Kein Arbeitszeugnis für die Bewerbung, und nun?

Bewerbung ohne Zeugnis ✓ Fehlen richtig erklären ✓ Nicht im Anschreiben begründen ✓ Lösungen aus der Praxis ✓

 

- Ihnen fehlt ein Arbeitszeugnis?

- Sie wissen nicht, wie Sie das in der Bewerbung oder in einem Vorstellungsgespräch erklären können?

Dann helfen Ihnen unsere erprobten und bewährten Praxistipps.

 




Bewerben ohne Zeugnis

Wem fehlen Arbeitszeugnisse?

In unserer Beratungspraxis hat sich gezeigt, dass bei etwa jedem zehnten Bewerber einzelne Arbeitszeugnisse fehlen. Dann besteht die Gefahr, dass die Vorgabe in Stellenausschreibungen, dass bitte vollständige Bewerbungsunterlagen eingereicht werden sollen, nicht erfüllt werden kann.

Für gesamte Beschäftigungsdauer kein Arbeitszeugnis

Manche Arbeitnehmer können überhaupt kein Arbeitszeugnis für ein einzelnes Arbeitsverhältnis vorlegen. Es fehlen in diesen Fällen sowohl Zwischzeugnis(se) als auch das abschließende Endzeugnis. Damit gibt es überhaupt keine Dokumentation von Seiten der Firma darüber, welche Aufgaben die oder der Beschäftigte übernommen hat und wie seine Leistungen im Detail und insgesamt (Gesamtnote) eingeschätzt wurden.

Nur Zwischenzeugnis, aber kein Endzeugnis

Gelegentlich sind ein oder zwei Zwischenzeugnisse eines Arbeitgebers vorhanden, aber kein abschließendes Arbeitszeugnis.

Dann bleibt für neue Arbeitgeber im Dunkeln, welche Schwerpunkte das Aufgabenfeld nach Erstellung des Zwischenzeugnisses umfasste. Kam es eventuell zu gravierenden zu Änderungen im Arbeitsbereich?

Weiter offen bleibt, ob die nach der Zwischenbewertung erbrachten Leistungen konstant blieben oder womöglich stark abgefallen sind und es deswegen zur Kündigung kam.

 




Warum fehlen Bewerberinnen und Bewerbern Arbeitszeugnisse?

  1. Ärger: Es gab Ärger am alten Arbeitsplatz und man hat sich im Unfrieden getrennt. Die Firma „vergisst“ dann einfach ein Zeugnis auszustellen. Der Arbeitnehmer hakt nicht nach. Und laut Rechtsprechung ist der Anspruch auf Zeugnisausstellung bereits nach sechs bis zehn Monaten erloschen.

  2. Nachlässigkeit des Arbeitgebers: Der ehemalige – mit den Leistungen durchaus zufriedene - Arbeitgeber hat hoch und heilig versprochen, das Zeugnis per Post zu übermitteln, dies ist aber unterblieben.

  3. Umzug: Der Arbeitnehmer ist mehrmals umgezogen, dabei sind wichtige Unterlagen (Arbeitszeugnisse, Ausbildungszeugnisse, Zertifikate) verloren gegangen.

  4. Fehler des Arbeitnehmers: Der Arbeitnehmer selber hatte versprochen einen eigenen Entwurf für das Zeugnis einzureichen, den die Firma dann übernehmen wollte. In der neuen Stelle hatte er aber so viel zu tun, dass er erst bei der nächsten Bewerbung merkt, dass ihm das Zeugnis jetzt fehlt, weil er vergessen hatte, den Entwurf zu schreiben.

  5. Insolvenz: Der Versuch des Arbeitnehmers, einen Zeugnisentwurf nachzureichen schlägt fehl, weil die alte Firma längst insolvent ist und nicht mehr existent.

  6. Wohlwollender Vorgesetze weg: Der ehemalige wohlwollende Vorgesetzte, der den Entwurf unbesehen unterschreiben wollte, hat mittlerweile gekündigt und ist nicht mehr im Unternehmen.

