Warum haben Sie sich bei uns beworben? 9 gute Antworten vom Coach

Von Püttjer - Schnierda

 

Achtung: Negativbeispiele

  • "Ich wohne in der Nähe, das ist ganz praktisch für mich.",

  • "Die Stellenanzeige klang wie für mich formuliert, das passt schon.",

  • "Die Bezahlung hier soll ja super sein, ich habe gehört, dass es sogar Weihnachtsgeld gibt, stimmt das?"

 

sollte Ihre Antwort keinesfalls lauten, wenn Sie im Vorstellungsgespräch gefragt werden:

  • "Warum bewerben Sie sich ausgerechnet bei uns?" oder

  • "Warum wollen Sie diese Stelle?" oder

  • "Warum interessiert Sie die Position eigentlich wirklich?"

 

Aber wie können Sie eine bessere Antwort auf diese klassische Frage in Bewerbungs- und Vorstellungsgesprächen (hier: 100 Fragen) formulieren?

Welche taktischen Überlegungen bringen Sie dem gewünschten neuen Arbeitsvertrag deutlich näher?

Und wie überzeugen Sie Ihre Gesprächspartner auf der Firmenseite wirklich?

 

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Bewerbung: Warum diese Stelle?

Grundsätzlich gilt, dass Sie sowohl bei dieser Frage als auch bei allen anderen Fragen in Vorstellungsgesprächen oder Telefoninterviews einen großen Gestaltungsspielraum haben, den Sie zu Ihrem Vorteil aktiv nutzen können – und auch sollten.

Nutzen Sie Erfahrungen aus unserer über 25-jährigen Coachingpraxis und verwenden Sie unsere "Fünf Punkte"-Formel.

Dann können Sie jederzeit flüssig auf diese, aber auch auf ähnliche Fragen mit nachvollziehbaren und glaubwürdigen Argumenten reagieren.

 




Taktik: Fünf Ansatzpunkte

Wenn Sie die schwierige Frage „Warum haben Sie sich für diese Stelle beworben?“ ganz in Ruhe auf sich wirken lassen, werden Sie feststellen, dass hier zwar eigentlich nicht

  1. nach dem Unternehmen,

  2. nach Ihren persönlichen Stärken,

  3. nach Ihren beruflichen Vorlieben,

  4. nach Ihrer Branchenerfahrung,

  5. oder nach Ihrem momentanen Arbeitgeber.

gefragt wird.

 

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Schließlich lautet die Frage ja gerade nicht

  1. Was interessiert Sie an unserem Unternehmen?,

  2. Wo sehen Sie Ihre persönlichen Stärken?,

  3. Wo liegen Ihre berufliche Vorlieben?,

  4. Wie umfangreich ist Ihre Branchenerfahrung? oder

  5. Was mögen Sie an Ihrem momentanen Arbeitgeber?

 

Freie Auswahl

Aber obwohl die eigentliche Frage lautet "Warum haben Sie sich für diese Stelle beworben?" ermöglichen Ihnen die eben aufgezählten fünf Anknüpfungspunkte, sehr flexibel zu antworten.

 

1. Top-Arbeitgeber

Statt direkt auf die Anforderungen der neuen Stelle einzugehen, könnten Sie zunächst betonen, dass Sie das Unternehmen schon lange als attraktiven Arbeitgeber kennen.

  1. "Ich habe mich beworben, weil ich von dem guten Branchenruf des Unternehmens wirklich begeistert bin. Dann habe ich die Stellenausschreibung gesehen und wollte unbedingt meine Chance nutzen und meine Stärken und Erfahrungen vorstellen."

  2. "Ein wesentlicher Grund sind Ihre innovativen Produkte. Ich möchte nicht in irgendeiner Firma mitarbeiten, sondern ..."

  3. "Die Möglichkeit, in einem Unternehmen mit ausgeprägter Kunden- und Serviceorientierung zu arbeiten, hat mich sehr angesprochen, deshalb ..."

 

2. Meine Stärken

Oder Sie verweisen jetzt auf Ihre persönlichen Stärken.

