Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben? – Beispiele, Antworten, Strategie

 

  • Holen Sie vor jeder anstehenden Entscheidung die Meinung aller Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein?

  • Halten Sie immer das Ruder fest in der Hand und ignorieren auch in Krisensituationen den Rat von Dritten?

  • Überlassen Sie es grundsätzlich Ihren Mitarbeitern der jeweiligen Hierarchieebene alles selbst zu entscheiden?

 

Erfahrene Führungskräfte werden anhand der hier aufgeführten Fragen schnell einwenden, dass derart pauschale Aussagen nicht möglich sind, weil die Situationen, in denen entschieden werden muss, doch von ganz unterschiedlicher Tragweite für das davon betroffene Unternehmen sind.

 

Und dieser Einwand ist auch berechtigt, denn überspitzt gesagt muss sicherlich nicht die Top-Managementebene über den Einkauf von Toilettenpapier oder Kugelschreibern entscheiden.

Genauso wenig werden CEO, CFO oder CIO darauf vertrauen, dass Entscheidungen zur weiteren Unternehmensstrategie, zu anstehenden Investitionsentscheidungen oder auch zum unerfreulichen Personalabbau delegiert werden sollten.

Daher bietet es sich durchaus an, Managerinnen und Manager in Vorstellungsgesprächen oder Assessment-Centern zu fragen: "Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?"

 




Führungsmodelle: bitte keine alten

Grundsätzlich ist es hilfreich, sich einmal mit den Klassikern der Führungsstile zu beschäftigen, die beispielsweise von dem Psychologen Kurt Lewin charakterisiert wurden. Allerdings sollten diese früheren Führungsmodelle lediglich als Basis für weiterentwickelte und zeitgemäße Führungskonzepte herangezogen werden.

Kurt Lewin unterschied

  • den autoritären Führungsstil,

  • den Laissez Fair Führungsstil und

  • den demokratischen Führungsstil.

    Autoritärer Führungsstil

    Der autoritäre beziehungsweise hierarchische Führungsstil ist dadurch gekennzeichnet, dass Vorgesetzte ohne Absprache mit den Mitarbeitern Entscheidungen treffen. Die Mitarbeiter werden im Vorfeld weder um Rat noch um ihre eigenen Meinungen oder spezielle Erfahrungen gebeten. Machen die Mitarbeiter Fehler, wird darauf mit Sanktionen und Strafen reagiert.

    Laissez Fair Führungsstil

    Im Gegensatz dazu räumt der Laissez Fair Führungsstil den Mitarbeitern vollständige Gestaltungsfreiheit ein. Aufgaben und Verantwortung werden eigenständig ausgesucht. Rückfragen an Vorgesetzte erfolgen kaum, dafür gibt es aber auch keine Hilfestellung in schwierigen Situationen. Weiter kennzeichnend ist hier, dass auf Sanktionen bei falschen Entscheidungen verzichtet wird.

    Demokratischer Führungsstil

    Der demokratische oder auch kooperative Führungsstil ist durch einen offenen Informationsaustausch zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern gekennzeichnet. Genauso wie Mitarbeiter ihre Erfahrungen "nach oben" einbringen, leisten Vorgesetzte bei Bedarf Unterstützung "nach unten".

    Das Risiko Fehlentscheidungen zu treffen wird so vermindert. Kommt es doch zu Fehlern, werden diese offen und empathisch besprochen. Bei Konflikten wird darauf geachtet, dass diese konstruktiv gelöst werden.

    Positive Leistungen werden ausdrücklich gewürdigt, was dazu führt, dass die Motivation und Verbundenheit der Mitarbeiter mit dem Unternehmen gesteigert wird.

     




    Situative Führung: verschiedene Einflussfaktoren

    In Vorstellungsgesprächen werden Führungskräfte mit einem Verweis auf die Theorien von Kurt Lewin allerdings kaum noch überzeugen. Schließlich ist längst allgemein anerkannt, dass es nicht den einen Führungsstil für alle Situationen gibt. Dementsprechend wird heute gerne vom ideal der "situativen Führung" gesprochen.

    Hinzu kommt noch, dass in agilen Unternehmen zusätzlich Leadership eingefordert wird.

    Der individuell bevorzugte situative Führungsstil muss daher gerade in Vorstellungsgesprächen näher beschrieben werden, damit die Vorstellungen, Ideale, Erfahrungen und Werte der befragten Führungskraft deutlich, nachvollziehbar und glaubwürdig werden.

    Aus unserer Coachingpraxis wissen wir weiter, dass es einen großen Unterschied macht, ob eine junge, eine etwas erfahrene oder eine sehr erfahrene Führungskraft ihren Führungsstil beschreibt.

    Insbesondere erfahrene Führungskräfte sollten immer auch Beispiele dafür geben können, wie sich Ihr Führungsverhalten in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und ausdifferenziert hat.

    Dies ist beispielsweise bei der "Führung von Führungskräften" oder auch bei der parallelen Steuerung von Projektmanagerinnen und Projektmanagern wichtig. Die Führungsstärke der Top-Entscheider Zielgruppe sorgt im Idealfall für deutlich mehr Wirkung im Unternehmen und nach außen.