 

Sollen fehlende Arbeitszeugnisse im Anschreiben erwähnt werden?

Nein, im Anschreiben sollten weder fehlende Zeugnisse erklärt oder schwächere Benotungen erläutert werden.

An dieser Stelle sollten besser Einstellungsargumente für die neue Stelle thematisiert werden.

Sollte es im Lebenslauf angesprochen werden?

Nein, der Zusatz „Arbeitszeugnis liegt nicht vor“ könnte zwar hinter einer beruflichen Station im Lebenslauf eingefügt werden.

Dies würde aber zu ungünstigen Spekulationen über die Gründe dafür führen: Läuft noch ein Verfahren vor dem Arbeitsgericht? Haben sich ehemaliger Arbeitgeber und Arbeitnehmer heillos zerstritten? Hat der ehemalige Arbeitgeber das fehlende Zeugnis rechtswidrig zurückbehalten, weil er verärgert über eine fristlose Kündigung des Arbeitnehmers war?

Also gar nicht in den Bewerbungsunterlagen erwähnen?

Auch ungünstig, weil das Fehlen von Arbeitszeugnissen von Personalverantwortlichen oder künftigen Vorgesetzten, die über die Einstellung entscheiden, dahingehend interpretiert wird, das wohl ein schlechtes Zeugnis nicht beigelegt wurde, also „unterschlagen“ werden sollte.

 




So das Fehlen erklären

Wir empfehlen berufserfahrenen Bewerberinnen und Bewerbern Arbeitszeugnisse rückwärts chronologisch zu präsentieren.

An der Stelle, an der ein Zeugnis fehlt, kann eine Zusatzseite eingefügt werden mit der Firmenbezeichnung, der Positionsbezeichnung und der Beschäftigungsdauer als Überschrift.

Dahinter dann, im Fließtext, eine kurze Begründung. Beispielsweise so:

„Dieses Arbeitszeugnis fehlt, da es mein damaliger Arbeitgeber leider versäumt hat, mir ein Zeugnis auszustellen und meiner Bitte um nachträgliche Ausstellung aufgrund von Änderungen in der Unternehmensorganisation nicht entsprochen werden konnte.“

Oder: „Dieses Arbeitszeugnis fehlt, da ich seinerzeit nicht nur den Job, sondern auch meinen Lebensmittelpunkt durch einen Umzug verändert habe. Ich habe also leider vergessen das Zeugnis anzufordern. Und mein damaliger Arbeitgeber hat auch nicht weiter daran gedacht.“

Eventuell führen Sie ergänzend eine „alte“ Referenz auf: „Für Nachfragen zu meinen damaligen beruflichen Leistungen steht Ihnen Herr Johann Schmidt, mein damaliger Abteilungsleiter, unter der Telefonnumer 089 / 44 55 66 77 zur Verfügung.“

 




Wenn im Vorstellungsgespräch nachgefragt wird

Mit der gleichen Argumentationsstrategie können Sie in Vorstellungsgesprächen vorgehen und herausstellen, dass Sie seinerzeit prinzipiell gute Arbeit geleistet haben, für die nur eine formale Bestätigung fehlt.

Falls vorhanden können Sie auch auf Arbeitzeugnisse aus anderen Beschäftigungsverhältnissen hinweisen. Auf diese Weise können Sie aktiv Bedenken ausräumen, dass man Ihnen kein Arbeitszeugnis ausgestellt hat, weil Sie nur Unterdurchschnittliches geleistet haben.

Abschlusstipp: Wir haben es schon erlebt, dass fehlende Arbeitszeugnisse noch nach sieben Jahren ausgestellt worden sind. Vorausgesetzt, es fand sich ein wohlwollender Ansprechpartner im alten Unternehmen und die Firma existierte noch. Sie können im Idealfall einen eigenen Zeugnisentwurf erstellen und freundlich beim alten Arbeitgeber nachfragen, ob Sie das fehlende Dokument noch nachträglich ausgestellt bekommen können.

 

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Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

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