Liefern Sie konkrete Beispiele dafür, wie Sie sie erfolgreich im beruflichen Alltag einsetzen. Machen Sie anhand von konkreten Beispielen deutlich, auf welche Weise der neue Arbeitgeber von Ihrer

  1. Begeisterungsfähigkeit,

  2. schnellen Auffassungsgabe,

  3. Kreativität,

  4. Eigenmotivation,

  5. Lernbereitschaft,

  6. Lösungsorientierung,

  7. Agilität,

  8. Flexibilität oder

  9. Kundenorientierung.

profitieren wird. Idealerweise beziehen Sie sich mit Ihrer Antwort auf geforderte persönliche Eigenschaften aus der Stellenanzeige.

 

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3. Kann ich schon

Weiter können Sie in Ihrer Antwort auf Ihre beruflichen Vorlieben eingehen, beispielsweise auf die Aufgaben, die Sie schon immer gerne erledigt haben. Hier geht es weniger um persönliche Fähigkeiten, sondern um ganz konkrete berufliche Aufgaben. Dass diese Aufgaben und Tätigkeiten eine starke Nähe zur Stellenausschreibung haben sollten, versteht sich von selbst.

 

4. Branchenprofi

Ebenso können Sie auf Ihre langjährige Branchenerfahrung verweisen und begründen, in welcher Weise die Firma davon profitieren wird. Diesen Ansatzpunkte können insbesondere die Bewerberinnen und Bewerber verfolgen, die über mehrere Jahre in der gleichen Branche tätig waren.

 

5. Konstruktiver Teamplayer

Und zu guter Letzt können Sie wahlweise auch Ihren momentanen Arbeitgeber ins Gespräch bringen.

Diese Taktik bietet sich unter anderem dann an, wenn Stellen abgebaut werden. Bewerber, denen betrieblich gekündigt worden ist, können in einem derartigen Fall Beispiele dafür geben, was ihnen beim derzeitigen Arbeitgeber gut gefallen hat.

Beispielsweise das nette Team, die sich unterstützenden Kollegen, der gute Informationsaustausch zwischen den Abteilungen oder das gemeinsame Erreichen von Zielen. Betonen Sie, dass Sie sich sicher sind, künftig auch beim neuen Arbeitgeber ebenso produktiv und kollegial zu arbeiten.

 




Immer: Drei Gründe für die Stelle

Es ist sehr hilfreich, wenn Sie in Ihrer Antwort ganz direkt von den Anforderungen der neuen Stelle her argumentieren. Hierbei sollten Sie nicht nur eine einzelne Anforderung oder Arbeitsaufgaben nennen. Integrieren Sie in Ihre Antwort mindestes drei Gründe, die aus Ihrer Sicht für Sie sprechen.

Dies gelingt Ihnen, indem Sie wesentliche Schlagworte und Schlüsselbegriffe aus der Stellenausschreibung aufgreifen und in Ihre Antworten und Ihre Selbstpräsentation im Vorstellungsgespräch integrieren.

 

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  1. strukturiertes Job-Interview

  2. kompetenzbasiertes Interview

  3. Vorstellungsgespräch Führungskraft

  4. Selbstpräsentation

  5. eigene Fragen an neue Arbeitgeber

  6. Assessment-Center

  7. Executive-Assessment

 

Passgenaue Bewerber

Geben Sie konkrete und glaubwürdige Beispiele dafür, wann und wo Sie bereits mit den in der Stellenanzeige formulierten Anforderungen zu tun hatten.

Verdeutlichen Sie idealerweise, dass Sie die Anforderungen des neuen Arbeitgebers bereits am momentanen Arbeitsplatz erfüllt haben. Denn am meisten überzeugen die Bewerberinnen und Bewerber in Vorstellungsgesprächen, die verdeutlichen, dass die neue Stelle prinzipiell eine konsequente Fortsetzung der Erledigung bereits bekannter Aufgaben ist.