    Angehende Führungskräfte sollten dagegen auf Situationen verweisen können, in denen sie ihre Tatkraft, ihre Planungsstärke, ihre Zielorientierung und ihr strategisches Denken bereits eingesetzt haben. Beispielsweise in Arbeitsgruppen im Studium, bei der Organisation von Veranstaltungen oder bei der Unterstützung von Entscheidern (Vorgesetzte in Aushilfsjobs, Dozenten, Professoren).

     




    Ihre Führungsstärke: von der neuen Stelle her argumentieren

    Wenn es nun konkret daran geht, ihren Führungsstil anhand passender und glaubwürdiger Beispiele zu belegen, sollten Sie sinnvollerweise die jeweilige Stellenausschreibung zur Hand nehmen und überlegen, welche Faktoren Sie im Vorstellungsgespräch hervorheben möchten, um prägende Elemente Ihres Führungsstils in den Vordergrund zu rücken.

    Zu berücksichtigen wären unter anderem

    • die spezielle Unternehmenskultur,

    • die aktuelle Unternehmenssituation,

    • die Stellung im Vergleich zu Mitbewerbern,

    • die verfügbaren finanziellen Ressourcen,

    • der zeitliche Rahmen von Entscheidungen,

    • die Komplexität von Führungsentscheidungen (alltägliche oder strategische Entscheidungen),

    • die eigene Stellung in der Firmenhierarchie,

    • die hierarchische Stellung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

    • der fachliche Hintergrund der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

    • die Zusammenarbeit mit externen Spezialisten und Dienstleistern,

    • die Wünsche und Anforderungen von (Schlüssel-)Kunden,

    • die Agilität der Prozesse und Strukturen.

     




    Beispiele und Formulierungen

     

    Beispielantwort Führungsstil CEO

    Wird im Rahmen einer CEO-Bewerbung beispielsweise gewünscht, dass der künftige Stelleninhaber ein "innovatives, wachstumsstarkes und gesundes Unternehmen" erfolgreich führen soll, könnte die Antwort auf die Frage nach dem Führungsstil so lauten:

    "Ich verstehe die Aufgabe so, dass das Unternehmen erfolgreich in bewährten Strukturen weitergeführt werden soll. Daher bin ich mir sicher, dass mein strukturiert hinterfragender und vom Markt her denkender Führungsstil hier dabei hilft, den bisherigen Erfolg fortzusetzen und für weiteres Wachstum zu sorgen.

    Auch in meiner momentanen Position habe ich in der Zusammenarbeit mit den Abteilungsleiterinnen und –leitern immer Wert darauf gelegt, dass  …(konkretes Führungsbeispiel 1 )…".

     

    Beispielantwort Führungsstil Marketingmanagerin

    Und wird eine Marketingleiterin gesucht, die sich für eine Stelle in einem "modernen und wachsenden Unternehmen" interessiert, das "für Mitarbeiterorientierung und langfristige Geschäftsentwicklung mit Augenmaß" steht, könnte sie ihr Führungsverständnis taktisch geschickt so ausdrücken.

    "Meinen Führungsstil sehe ich so, dass es mir immer wieder gelingt, in kurzer Zeit Vertrauen aufzubauen. Ich suche aktiv das Gespräch zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in meiner Abteilung, aber auch darüber hinaus.

    Mein offenes Ohr, meine Fähigkeit, die Kompetenzen und Erfahrungen Dritter zu erfassen, und meine Stärke, konsequent auf Lösungen hinzuarbeiten, sind ein gewachsener Bestandteil meiner Führungskompetenz.

    Auch in meiner jetzigen Stelle habe ich in der Zusammenarbeit mit meinem Team immer wieder damit Erfolg gehabt, dass ich …(konkretes Führungsbeispiel 1 )…".

     




    So Führungspotential taktisch verdeutlichen

    Fazit: Es lohnt sich durchaus den eigenen Führungsstil von Zeit zu Zeit zu reflektieren und sich die positiven Aspekte vor Augen zu führen, die für die individuelle Führungskompetenz charakteristisch sind.

    In Vorstellungsgesprächen sollten Managerinnen und Manager auf jeden Fall erkennen lassen, dass der eigene Führungsstil im Lauf der Jahre immer ausdifferenzierter und damit situativer ausgebaut wurde.

    Um Personalmitarbeiter, Headhunter, künftige Vorgesetzte und Entscheider auf Vorstandsebene zu überzeugen, sollten im Vorfeld von Bewerbungen mindestens drei, aber besser fünf Führungssituationen ins Gedächtnis gerufen werden, die das individuelle Führungsverständnis konkret veranschaulichen.

    Taktisch hilfreich ist weiter, bei der Ausformulierung der Antworten immer die künftige Stelle und die spezielle Unternehmenskultur des suchenden Unternehmens im Hinterkopf zu behalten.

     




    Führungsstil durch Selbstreflexion entwickeln

    Dieser Artikel gehört zu einer Serie von Fragen, die Sie dabei unterstützen, Ihr Führungsverhalten, Ihre Führungsqualität und Ihre Selbstwahrnehmung zu verbessern.

    Selbstreflexion für bessere Führung - Zentrale Fragen für Führungskräfte

    Für Ihre Vorstellungsgespräche und für die richtige Entscheidung in Sachen Wechsel des Arbeitgebers wünschen wir Ihnen viel Erfolg!

    Und stehen Ihnen bei Bedarf gerne als professionelle Sparringspartner zur Vorbereitung zur Verfügung.

    Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

    foto: © Rawpixel on Unsplash.com