Konfliktfähigkeit Vorstellungsgespräch: 12 neue Fragen

 

  • Wie lösen Sie Konflikte im Projektteam?

  • Wie erkennen Sie rechtzeitig ausufernde Streitigkeiten in ihrer Abteilung?

  • Was ist an Ihrer Konfliktfähigkeit heute anders als vor fünf Jahren?

  • Auf einer Skala von 1 bis 10, wobei 1 für den niedrigsten und zehn für den höchsten Wert steht, für wie konfliktstark schätzen Sie sich ein?

  • Anschlussfrage: Was könnten Sie tun, damit Ihr Wert noch eine oder gar zwei Stufen besser wird?

 

Diese Auswahl an Fragen aus Vorstellungsgesprächen mit Führungskräften zeigen bereits beispielhaft, dass die persönliche Eigenschaft Konfliktfähigkeit eine zentrale Managementstärke ist.

Wir erläutern Ihnen in diesem Artikel, wie Sie entsprechende Fragen mit konkreten Beispielen aus Ihrem Werdegang in Bewerbungsgesprächen überzeugend beantworten. Weiter erfahren Sie, welche Aufgabenstellungen Sie in der Assessment-Center-Übung "Konfliktgespräch" erwarten.

Und wir geben Ihnen auch Tipps dafür, wie Sie mit ergänzenden Führungsstärken wie Durchsetzungskraft, Überzeugungskraft und Ergebnisorientierung Ihre Fähigkeit, Konflikte produktiv zu lösen, indirekt verdeutlichen werden.

 




Wer führt, löst Konflikte

Als Bewerbungsberater mit über 25 Jahren Erfahrung im Coaching von Führungskräften und Top-Manager/-innen wissen wir, dass deren Berufsalltag zu einem erheblichen Teil daraus besteht, Streitigkeiten aufzulösen, Konfliktparteien zurück zu einer sachorientierten Zusammenarbeit zu bringen, auf tragfähige Kompromisse hinzuarbeiten und dabei selbst möglichst immer die Ruhe zu bewahren.

 

Beispiele für Konflikte

Hier eine Übersicht typischer Konfliktsituationen, die Führungskräfte verschiedener Ebene auflösen sollen.

  • Ein Vertriebsmitarbeiter hält Terminabsprachen nicht ein, die Kunden beschweren sich

  • Ein erfahrener Einkäufer stimmt sich mit den anderen im Team nicht ausreichend ab.

  • Ein Frischluftfanatiker reißt ständig das Fenster auf.

  • Eine fröstelnde Mitarbeiterin dreht in unbeobachteten Momenten regelmäßig die Heizung auf die Höchsttemperatur.

  • Ein Projektmitglied behauptet in Meetings immer wieder, schlecht informiert zu werden.

  • Ein Teamleiter möchte in der wichtigen Schlussphase einer internen Softwareumstellung keine Überstunden leisten.

  • Eine andere Teamleiterin besteht darauf, endlich Abteilungsleiterin zu werden.

  • Ein Vorstandskollege reagiert unter Stress häufig persönlich ausfallend.

  • Eine Abteilungsleiterin beklagt in jedem Gespräch mit dem CEO den fehlenden Zusammenhalt in ihrer Abteilung.

 

Bewerbungen: Positivbeispiele

Mit nicht wenigen Managerinnen und Managern müssen wir daher in Coachings vor Vorstellungsgesprächen mit Headhuntern oder Entscheidungsträgern auf der Firmenseite regelrecht üben, von zu vielen Negativbeispielen auf Positivbeispiele umzuschwenken.

Gerade wenn ein Unternehmen in Insolvenz gegangen ist oder wenn Führungskräfte wegen Umstrukturierungen einen Aufhebungsvertrag angeboten bekommen haben, ist die Stimmung im Unternehmen häufig so belastet, dass die gemeinsam erreichten Erfolge der Vergangenheit völlig untergehen. Aber diese negativ geprägte Grundstimmung ist für Vorstellungsgespräche verständlicherweise äußerst kontraproduktiv.

