Kündigung: So sag ich es meinem Chef

 

Tipps aus unserer Coachingpraxis

 

Fristgerecht kündigen, Chef oder Chefin zum richtigen Zeitpunkt im passenden Ton informieren, die Übergabe detailliert vorbereiten und aus taktischen Gründen erst dann ein Arbeitszeugnis anfordern.

Es gibt einige Dinge, die Sie beachten sollten, damit Sie Ihren Arbeitsplatz - möglichst - im Guten verlassen.

 

Aktuell boomt der Arbeitsmarkt für qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber.

Daher ist die Bereitschaft hoch, selber den Job zu kündigen, um bei einem neuen Arbeitgeber andere Aufgaben zu übernehmen, die eigenen Kompetenzen zu erweitern – und dabei vielleicht auch noch einen Gehaltssprung zu vollziehen.

 



Kündigung: Angst vor Gespräch mit Chef

Wenn sowohl die schriftliche Bewerbung als auch der persönliche Auftritt im Vorstellungsgespräch überzeugt haben, wird der neue Arbeitgeber Ihnen einen Arbeitsvertrag übersenden.

Dann muss spätestens nach der Unterschrift unter den neuen Vertrag der bisherige Chef sehr bald über die Kündigung informiert werden.

Da wir es in unserer Beratungspraxis nur selten erleben, dass Mitarbeiter kündigen, weil sie sich am Arbeitsplatz wohlfühlen und wertgeschätzt werden, ist häufig davon auszugehen, dass das emotionale Verhältnis zwischen Chef/-in und Mitarbeiter/-in auch schon vor einer Kündigung beeinträchtigt bis zerrüttet ist.

Bestätigt wird oft die Personalerregel: "Mitarbeiter kommen wegen der Aufgaben und gehen wegen des Vorgesetzten."

Diese problematische Ausgangssituation ist zu berücksichtigen, wenn die Kündigung dann tatsächlich ausgesprochen wird.

 



Reaktionen: enttäuscht, sauer, wütend

Denn wie in Beziehungen im Privatleben gilt auch hier, dass der Zurückgewiesene in seinen ersten Reaktionen nicht nur sachlich, sondern auch emotional reagieren wird.

Dabei reicht das emotionale Spektrum von kaltem Schweigen über geäußerte Trennungsängste oder wütende Schuldvorwürfe bis hin zu persönlichen Angriffen.

Unserer Erfahrung nach ist es daher nützlich, sich als Arbeitnehmer im Vorfeld zu überlegen:

  • Bis zu welchem Zeitpunkt kann ich möglichst spät, aber dennoch fristgerecht kündigen?

  • In welcher Weise soll die Kündigung ausgesprochen werden?

  • Soll der "echte" Kündigungsgrund genannt werden?

  • Oder nur allgemein von dem "Wunsch nach Veränderung" gesprochen werden?

  • Welche Nebenthemen sollten aus taktischen Gründen nicht erwähnt werden?

  • Welche Auswirkungen hat meine Kündigung für meinen Vorgesetzten?

  • Welche für meine Kolleginnen und Kollegen?

  • Und wie kann das emotionale Minenfeld "heimlicher Abschied" möglichst ohne Explosionen betreten und verlassen werden?

 



Arbeitnehmer: Kündigung Arbeitsvertrag per E-Mail

So Chef informieren

Ihre Kündigung müssen Sie immer schriftlich übergeben oder per Post übersenden (Einschreiben!), es reicht weder eine mündliche Kündigung, noch eine Kündigung per SMS, E-Mail oder Fax.

Denn für die Kündigung eines Arbeitsvertrages ist gesetzlich geregelt, dass der Kündigungsberechtigte eigenhändig seine Unterschrift unter den Kündigungstext schreiben muss.

Erstellen Sie daher vor dem Kündigungsgespräch mit Ihrem Vorgesetzten eine schriftliche Kündigung, die Sie in doppelter Ausfertigung zum Gespräch mitnehmen.

Unsere kostenlosen Muster für Kündigungsschreiben, wahlweise in freundlicher und in sachlicher Form (hier: Download als PDF), helfen Ihnen dabei.

 

Kündigungsfrist ausschöpfen

Schöpfen Sie Ihre Kündigungsfrist taktisch aus. Zunächst sollten Sie ganz genau ausrechnen, wann der letzte fristgerechte Termin ist. Dann planen Sie einen kleinen zeitlichen Puffer von ein paar Tagen ein.

Bitte nicht zu früh: Wenn Sie drei Monate Kündigungsfrist zum Quartalsende haben und beispielsweise zum Ende Dezember kündigen müssen, sollten Sie nicht schon Anfang November aktiv werden. Besser ist Mitte Dezember.

