Kein Arbeitszeugnis: So in Bewerbung erklären!

Bewerbung ohne Zeugnis ✓ Fehlen richtig erklären ✓ Nicht im Anschreiben begründen ✓ Lösungen aus der Praxis ✓

 

Ihnen fehlt ein Arbeitszeugnis?

Sie wissen nicht, wie Sie das in der Bewerbung oder in einem Vorstellungsgespräch erklären können?

Dann helfen Ihnen unsere erprobten und bewährten Praxistipps.

 




Bewerben ohne Zeugnis

Es kommt häufiger vor als gedacht. Eine Bewerberin oder ein Bewerber sieht eine interessante Stellenanzeige, arbeitet daraufhin ein Anschreiben aus und aktualisiert den Lebenslauf. Und stellt dann erschrocken fest, dass nicht alle Zeugnisnachweise vorhanden sind.

 

Wem fehlen Arbeitszeugnisse?

In unserer Beratungspraxis hat sich gezeigt, dass bei etwa jedem zehnten Bewerber einzelne Arbeitszeugnisse fehlen. Dann besteht die Gefahr, dass die Vorgabe in Stellenausschreibungen, dass bitte vollständige Bewerbungsunterlagen eingereicht werden sollen, nicht erfüllt werden kann.

 

Für gesamte Beschäftigungsdauer kein Arbeitszeugnis

Manche Arbeitnehmer können überhaupt kein Arbeitszeugnis für ein einzelnes Arbeitsverhältnis vorlegen. Es fehlen in diesen Fällen sowohl Zwischzeugnis(se) als auch das abschließende Endzeugnis.

Damit gibt es überhaupt keine Dokumentation von Seiten der Firma darüber, welche Aufgaben die oder der Beschäftigte übernommen hat und wie seine Leistungen im Detail und insgesamt (Gesamtnote) eingeschätzt wurden.

 

Nur Zwischenzeugnis, aber kein Endzeugnis

Gelegentlich sind ein oder zwei Zwischenzeugnisse (hier: Formulierungen) eines Arbeitgebers vorhanden, aber kein abschließendes Arbeitszeugnis.

Dann bleibt für neue Arbeitgeber im Dunkeln, welche Schwerpunkte das Aufgabenfeld nach Erstellung des Zwischenzeugnisses umfasste. Kam es eventuell zu gravierenden zu Änderungen im Arbeitsbereich?

Weiter offen bleibt, ob die nach der Zwischenbewertung erbrachten Leistungen konstant blieben oder womöglich stark abgefallen sind und es deswegen zur Kündigung kam.

 




Warum fehlen Arbeitszeugnisse?

Nicht ist vielfältiger als das Leben selbst. In unserer Beratungspraxis haben wir schon von den verschiedensten Gründen gehört, die zu fehlenden Arbeitszeugnissen geführt haben. Hier eine Auswahl.

 

Ärger am Arbeitsplatz

Es gab Ärger am alten Arbeitsplatz und man hat sich im Unfrieden getrennt. Die Firma „vergisst“ dann einfach ein Zeugnis auszustellen. Der Arbeitnehmer hakt nicht nach. Und laut Rechtsprechung kann der Anspruch auf Zeugnisausstellung bereits nach sechs bis zwölf Monaten erlöschen.

 

Nachlässigkeit des Arbeitgebers

Der ehemalige – mit den Leistungen durchaus zufriedene - Arbeitgeber hat hoch und heilig versprochen, das Zeugnis per Post zu übermitteln, dies ist aber unterblieben. Und der Arbeitnehmer hat nicht nachgehakt und nachgefragt.

 

Umzug

Der Arbeitnehmer ist mehrmals umgezogen Dabei sind wichtige Unterlagen (Arbeitszeugnisse, Ausbildungszeugnisse, Zertifikate) verloren gegangen.