Denn im persönlichen Gespräch wird nur die Führungskraft Pluspunkte sammeln, die mit ausgewählten Erfolgsbeispielen zeigt, dass sie Konflikte als normalen Bestandteil des Führungsalltags ansieht. Und dass diese Konflikte letztendlich erkannt, analysiert, besprohen und gelöst werden müssen.

 




Konfliktfähigkeit im Vorstellungsgespräch

Die eben beschriebenen Beispiele für Konflikte von Führungskräften haben anschaulich gezeigt, dass es zahlreiche Konfliktbeteiligte und -felder gibt.

 

Konfliktparteien

Grundsätzlich wird von Führungskräften erwartet, dass Sie Konflikte mit

  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern,

  • Betriebsratsmitgliedern,

  • Führungskollegen,

  • Schlüsselkunden,

  • Dienstleistern,

  • Zulieferern,

  • Geschäftspartnern,

  • Finanzbehörden und anderen

  • Verwaltungsbehörden

lösen sollen. Entsprechend können, unter Bezug auf eine untere, mittlere oder Top-Management-Position, spezielle Fragen in Vorstellungsgesprächen und strukturierten Interviews gestellt werden.

 




Fragen zur Konfliktfähigkeit

Analog zu der Vielzahl an Konfliktparteien sollten Sie als Führungskraft in Bewerbungsgesprächen deshalb mit Fragen dieser Art rechnen.

  1. Schildern Sie mir ein Beispiel für einen Konflikt mit einem Mitarbeiter: Worum ging es dabei und wie haben Sie den Streit aufgelöst?

  2. Berichten Sie uns von einer Kraftprobe mit dem Betriebsrat: Wie haben Sie auf einen Kompromiss hingearbeitet?

  3. Wie reagieren Sie, wenn sich wichtige Kunden bei Ihnen über Vertriebsmitarbeiter beschweren?

  4. Haben Sie schon einmal einen Streit unter Führungskollegen geschlichtet: Wie sind Sie dabei vorgegangen?

  5. Wie reagieren Sie, wenn wichtige Zulieferer Sie unter Druck setzen wollen?

  6. Haben Sie Erfahrung im Umgang mit Finanzbehörden? Wie würden Sie vorgehen, wenn ein Mitarbeiter der Finanzbehörde dem Unternehmen ständig Steine in den Weg legt?

  7. Was können Vorgesetzte Ihrer Meinung nach tun, um Streitigkeiten und Auseinandersetzungen im Team frühzeitiger zu erkennen?

 

Lösungen überzeugen

Sie werden mit Ihren Antworten dann überzeugen, wenn Sie sich im Vorfeld von Vorstellungsgesprächen Konflikte in Erinnerung rufen, die Sie als Vorgesetzte oder Vorgesetzter gelöst haben. Hierbei sollte es sich sowohl um die kleinen Probleme des Führungsalltags handeln, beispielsweise Urlaubsregelungen oder Arbeitsraumzuordnungen. Ebenso sollte Sie aber auch Beispiele für schwerwiegendere Konfrontationen und Probleme geben können, die Sie geschickt und taktisch versiert auf die Sachebene zurückgebracht und damit steuerbar gemacht haben.

Damit Sie Anregungen für Ihre Antworten auf diese und weitere Fragen in Job-Interviews mit Führungskräften haben, empfehlen wir Ihnen unsere E-Learnings "Vorstellungsgespräch", die auf  spezielle Berufsfelder ausgerichtet sind. Die Erläuterungen, Gesprächstaktiken und Beispielantworten entstammen direkt aus unserer Coachingpraxis.

Nur bei uns mit taktischen Tipps und speziellen Antworten für unterschiedliche Leitungsfunktionen.

