Fallstudie und Business-Case im Management-Audit

Wann werden Fallstudien und Business-Cases in Management-Audits eingesetzt? Welche Fehler sollten Sie vermeiden? Und wie begründen und erläutern Sie Ihre Analysen und Entscheidungen?

 

Der Umfang reicht von ein- bis zweiseitigen Problemdarstellungen über 30-bis 50-seitige komplex vernetzte Unternehmens- und Marktanalysen. Manchmal bilden Fallstudien und Business-Cases die Grundlage für weitere Übungen, beispielsweise können die Analyseergebnisse Thema für eine Gruppendiskussion, eine Präsentation oder auch ein Mitarbeitergespräch sein.

 



Was leisten Fallstudie und Business-Case im Management-Audit?

Diese Übungen werden in Assessment-Centern und Management-Audits eingesetzt, um das analytische Vermögen, das unternehmerische Denken und die Entscheidungskompetenz der Teilnehmer zu überprüfen:

  • Können Sie die richtigen Schlüsse aus komplexen Unternehmensszenarien ziehen?
  • Gehen Sie wichtige Kerninformationen ein, beispielsweise Mittbewerber, Kernmärkte, Personal, Wachstumschancen?
  • Sind Sie in der Lage, auch in einem knappen Zeitrahmen zu tragfähigen Entscheidungen zu kommen?
  • Können Sie nach der Analyse auch ein schlüssiges Ergebnis festhalten und präsentieren?

 

Je anspruchsvoller die zu besetzende Position ist, desto komplexer werden die Aufgabenstellungen sein. Zum Teil fragen Unternehmen dann auch spezielle Kenntnisse aus dem künftigen Arbeitsfeld ab, beispielsweise überprüfen Sie, ob die Kandidaten Businesspläne erstellen, Marktforschungsdaten auswerten oder Bilanzen interpretieren können.

 



Ergebnisse der Fallstudie nachvollziehbar präsentieren

Bei einer Fallstudie oder einem Business-Case mit schriftlicher Ergebnisfixierung bewerten die Beobachter, ob Sie die richtigen Kernaussagen erkannt, Zusammenhänge berücksichtigt und nachvollziehbare Entscheidungen getroffen haben. In erster Linie kommt es also auf das Ergebnis an. Fallstudien und Business-Cases dieser Art haben den Charakter einer Arbeitsprobe. Die Beobachter erwarten eine schlüssige Entscheidungsvorlage. Daher werden diese AC-Übungen häufig in Einzelassessments für das mittlere bis Top-Management eingesetzt.

Folgt danach eine Ergebnispräsentation, dann berücksichtigen die Be­obachter auch kommunikative Aspekte, insbesondere Ihre Überzeugungskraft und Ihre Fähigkeit, die Zuhörer zu notwendigen, oft auch unangenehmen Veränderungen zu motivieren. Auf eine ansprechende Visualisierung der Ergebnisse wird ebenfalls großer Wert gelegt. Sollte sich an die Präsentation eine Fragerunde anschließen, dann müssen die Teilnehmer beweisen, dass sie argumentationsstark und kritikfähig sind.

 



Typische Fehler in der Übung Fallstudie und Business-Case

Das Zeitmanagement stellt viele Kandidaten bei dieser Übung vor große Probleme. Immer wieder ist zu beobachten, dass sie viel zu viel Zeit mit einer detaillierten Auswertung verbringen, sodass sie am Ende die zu treffende Entscheidung nicht mehr fundiert darlegen können. Ferner sollten sie sich nicht zu schnell auf eine Sichtweise festlegen. Alternativen geraten dann vorschnell aus dem Blickfeld, und die Fakten werden einseitig interpretiert.

Bei der schriftlichen Ergebnisfixierung ist immer wieder zu beobachten, dass Kandidatinnen und Kandidaten auf die gestellten Fragen nur unzureichend eingehen. Wer einfach das Zahlenmaterial wiederholt, ohne daraus Schlüsse zu ziehen, lässt Zweifel an seiner unternehmerischen Kompetenz aufkommen. Bei Präsentationen fällt es den Beobachtern besonders unangenehm auf, wenn Teilnehmer auf einzelne Folien nicht weiter eingehen. Wer keine klare Linie bei seiner Entscheidungsfindung deutlich machen kann, fällt bei den Beobachtern durch.

 



Sinnvolle Lösungsstrategien

Reservieren Sie genug Zeit, um Ihre Ergebnisse festzuhalten. Falls Sie diese im Anschluss vortragen sollen, müssen Sie zusätzlich Zeit einplanen, in der Sie Präsentationsmaterial anfertigen. Gehen Sie bei Ihrer Auswertung immer zuerst auf die Ihnen gestellten Fragen ein. Die Beantwortung dieser Fragen hat Vorrang vor weiteren Detailauswertungen.

Bei komplexen Fallstudien und Business-Cases sollten Sie auch Entscheidungsalternativen beleuchten. Mit einer Chancen-Risiken-Abwägung können Sie dann die von Ihnen bevorzugte Vorgehensweise herausarbeiten. Da sich oft nicht alle Entscheidungen ausschließlich aus dem vorliegenden Material treffen lassen, sollten Kandidaten auch auf ihr Branchen- und Fachwissen zurückgreifen. Lassen Sie Ihr Insiderwissen aufblitzen, indem Sie gezielt auch auf Branchentrends, Best-Practice-Ansätze und Marktgegebenheiten eingehen.

 

Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

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