 

Keine Zeit

Der Arbeitnehmer selber hatte versprochen einen eigenen Entwurf für das Zeugnis einzureichen, den die Firma dann übernehmen wollte. In der neuen Stelle hatte er aber so viel zu tun, dass er erst bei der nächsten Bewerbung merkt, dass ihm das Zeugnis jetzt fehlt, weil er vergessen hatte, den Entwurf zu schreiben.

 

Insolvenz

Der Versuch des Arbeitnehmers, einen Zeugnisentwurf nachzureichen schlägt fehl, weil die alte Firma längst insolvent ist und nicht mehr existent.

 

Vorgesetzer weg

Der ehemalige wohlwollende Vorgesetzte, der den Entwurf unbesehen unterschreiben wollte, hat mittlerweile gekündigt und ist nicht mehr im Unternehmen.

 




Im Anschreiben entschuldigen: bitte nicht

Eine Frage, die uns Beratungskunden regelmäßig stellen, lautet "Soll ich das fehlende Zeugnis im Anschreiben direkt ansprechen?"

Hiervon raten wir ganz klar ab. Im Anschreiben sollten weder fehlende Zeugnisse erklärt oder schwächere Benotungen erläutert werden. Denn das Anschreiben hat die Funktion, neugierig auf den Lebenslauf zu machen. Entschuldigungen für Fehler oder Missgeschicke machen aber ganz und gar nicht interessant. Im Gegenteil ist es so, dass dann eher der Eindruck entsteht, dass es um die Organisationsfähigkeit des Bewerbers nicht zum Besten bestellt ist.

Daher sollten im stärkenorientierten Anschreiben besser Einstellungsargumente thematisiert werden, die einen klaren Bezug zur Stellenanzeige aufweisen sollten.

 

Im Lebenslauf ansprechen?

Die nächste Möglichkeit wäre eine Erläuterung im Lebenslauf. Der Zusatz „Arbeitszeugnis liegt nicht vor“ könnte zwar hinter der betreffenden beruflichen Station eingefügt werden.

Dies wird aber vermutlich zu ungünstigen Spekulationen über die Gründe dafür führen. Läuft noch ein Verfahren vor dem Arbeitsgericht? Haben sich ehemaliger Arbeitgeber und Arbeitnehmer heillos zerstritten? Hat der ehemalige Arbeitgeber das fehlende Zeugnis rechtswidrig zurückbehalten, weil er verärgert über eine fristlose Kündigung des Arbeitnehmers war?

 

Gar nicht in der Bewerbung erwähnen?

Soll das fehlende Arbeitszeugnis also gar nicht in der Bewerbung angesprochen werden?

Dies halten wir ebenfalls für problematisch. Denn üblicherweise werden Personalmitarbeiter, Headhunter oder künftige Vorgesetzte dann vermuten, das wohl ein schlechtes Zeugnis absichtlich nicht beigelegt wurde. Denn der unzutreffende Eindruck, dass hier Informationen wie "mangelnde Leistungsfähigkeit", "Ärger mit Vorgesetzten" oder "Streit mit Kollegen" unterschlagen werden soll, darf keinesfalls entstehen.

 




Lösung: hier erklären

Wir empfehlen berufserfahrenen Bewerberinnen und Bewerbern Arbeitszeugnisse rückwärts chronologisch zu präsentieren.

An der Stelle, an der ein Zeugnis fehlt, kann eine Zusatzseite eingefügt werden mit der Firmenbezeichnung, der Positionsbezeichnung und der Beschäftigungsdauer als Überschrift.

Dahinter dann, im Fließtext, eine kurze Begründung.