 




Ergänzende Stärken

Als besonders wirksam hat sich für Vorstellungsgespräche mit Führungskräften erwiesen, weitere Manager-Stärken ins Spiel zu bringen. Daher achten wir in unseren Bewerbungscoachings darauf, dass unsere Kunden gezielt ergänzende Stärken im Gespräch betonen.

So ist es bei der Darstellung der Konfliktfähigkeit immer hilfreich, auch auf eine ausgeprägte Durchsetzungsstärke und nützliches analytisches Denken hinzuweisen. Schließlich reicht es heute als Führungskraft kaum noch aus, einfach mit der Faust auf den Tisch zu schlagen und einen Streit als beendet zu erklären.

Geben Sie deshalb Beispiele dafür, wie Sie emotionale Kraftproben durch eine präzise Ursachenanalyse zurück zum sachlichen Kern geführt haben. Beschreiben Sie, wie Sie Verhandlungsangebote taktisch präsentiert haben. Verdeutlichen Sie Ihre Rolle als schlichtender Moderator in Zerwürfnissen. Und verweisen Sie dabei immer auf die eigentlichen Abteilungs-, Bereichs- oder Unternehmensziele, die Sie im Blick behalten haben. Denn das Erreichen dieser Ziele steht schließlich im Vordergrund Ihrer Führungstätigkeit.

 




Konfliktgespräche im Assessment-Center

Wenn Sie als Führungskraft zum Assessment-Center eingeladen werden, müssen Sie mit der AC-Übung "Mitarbeitergespräch" rechnen. Hier geht es darum, den Beobachtern in einem Rollenspiel mit einem fiktiven Mitarbeiter "live" zu zeigen, wie Sie Konflikte analysieren und geschickt und ausdauernd auf die von Ihnen angestrebte Lösung hinarbeiten.

Ihre Führungsstärke wird mithilfe von vorgegebenen Szenarien getestet, bei denen es darum geht, dass in Projekten Budget- oder Terminzusagen plötzlich nicht mehr gelten sollen, Mitarbeiter sich einfach nicht mehr konstruktiv verhalten oder nervige Kleinkriege in vormals leistungsstarken Teams ausbrechen.

Bereiten Sie sich mit unseren 15 Szenarien für Mitarbeitergespräche in Assessment-Centern vor, um Ihre Konfliktstärke praktisch unter Beweis zu stellen. Zeigen Sie, wie Sie Widerstände im Mitarbeitergespräch auflösen, Ablenkungsmanöver durchschauen und geduldig, strukturiert und beharrlich auf ein Ergebnis hinarbeiten.

 




Das bedeutet Konfliktfähigkeit für mich

Sie wissen jetzt, wie Sie Ihre Konfliktfähigkeit in Vorstellungsgesprächen und Assessment-Centern mit passenden Beispielen und Antworten glaubwürdig belegen können. Geht es in Ihrer neuen beruflichen Position schwerpunktmäßig darum, dass Sie gravierende Veränderungen erzielen sollen ("Change-Management"), wird gerade die Ausprägung Ihrer Konfliktstärke im Bewerbungsverfahren eine große Rolle spielen.

Machen Sie deutlich, dass Sie sich aufbauende Spannungen und destruktive Stimmungen frühzeitig wahrnehmen. Arbeiten Sie heraus, dass Sie blockierende Emotionen auflösen und für ein konstruktives Miteinander sorgen können. Und verdeutlichen Sie mit passenden Beispielen, dass Sie wissen, dass das Lösen von Konflikten und das Erreichen von tragfähigen Kompromissen für Sie zum typischen Führungsalltag gehört.

Gerne bereiten wir auch Sie auf Vorstellungsgespräche und Assessment-Center telefonisch oder persönlich vor. Rufen Sie uns an, damit Ihre gesamten Manager-Stärken im Auswahlverfahren klar erkennbar werden. 

 

Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

foto: © Chris Barbalis on Unsplash.com