Vorstellungsgespräch Kündigung verschweigen

Kündigung taktisch erklären ✓ Wie offen kommunizieren? ✓ Vertrauen nicht zerstören ✓ Anruf beim alten Chef ✓ 

 

- Müssen Sie dem neuen Arbeitgeber eine Kündigung im Vorstellungsgespräch von sich aus nennen?

- Dürfen Sie sie verschweigen?

- Oder sogar unwahre dazu Angaben machen?

Zunächst gilt es, das Verschweigen einer Kündigung von einer unwahren Antwort (Lüge) auf die Frage „Hat man Ihnen gekündigt?“ zu unterscheiden.

 



Kündigung: Verschweigen, Notlüge, Lüge

Verwschweigen: Die erste Variante ist unproblematisch, denn weder im Strafprozeß noch im Einstellungsverfahren gibt es rechtliche Vorgaben sich selbst „zu belasten.“ Grundsätzlich ist das Verschweigen einer Kündigung unter rechtlichen Gesichtspunkten also erlaubt.

Gleiches gilt auch für eine Freistellung im Rahmen eines Aufhebungsvertrages. Es gibt keine rechtliche Pflicht für Bewerber, diese im Anschreiben (hier: Muster als PDF-Download) oder im Vorstellungsgespräch aktiv zu kommunizieren.

 



Kündigung: Unwahrheit im Vorstellungsgespräch

Direkt gefragt: Ganz anders sieht die Sache aus, wenn ein Bewerber bewusst die Unwahrheit sagen, also die Nachfrage, ob der Arbeitgeber gekündigt hat, fälschlicherweise mit einem Nein beantwortet.

Ob ein auf dieser fehlerhaften Informationsbasis abgeschlossener Arbeitsvertrag im Nachhinein dann von Anfang an ungültig wäre oder vom Arbeitgeber angefochten werden könnte, müssen im Zweifelsfall Juristen klären.

Keine Basis mehr: Problematisch ist in jedem Fall, dass das Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber nach dem Herauskommen einer derart gravierenden Falschangabe empfindlich gestört wäre, was sich im Arbeitsalltag definitiv negativ auswirken würde.

Weiter gilt es zu bedenken, dass in der Probezeit keine Gründe angegeben werden müssen, wenn das Arbeitsverhältnis aufgelöst werden soll. Kommt die Lüge über die Kündigung in dieser Zeit heraus, muss der Arbeitnehmer schneller als ihm lieb ist mit der nächsten Kündigung rechnen, weil sich der neue Arbeitgeber vermutlich hintergangen und ausgenutzt fühlen wird.

Anruf genügt oft: Die erneute Kündigung wird in den dann ungewollt notwendigen Vorstellungsgesprächen bei anderen Arbeitgebern kaum sachlich erklärt werden können. Im Gegenteil, die Bewerbungspraxis ist vielmehr so, dass neue Arbeitgeber durchaus bei alten Arbeitgebern anrufen, um Erkundigungen einzuholen.

Wird in einem derartigen Telefonat eine bewusste Lüge des Arbeitnehmers thematisiert, reduzieren sich die Einstellungschancen auf Null.

Schriftliche Unwahrheit: Außerdem ist immer damit zu rechnen, dass frühere Beschäftigungszeiten in Personalerfassungsbögen angegeben werden müssen. Manchmal im Vorfeld von Bewerbungsgesprächen und manchmal danach, wenn Bewerber in die engere Auswahl gekommen sind.

Dann müsste einer ersten mündliche „Notlüge“ eine zweite schriftliche Lüge folgen, damit die Aussagen des Bewerbers stimmig bleiben, was höchst problematisch ist.

 



Im Vorstellungsgespräch Kündigung taktisch erklären

Coachingpraxis: Unserer Erfahrung nach sollten rechtliche Gesichtspunkte zwar bedacht werden, wesentlicher finden wir aber einen konstruktiven Umgang mit Kündigungen und anderen Konflikten am früheren Arbeitsplatz. Damit meinen wir, dass es günstiger ist, in Vorstellungsgesprächen den Blick nach vorne zu richten.

Eine Kündigung, eine Freistellung oder ein Aufhebungsvertrag sollten zwar im Anschreiben oder Lebenslauf nicht erwähnt werden, damit sich das Interesse des neuen Arbeitgebers zunächst auf das berufliche Profil der Bewerberin oder des Bewerbers richtet.

Im Gespräch erklären: Im eigentlichen Vorstellungsgespräch, und auch im häufig vorher stattfindenden Telefoninterview, sollte die Kündigung dann nur knapp erläutert werden, um zügig auf die persönlichen Stärken des Bewerbers, seine Branchen- und Fachkenntnisse und insbesondere auch seine nachweisbaren Leistungen und Erfolge zu sprechen zu kommen.

 



Brüche, Kündigungen, ungeplante Wechsel

Beratung hilft: Dass diese Herausforderung nicht immer leicht zu meistern ist, wissen wir aus unseren intensiven persönlichen Bewerbungscoachings. Es ist für uns gängiger Beratungsalltag, Bewerberinnen und Bewerber hilfreich mit passenden Formulierungen zur Seite zu stehen, wenn es darum geht auf Fragen nach dem Kündigungsgrund plausible und schlüssige Antworten zu finden.

Intensive Detailarbeit: Dieser Teil der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche, zweite Vorstellungsgespräche und Management-Audits ist zwar sehr anstrengend, sowohl für unsere Beratungskunden als auch für uns. Hilft aber letztendlich dabei, neue berufliche Ziele nicht nur anzustreben, sondern auch zu erreichen.

Welche Strategien und Formulierungen nützlich sind, erläutern wir Ihnen detailliert im Artikel Bewerbung und Kündigung.

 

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Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

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