Nein sagen im Job - selbstbewusster auftreten

von Christian Püttjer & Uwe Schnierda

"Frau Schmidt, Sie sind die Einzige, die das kann, würden Sie hinterher bitte noch ...", "Karsten, kannst du noch mal eben schnell ...?", "Christiane, du kannst das doch viel besser als ich, machst du bitte..."

foto: © stokkete / fotolia.com

Wenn Sie auf Fragen dieser Art am Arbeitsplatz regelmäßig mit "Ja" statt mit "Nein" antworten und sich kurz darauf über Ihre vorschnelle Zusage gegenüber dem Chef oder den Kollegen ärgern, fällt es Ihnen offensichtlich sehr schwer, im Job öfter einmal "Nein" zu sagen.

Aber wie entkommen Sie der "Ja"-Falle im Berufsalltag?

 

Nein sagen im Beruf

  • Zunächst ist es wichtig zu verstehen, warum sehr viele Menschen auf die Aufforderung zu helfen, lieber mit einem freundlichen "Ja" als mit einem kühlen "Nein" reagieren.
  • Grundsätzlich wird es positiv gewertet, wenn sich Menschen am Arbeitsplatz gegenseitig unterstützen oder bei Bedarf die Hilfe anderer einfordern.
  • Aber nicht nur derjenige, dem geholfen wird, profitiert davon. Auch derjenige, der hilft, zieht aus seinem Verhalten Vorteile.
  • Beispielsweise wird er in seinem Selbstbild des Teamplayers gestärkt, der eigene Interessen auch einmal weniger wichtig nimmt. Er fühlt sich gebraucht, empfindet sich vielleicht sogar als unersetzlich.
  • Oder stärkt sein Selbstwertgefühl damit, dass sein Expertenstatus im Beruf wieder einmal gefragt ist.

 

Wenn die Work-Life-Balance aus dem Gleichgewicht gerät

  • Kritisch wird das Unvermögen öfter einmal "Nein" zu sagen dann, wenn die Wünsche, Bitten und Aufträge im beruflichen Umfeld so massiv geäußert werden, dass die eigenen Arbeitsaufgaben und sogar das Privatleben darunter leiden.
  • Der Preis für die Hilfe anderer besteht auf Dauer nämlich aus eigenen Überstunden, Wochenendarbeit und einem permanenten Gefühl der Überlastung.
  • Erschwerend kommt hinzu, dass es zu diesem Zeitpunkt immer schwieriger wird "Nein" zu sagen, weil sich die lieben Kollegen und der Chef mittlerweile daran gewöhnt haben, dass jede Bitte, einen zusätzlichen Auftrag oder eine Sonderaufgabe zu übernehmen, widerspruchslos erfüllt wird.

 

Übungen: Nein sagen lernen

  • Menschen, die es nicht gewohnt sind öfter "Nein" zu sagen, sollten Sachargumente nutzen, um zusätzliche Belastungen im Beruf abzuwehren. Bewährt hat sich hier auch der Bezug auf Autoritäten.
  • Übung 1: Wenn Sie also von einem Kollegen gefragt werden, ob Sie noch eine zusätzliche Aufgabe übernehmen können, sagen Sie nicht einfach "Nein", sondern verweisen darauf, dass Ihr gemeinsamer Chef schon mit einer anderen Sonderaufgabe an Sie herangetreten ist, die nun Vorrang hat. Auch der Verweis auf ein ein wichtiges Kundenprojekt erfüllt den gleichen Zweck.
  • Übung 2: Wenn Sie häufig wegen Ihres Expertenstatus angesprochen werden, können Sie ihr "Nein" ebenfalls taktisch verpacken. Verweisen Sie beispielsweise auf den jungen Kollegen X und sagen Sie dann "Sicherlich bin ich mit dem Thema am besten vertraut. Dennoch sollten wir auch weniger erfahrenen Kollegen die Chance geben, sich in die Thematik einzuarbeiten. Es ist immer besser, wenn im Unternehmen mehrere Mitarbeiter über das gleiche Wissen verfügen, beispielsweise weil einer im Urlaub oder krank ist. Der junge Kollege kann ja erst einmal eine Ausarbeitung machen und sich dann damit an mich wenden." Auf diese Weise behalten Sie Ihren Expertenstatus, haben die Anfrage aber geschickt delegiert.

 

Körpersprachlich "Nein" sagen

  • Wie in jeder zwischenmenschlichen Kommunikation spielt auch beim Neinsagen die Körpersprache eine wichtige Rolle. Nehmen Sie deshalb in dem Moment, in dem Sie um Hilfe gebeten werden, bewusst eine selbstbewusste Körperhaltung ein.
  • Übung 3: Sie können sich mit beiden Füßen fest auf die Erde stellen, den Rücken durchdrücken, den Blickkontakt und den Oberkörper direkt zum Fragesteller richten, ihn kurz und schweigend ansehen - und dann mit einem knackigen und kurzen "Nein" reagieren. Meist ist der Fragesteller dann erst einmal überrascht und schweigt.
  • Übung 4: Nachdem Sie dieses überraschte Schweigen ausgekostet haben, können Sie die Situation wieder entschärfen und mit einem Lachen darauf hinweisen, dass Sie schon letzte und vorletzte Woche so viele Überstunden angesammelt haben, dass Ihr Partner beziehungsweise Ihre Partnerin mit dem Ende der Beziehung gedroht hat, und sie deshalb heute einmal pünktlich Arbeitsschluss machen werden.

 

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