 

Antwort Leiter Logistik

„Zunächst habe ich mich mit der Stellenausschreibung beschäftigt und bin der Meinung, dass die aufgeführten Verantwortungsbereiche und Aufgabenfelder sehr gut zu meinen beruflichen Stärken und zu meinen Erfahrungen passen. Denn insgesamt verfüge ich über zwölf Jahre Berufserfahrung, davon fünf Jahre als Logistikmitarbeiter und sieben Jahre als Supply Chain Manager.

Meine Erfahrungen im Bereich Logistik reichen von der Erstellung der Mengen- und Produktionsplanung über die Kennzahlenerfassung bis zum effektiven Einsatz von Logistik-Tools. Da ich, wie von Ihnen gewünscht, auch schon viele Sonderaktionen für Handelsketten betreut habe, weiß ich, wie große Mengen in kurzer Zeit und qualitativ ansprechend zum Kunden gebracht werden können.“

 

 

Antwort Fachkraft

Sowohl die Anforderungen aus der Stellenanzeige als auch das Wachstumsumfeld des Unternehmens haben mich dazu gebracht, mich auf jeden Fall bei Ihnen zu bewerben. Ich beherrsche das Tagesgeschäft entlang der unternehmensinternen Prozessabläufe, also beispielsweise die juristische Beratung der Führungskräfte und Fachkräfte bei der Angebotserstellung.

Zudem habe ich mit meinem Chef projektbezogen an der kontinuierlichen Verbesserung der Abläufe und der Weiterentwicklung des Compliance-Management-Systems gearbeitet."

 

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Gut vorbereitet

Die hier aufgeführten Beispielantworten stammen aus unseren E-Learnings-Vorstellungsgespräch.

Dort stellen wir zahlreiche Fragen aus Vorstellungsgesprächen und dazu passende Antworten mit Bezug auf spezielle Berufsfelder vor.

Bereiten Sie sich strukturiert und effektiv auf Ihre Bewerbungsgespräch vor.

     




    Fehler: Frage wiederholen

    Als "echte" Karriere- und Bewerbungsberater schlagen wir häufiger einmal die Hände über dem Kopf zusammen, wenn wir die Tipps von "selbsternannten Experten" im Internet lesen, die ungeprüfte Halbwahrheiten empfehlen.

     

    Falsche Tipps

    So wird Bewerberinnen und Bewerbern häufig empfohlen, eine Frage im Vorstellungsgespräch einfach vollständig zu wiederholen, um Zeit zu schinden.

    Dies wirkt aber eher unbeholfen und hinterlässt bei Personalmitarbeitern oder künftigen Fachvorgesetzten erfahrungsgemäß einen schlechten Eindruck.

     

    Ideenlos

    Eine empfohlene erste Reaktion wie „Ja, das ist eine gute Frage, warum habe ich mich eigentlich für die Stelle beworben? Augenblick, also...“, wirkt ausweichend, kraft- und ideenlos.

    Viel sinnvoller ist es, einen wirklichen Bezug zur gestellten Frage herzustellen. Dies gelingt Ihnen, in dem Sie Formulierungen der folgenden Art verwenden.

     




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    1. „Ich habe mich gründlich mit den Stellenanforderungen beschäftigt und insbesondere die dort gewünschten Erfahrungen in … und … nutze ich schon seit mehr als vier Jahren in meiner momentane Aufgabe als …“

    2. „Ich suche schon länger eine Stelle, in der genau diese Kenntnisse und Erfahrungen gefragt sind, weil …“

    3. „Mich hat sehr begeistert, dass Sie mit der Stellenausschreibung ausdrücklich einen Mitarbeiter mit Erfahrungen in …, … und … suchen, denn …“

    4. „Im Grunde genommen habe ich mich in der Stellenbeschreibung wiedergefunden, weil ich an meinem Arbeitsplatz schon seit Jahren für … und … zuständig bin und sicherstelle, dass … und … täglich erfüllt werden.“

       

      Coachingtipp: Geben Sie Ihrer Antwort mehr Schlagkraft! Verwenden Sie aktive Verben wie "eingesetzt", "eingeführt", "genutzt", "bearbeitet", "erledigt" oder "gelöst".

       




      Wirklich wichtig: Diese zentralen Fragen

      Mit welchen Fragen müssen Sie in Vorstellungsgesprächen wirklich rechnen?