Es ist häufig zu beobachten, dass die Stimmung im Team nach einer Kündigung merklich abkühlt und auch Vorgesetzte deutlich distanzierter reagieren. Für etwas bessere Stimmung können Sie zumindest mit dem Angebot einer durchgeplanten Übergabe sorgen.

 



Gesprächstaktik: gut geplant

Beginnen Sie das schwierige Kündigungsgespräch direkt nach der Begrüßung, indem Sie ankündigen, dass Sie leider eine unangenehme Mitteilung machen müssen, weil Sie ihren Arbeitsplatz zum (Datum) aufgeben werden.

Falls zutreffend, können Sie darauf verweisen, dass Sie davon ausgehen, dass diese Ankündigung für Ihren Chef vermutlich überraschend kommt. Und dass Sie im Vorfeld sehr gründlich nachgedacht haben, bevor Sie ihre schwierige Entscheidung getroffen haben.

 

  • "Ich habe lange hin und her überlegt und mich letztendlich dafür entschieden, mich beruflich bei einem anderen Arbeitgeber weiterzuentwickeln. Daher möchte ich zum (Datum) das Arbeitsverhältnis beenden."

  • "Leider habe ich eine vermutlich unangenehme Mitteilung zu machen, ich möchte kündigen."

  • "Ich bin nun schon einige Jahre im Unternehmen und habe mich sehr wohl gefühlt. Allerdings möchte ich mich noch einmal verändern und in einem anderen Umfeld zusätzliche Erfahrungen sammeln. Daher möchte ich kündigen und das Arbeitsverhältnis zum (Datum) beenden."

  • "Ich brauche eine Auszeit, denn ich fühle mich schon länger etwas ausgebrannt. Ich habe zwar noch keinen neuen Job, möchte aber kündigen, um erst einmal meine Balance wiederzufinden." (Anmerkung: Das können Sie auch sagen, wenn Sie schon einen neuen Arbeitgeber haben, sich aber eher bedeckt halten möchten.)

 

Es bietet sich noch an, zu erwähnen, dass Sie alles dafür tun werden, damit die Übergabe an einen Nachfolger und die damit verbundene Einarbeitung möglichst reibungslos erfolgt.

 



Fair schlussmachen ohne Schuldvorwürfe

Nun ist Ihr Chef oder Ihre Chefin an der Reihe. Seine oder ihre Reaktion auf Ihre Kündigung wird je nach Qualität der Arbeitsbeziehung ganz unterschiedlich ausfallen.

Versuchen Sie eine „echte“ Diskussion über die Gründe zu vermeiden. Es lohnt sich nicht, sich erneut über nervige Kollegen, schludrige Arbeitsabläufe, fehlende Aufstiegschancen oder Langeweile am Arbeitsplatz zu beschweren.

Verweisen Sie stattdessen auf die vielen Jahre, die Sie gerne und engagiert mitgearbeitet und in denen Sie sich beruflich weiterentwickelt haben.

Und sprechen Sie lieber ganz allgemein von „neuen beruflichen Chancen“, „der Möglichkeit zusätzliche Aufgabenfelder zu übernehmen“ oder „dem Einstieg in eine ganz andere Branche“.

Ihr Kündigungsgespräch sollten Sie dann möglichst schnell beenden. Wiederholen Sie Ihr Angebot, einen Nachfolger einzuarbeiten.

Übergeben Sie die schriftliche Kündigung und bitten Sie um eine kurze Empfangsbestätigung (Unterschrift mit Ort und Datum) auf dem zweiten Exemplar Ihrer Kündigung, das Sie dann gleich wieder mitnehmen.

 



Arbeitszeugnis und Kündigung: taktischer Vorteil für Sie

Bieten Sie im Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten gegebenenfalls an, einen Übersicht aller Aufgaben zu erstellen, die Sie aktuell wahrnehmen, damit die Einarbeitung des Nachfolgers gezielt erfolgen kann.

Diese Mehrarbeit hat einen großen Vorteil für Sie, wenn es später darum geht, ein Arbeitszeugnis (hier: 800 Muster als PDF) aussagekräftig erstellen zu lassen oder selber zu entwerfen.

Denn dann können Sie beim „Aufgabenblock im Zeugnis“ gleich auf die Liste Ihrer vielen Aufgaben, Projekte und Zuständigkeitsbereiche verweisen, die Sie ja schon eingereicht haben.

Und bitte auch die dazugehörigen Erfolge und besonderen Leistungen erwähnen, die Ihre Stärken und Erfahrungen auch im Arbeitszeugnis verdeutlichen.

 

Für Ihre weitere berufliche Entwicklung an Ihrem neuen Arbeitsplatz wünschen wir Ihnen viel Erfolg!

Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

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