 

Beispiele für Begründungen

„Dieses Arbeitszeugnis fehlt, da es mein damaliger Arbeitgeber leider versäumt hat, mir ein Zeugnis auszustellen und meiner Bitte um nachträgliche Ausstellung aufgrund von Änderungen in der Unternehmensorganisation nicht entsprochen werden konnte.“

Oder: „Dieses Arbeitszeugnis fehlt, da ich seinerzeit nicht nur den Job, sondern auch meinen Lebensmittelpunkt durch einen Umzug verändert habe. Ich habe also leider vergessen das Zeugnis anzufordern. Und mein damaliger Arbeitgeber hat auch nicht weiter daran gedacht.“

Eventuell führen Sie ergänzend eine „alte“ Referenz auf: „Für Nachfragen zu meinen damaligen beruflichen Leistungen steht Ihnen Herr Johann Schmidt, mein damaliger Abteilungsleiter, unter der Telefonnumer 089 / 44 55 66 77 zur Verfügung.“

 




Im Vorstellungsgespräch: Warum kein Zeugnis?

Mit der gleichen Argumentationsstrategie können Sie in Vorstellungsgesprächen (hier: 100 Fragen) vorgehen und herausstellen, dass Sie seinerzeit prinzipiell gute Arbeit geleistet haben, für die nur eine formale Bestätigung fehlt.

Falls vorhanden, können Sie auch auf überzeugende Arbeitzeugnisse aus anderen Beschäftigungsverhältnissen hinweisen. Auf diese Weise können Sie aktiv Bedenken ausräumen, dass man Ihnen kein Arbeitszeugnis ausgestellt hat, weil Sie nur Unterdurchschnittliches geleistet haben.

 

Coaching-Tipp

Wir haben es schon erlebt, dass fehlende Arbeitszeugnisse noch nach sieben Jahren ausgestellt worden sind. Vorausgesetzt, es fand sich ein wohlwollender Ansprechpartner im alten Unternehmen und die Firma existierte noch. Sie können im Idealfall einen eigenen Zeugnisentwurf erstellen und freundlich beim alten Arbeitgeber nachfragen, ob Sie das fehlende Dokument noch nachträglich ausgestellt bekommen können.

 




Künftig besser vorsorgen

Achten Sie darauf, dass Ihnen der Fehler eines fehlenden Zeugnisses nicht noch einmal passiert. Scannen Sie wichtige Unterlagen und stellen Sie sie passgewortgeschützt in einer Cloud ein. Dann haben Sie Ihre Zertifikate analog und digital zur Hand.

 

Mit leichtem Druck

Wenn Sie den Arbeitgeber wechseln und gekündigt haben, empfiehlt es sich immer, das Arbeitszeugnis möglichst schnell zu erhalten. Finden Sie heraus, wer für die Ausarbeitung in Ihrem Unternehmen vorrangig verantwortlich ist. Entweder die Personalabteilung, Ihr direkter Fachvorgesetzter oder die Geschäftsführung.

 

Ihre Vorarbeit

Es ist allgemein bekannt, dass die ungeliebte Zusatzaufgabe "Zeugnis erstellen" gerne "vergessen" wird. Bleiben Sie am Ball, indem Sie zumindest eine Auflistung Ihrer Aufgaben, Tätigkeiten und Zuständigkeitsbereiche per E-Mail an Ihren Ansprechpartner schicken. Idealerweise nennen Sie bei dieser Gelegenheit auch gleich zwei bis drei berufliche Erfolge, die Sie gerne in Ihrer Bewertung erwähnt haben möchten.

Oder Sie arbeiten sofort einen vollständigen Entwurf aus. Die Praxis bestätigt hier immer wieder, dass diese Entwürfe von Personalabteilungen und Vorgesetzten gerne übernommen werden.

 

Gute Vorsorge hilft

Nutzen Sie unsere Muster für Arbeitszeugnisse aus dem Downloadbereich. Damit kommen Sie schnell und effektiv zum "guten" oder "sehr guten" Arbeitszeugnis.

inspirierend: 4 x Führungskräfte - 100 Aufgaben, 100 Erfolge

hilfreich: 4 x Fachkräfte - 100 Aufgaben, 100 Erfolge

nützlich: 4 x Arbeitszeugnis gewerbliche Mitarbeiter Technik

aktiv: 4 x Arbeitszeugnis kaufmännische Mitarbeiter

ergänzend: 1.300 Formulierungen in Notenstufen

alle auch als: Zwischenzeugnis

 

Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

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