer des Gefechts geäußerte harschere Kritik an den Änderungswünschen einer neuen Führungskraft muss nicht zwingend auf die Goldwaage gelegt werden.

Jedes Statement und jede Reaktion von Mitarbeitern sollte immer im Kontext bewertet werden. Denn nicht jeder flapsige Kommentar, jeder Meinungsunterschied, jede Regelverletzung und jede Unterbrechung im Meeting ist gleich ein planvolles und zielgerichtetes Staffing.

Erfolgen die Störfeuer und Angriffe aber in wiederholten Variationen, dauern über einen längeren Zeitraum hinweg an und werden von den immer gleichen Mitarbeitern ausgeübt, gerät der Vorgesetzte unter Handlungsdruck. Sonst läuft er Gefahr, dauerhaft an Ansehen und Respekt zu verlieren. Und riskiert signifikante Einbußen im Selbstwertgefühl, die zu seelischen und körperlichen Folgeerkrankungen führen können.

 




So auf Staffing konsequent reagieren

Wenn Sie zu der Überzeugung gelangen, dass Sie im Visier von Staffing-Aktivitäten sind, um Sie aus dem Unternehmen rauszuekeln, sollten Sie mit dem oder den betreffenden Mitarbeitern klare Kritikgespräche unter vier Augen führen.

Dabei sollten Sie sehr gut vorbereitet sein, allein mit Verweisen auf Gerüchte, über die Sie von Dritten gehört haben, werden Sie nicht weit kommen. Fixieren Sie im Vorfeld schriftlich,

  • wann Termine trotz fester Zusage nicht eingehalten worden sind,

  • welche Arbeitsanweisungen offen in Frage gestellt worden sind,

  • welche Regeln im Arbeitsablauf permanent nicht eingehalten werden,

  • welche abwertenden oder angriffslustigen Äußerungen in Meetings nicht mehr vom persönlichen Geschmack des Mitarbeiters gedeckt sind oder

  • welche "Witzeleien" Sie als Respektlosigkeit einordnen.

Geben Sie Ihrem Mitarbeiter nach der Schilderung der zu beanstandenden Sachverhalte Gelegenheit zu seiner Sicht der Dinge. Stellen Sie sich aber darauf ein, dass er oder sie versuchen wird, der Kritik mit Ausflüchten, Relativierungen und Abwehrmanövern zu entfliehen.

Daher ist es wichtig, handfeste Fakten zu präsentieren und den Störenfried im Ergebnis darauf festzunageln, dass er sich künftig anders verhält, weil er mit seinen Äußerungen und Handlungen den Teamgeist schwächt und damit den Unternehmensinteressen insgesamt schadet.

 




Als Führungskraft selbstbewusst im Kritikgespräch

In unserer Beratungspraxis coachen wir Führungskräfte sehr intensiv, damit diese in Kritikgesprächen

  • von Anfang an körpersprachlich selbstbewusst auftreten,

  • die Argumente auswählen, die vom Kritisierten nicht widerlegt werden können,

  • den Mitarbeiter zu Wort kommen lassen,

  • ihn aber dennoch immer wieder gezielt ausbremsen,

  • die zwangsläufigen Folgen des kritisierten Verhaltens aufzeigen,

  • ein eindeutiges Gesprächsergebnis vereinbaren

  • und so ihre Führungsrolle deutlich zum Ausdruck bringen.

Dabei hilft es, dass wir als Coaches die Rollen von ganz unterschiedlichen "schwierigen" Mitarbeitercharakteren einnehmen. Dies ermöglicht den von uns gecoachten Führungskräften personen- und situationsangemessener zu reagieren, was dann auch in den Arbeitsalltag übertragen werden kann.

 




Führungskompetenz: Unerwünschtes Verhalten klar benennen

Verdeutlichen auch Sie Ihre Führungskompetenz, indem Sie in Einzelgesprächen deutlich machen, welches Verhalten Sie nicht akzeptieren und welches Sie sich künftig wünschen.

Gerade neue Führungskräfte müssen sich ihre Akzeptanz häufig in den ersten hundert Tagen dadurch erarbeiten, dass sie Grenzen aufzeigen und sich in Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich des Arbeitsklimas, der Arbeitsabläufe und -aufgaben durchsetzen.

 

Gute Führung ist ein nie aufhörender Prozess der Selbstreflexion und der Erweiterung der Kommunikations- und Handlungsmöglichkeiten.

Gerne unterstützen und coachen wir auch Sie professionell, damit Sie als Führungskraft angemessen Stärke zeigen und so mehr Erfolg haben!

 

Selbstreflexion für bessere Führung - Zentrale Fragen für Führungskräfte

Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

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