      Es gibt sehr exotische und seltene Fragen und es gibt die Fragen, die tatsächlich sehr oft und immer wieder gestellt werden.

      Grundsätzlich halten wir es aus unserer über 25-jährigen Erfahrung als Bewerbungsberater für sinnvoll und hilfreich, wenn Sie Ihre Antworten auf die Fragen vorbereiten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit gestellt werden.

      Dazu gehört auch die hier im Fokus stehende Frage "Warum haben Sie sich gerade bei uns beworben?"

      Und diese weiteren Fragen:

       

      1. Was ist Ihr Beitrag zum künftigen Unternehmenserfolg?

      2. Erzählen Sie etwas über sich!

      3. Warum wollen Sie unbedingt bei uns arbeiten?

      4. Warum haben Sie sich für gerade diesen Beruf entschieden?

      5. Warum sollten wir Sie gerade Sie einstellen?

      6. Wo sehen Sie Ihre Stärken?

      7. Und wo Ihre Schwächen?

      8. Was war Ihr größter Misserfolg?

      9. Was unterscheidet Sie von anderen Bewerberinnen und Bewerbern?

      10. Warum wollen Sie Führungskraft werden?

      11. Welche Stärken und Kompetenzen zeichnen Sie als Führungskraft aus?

       

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      Verdeutlichen Sie mit Ihren Antworten, dass Sie eine organisationsstarke Kollegin, ein belastbarer Kollege, eine motivierende Projektleiterin oder eine kostenbewusst und strategisch denkende Führungskraft sind.

      Heben Sie in Ihren Antworten idealerweise die Stärken, Kompetenzen und Eigenschaften hervor, die in der Stellenausschreibung ausdrücklich betont werden.

      Auf diese Weise stellen Sie eine hohe Übereinstimmung zwischen dem Anforderungsprofil der Stelle und Ihrem Bewerberprofil sicher.

       

       




      Strategie: Ihr Werdegang führt zur Stelle

      Unsere taktischen Hinweise zu einer sinnvollen Beantwortung der Frage „Warum haben Sie sich für gerade diese Stelle beworben?“, haben Ihnen verdeutlicht, dass Sie mit Ihrer Antwort zwar ausdrücklich auf die Anforderungen der neuen Stelle Bezug nehmen sollten. Allerdings dürfen Sie den Bogen dann weiterspannen und viele zusätzliche Argumente bringen.

       

      Worte mit Wirkung

      Damit Sie für Ihre Vorstellungsgespräch bestens vorbereitet sind, haben wir über hilfreiche E-Learnings-Vorstellungsgespräch ausgearbeitet. Jedes einzelne E-Learning bezieht sich auf ganz unterschiedliche Berufsfelder. Dies hat den Vorteil für Sie, dass die Beispiele und Formulierungen passgenau und damit für Sie konkret nützlich sind.

       

      Online-Training

      Machen Sie sich mit unseren digitalen Bewerbungshelfern mit 50 typischen Fragen, Hintergründen, überzeugenden Antwortstrategien und anregenden Formulierungen vertraut.

       

      Sie erfahren, wie Sie Fragen

      • zu Ihrem beruflichen Werdegang (Selbstpräsentation),

      • zu Ihren Schwächen und Stärken,

      • zu Ihrer Belastbarkeit, Teamfähigkeit und Eigenmotivation,

      • zu Ihrem Wechselgrund,

      • zu Ihrem Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten

      • und zu Ihrem Gehaltswunsch

      überzeugend und glaubwürdig beantworten.

       

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      Selbstverständlich sollen Sie unsere Beispielantworten nicht einfach auswendig lernen.

      Aber natürlich ist es wesentlich leichter, im Bewerbungsgespräch die richtigen Worte zu finden, wenn Sie wissen, worauf die gestellten Fragen abzielen – und wie Sie mit Ihren Formulierungen und Antworten überzeugen.

      Für Ihre Vorstellungsgespräche wünschen wir Ihnen viel Erfolg!

      Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

      foto: © elnariz / fotolia.com