Was bedeuten AUSNAHMSLOS und TADELLOS im Zeugnis?

Von Püttjer - Schnierda

Manchmal heißt es in Arbeitszeugnissen "Seine Arbeitsmotivation war ausnahmslos überzeugend." oder "Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern war tadellos".

  • Was ist mit "ausnahmslos" gemeint?

  • Warum ist diese Formulierung missverständlich?

  • Welche Alternativen gibt es?

  • Und warum ist "tadellos" im Zeugnis immer problematisch?

 

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Ausnahmslos im Zeugnis

Zeitwörter ("temporale Adverbien") wie stets, jederzeit, immer, permanent oder durchgehend, sind in Arbeitszeugnissen sehr wichtig, weil damit in der Zeugnissprache ein Unterschied von einer ganzen Note ausgedrückt wird.

Note 3, befriedigend: "Seine Leistungen waren insgesamt gut."

Note 2, gut: "Seine Leistungen waren insgesamt stets gut."

 

1. Zeugnissoftware

Eine häufig verwendete Zeugnissoftware in Personalabteilungen zur erleichterten Erstellung von Arbeits- und Zwischenzeugnissen enthält sehr viele Formulierungen mit dem Zeitwort "ausnahmslos".

Dann heißt es beispielsweise:

  1. Frau Müller erfüllte ihre Aufgaben ausnahmslos mit viel Engagement und Freude an ihrer Tätigkeit.

  2. Herr Schmidt überzeugte ausnahmslos als dynamischer Mitarbeiter, der engagiert und motiviert arbeitete.

  3. Frau Meyer zeichnete sich ausnahmslos durch eine hohe Arbeitsmotivation aus.

 

2. Gute Absicht

Grundsätzlich wird mit dem temporalen Adverb "ausnahmslos" eine gute Absicht verfolgt.

Schließlich kann es sehr ermüdend wirken, wenn die Arbeitsmotivation, die Belastungsfähigkeit, das Fachwissen, das methodische Vorgehen, die Arbeitsqualität, das Sozialverhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen oder Kunden und auch die Gesamtnote immer wieder den Zusatz "stets" enthalten.

 

3. Gegenteilige Wirkung

Andererseits haben wir es schon häufiger von Recruitern, Personalmitarbeitern und sogar Zeugniskennern gehört, dass das Wort "ausnahmslos" missverstanden werden kann.

Denn leider hat es eine sprachliche Nähe zu "tadellos", was sehr problematisch ist.

 




Tadellos heißt: Ist zu tadeln!

Wenn es in Zeugnissen heißt, dass "Sein Verhalten gegenüber Kunden tadellos war.", ist dies eine klassische Abwertung mittels einer "Negativformulierung".

Zeugnisprofis übersetzen Negativformulieurngen nämlich folgendermaßen.

  1. Formulierung: "Sein Verhalten war nicht zu bestanden". -> Bedeutung "Es ist ganz klar zu beanstanden."

  2. Formulierung: "Ihr Engagement war nicht zu kritisieren". -> Bedeutung "Sie hat sich überhaupt nicht engagiert, das kritisieren wir ganz eindeutig!"

  3. Formulierung: "Seine Fachkenntnisse waren tadellos". -> Bedeutung "Er hatte keine Ahnung, das tadeln wir hiermit ausdrücklich!"

 




Kombiniert mit weiteren Fehlern

Grundsätzlich gilt also, dass "tadellos" immer problematisch in Zeugnissen ist.

Und dass "ausnahmslos" für Missverständnisse und Verwirrung auf Seiten der Leser sorgen kann.

Sind im Zeugnis noch weitere Merkwürdigkeiten oder gar eindeutige Abwertungen enthalten, ist dies leider sehr ungünstig für die beurteilte Arbeitnehmerin oder den beurteilten Arbeitnehmer.

 

  • Zu knapp dargestelltes Aufgabenfeld

  • Kein Engagement ausgedrückt

  • Lernbereitschaft schwach

  • Nicht erwähnte Fachkenntnisse

  • Schwache Gesamtnote

  • Schlussabsatz ohne ausdrücklichen Dank für die Mitarbeit

  • Bedauern des Arbeitgebers über den Weggang fehlt

 

 

 




Ausnahms- oder tadellos: Bitte entfernen!

Wenn möglich, sollten Sie daher negative Schlüsselwörter wie "tadellos" oder "ausnahmslos" aus Ihrem Arbeitszeugnis entfernen lassen.

Nicht wenige Personalmitarbeiter/-innen wissen oft nicht um die Feinheiten der Zeugnissprache. Sind aber bereit, gut begründete Änderungen zu übernehmen.

Orientieren Sie sich unseren Zeugnismustern aus dem Downloadbereich.

Und nutzen Sie unser Praxiswissen.

 




Hilft bei Bewerbung: Stärken im Zeugnis

Nutzen Sie die Möglichkeit, Ihre Stärken auch mit dem Arbeitszeugnis zu verdeutlichen.

Schließlich verfügen kaufmännische Sachbearbeiter in der Regel über andere Stärken als Controlling-Spezialisten.

Und Führungskräfte verfügen über andere Management-Kompetenzen als Projektleiterinnen und Projektleiter.

  1. Verhandlungsgeschick

  2. Überzeugungskraft

  3. unternehmerisches Denken

  4. Kostenbewusstsein

  5. Zahlenaffinität

  6. strukturierte Arbeitsweise

  7. interkulturelle Kompetenz

  8. Begeisterungsfähigkeit

  9. Kundenorientierung

 

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Coachingtipp

Werten Sie eine Hand voll Stellenanzeigen aus, die Ihr Berufsfeld kennzeichen.

Dann sehen Sie aus der Sicht von Recruitern, welche Erfahrungen, Kenntnisse und Stärken in Ihrem Arbeitsfeld nachgefragt sind.

Wenn Ihre Chefin oder Ihr Vorgesetzter Sie unterstützt, wird die HR-Abteilung Ihr Zeugnis in gewünschter Form ausarbeiten.

Sie können sich dabei an den PDF-Vorlagen für Zeugnisse aus unserem Downloadbereich orientieren.

 




Zeugniserfolg: Schneller ins Job-Interview

In unseren Bewerbungscoachings stellen wir immer wieder fest, dass inhaltlich überzeugend ausgearbeitete Arbeitszeugnisse dazu führen, dass Einladungen zu Vorstellungsgesprächen schneller ausgesprochen werden.

Bereiten Sie sich auf Vorstellungsgespräche gründlich vor, damit Sie auch im Gespräch Ihre Erfahrungen, Erfolge, Stärken und Kenntnisse detailliert und aussagekräftig beschreiben können.

 

Vorbereitung Job-Interview

  1. Telefoninterview

  2. Video-Interview

  3. Selbstpräsentation

  4. 10 häufigste Fragen im Vorstellungsgespräch

  5. strukturiertes Job-Interview

  6. kompetenzbasiertes Interview

  7. eigene Fragen an neue Arbeitgeber

 

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Gute Bewerbung schreiben

 

Nutzen Sie unsere Vorlagen und Muster aus dem Downloadbereich. Und lassen Sie sich von den Formulierungen für gute Antworten aus unseren E-Learnings inspirieren.

Gerne beraten wir Sie auch telefonisch oder persönlich!