Was ist Wohlwollenspflicht im Zeugnis? 10 Beispiele

Von Püttjer - Schnierda

Arbeitgeber sind verpflichtet, ein wohlwollendes Arbeitszeugnis auszustellen.

  • Muss jetzt jedes Zeugnis "gut" oder "sehr gut" sein?

  • Kann ein Zeugnis trotzdem Kritik oder sogar Abwertungen enthalten?

  • Welche Rolle spielt hier die Zeugnissprache mit dem Geheimcode?

  • Verstoßen Arbeitgeber gegen die Wohlwollenspflicht, wenn sie bestimmte Aufgaben oder persönliche Eigenschaften einfach nicht erwähnen?

  • Und haben beurteilte Arbeitnehmer im Arbeitszeugnis jetzt deswegen einen Anspruch auf "Dank" und "weiterhin Erfolg"?

 

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Bedeutung: Wohlwollenspflicht im Arbeitszeugnis

Definition: Arbeitszeugnisse sollen das berufliche Fortkommen der beurteilten Arbeitnehmer nicht hindern, deshalb sind Zeugnisse grundsätzlich wohlwollend zu formulieren. Ebenso gilt aber als Grenze des Wohlwollens die Wahrheitspflicht.

Wie profitieren Sie von der Wohlwollenspflicht, wenn Sie mit Ihrem Zeugnis nicht zufrieden sind?

 




Heißt Wohlwollen Pflicht zur Änderung?

Nicht immer enden Arbeitsverhältnisse freundschaftlich.

  • Oft hat Streit mit der neuen Vorgesetzten nach vielen Jahren erfolgreicher Mitarbeit zur eigenen Kündigung geführt.

  • Manchmal werden Stellen abgebaut und die Fronten zwischen der Geschäftsführung und den Mitarbeitern sind deswegen deutlich verhärtet.

  • Nicht selten wechseln sehr gute Arbeitnehmer unangekündigt und völlig überraschend zur Konkurrenz.

  • Weiter kommt es vor, dass das Zeugnis als Racheakt der Firma benutzt wird, weil Arbeitnehmer "einfach zu oft krank gewesen sind" oder "auf Anweisungen der Chefetage immer nur widerwillig" reagiert haben.

Diese Liste lässt sich deutlich erweitern, macht aber jetzt schon klar, dass negative Emotionen, schwelende Konflikte oder offene Reibereien natürlich auch den Weg in die Beurteilungen im Zwischen- oder Endzeugnis finden können.

 

 

 

Wohlwollen: Keine Pflicht, aber starkes Argument

Es gibt zwar keine sofort durchsetzbare Pflicht, abwertende, fehlerhafte oder missverständliche Formulierungen in Zeugnissen auf Wunsch des Arbeitnehmers zu entfernen.

Aber es hilft durchaus, sich auf den Grundsatz der Wohlwollenspflicht zu berufen, um Änderungen zu erreichen. Arbeitgeber kennen dieses "starke Argument" mit Sicherheit.

Dies können Arbeitnehmer zunächst selber machen. Und gegebenenfalls natürlich auch eine Rechtsanwältin oder einen Anwalt für Arbeitsrecht einschalten.

 




Beispiele: 10 x Wohlwollenspflicht

Arbeitsgerichte haben im Lauf der Jahre viele Urteile zu der Verpflichtung, im Zeugnis wohlwollend zu formulieren, getroffen.

Es lohnt sich durchaus, Arbeitgeber darauf hinzuweisen.

 

1. Einmalig

Wenn Sie in fünf Jahren Mitarbeit ein oder zwei Mal unpünktlich erschienen sind, greift die Wohlwollenspflicht.

Derartige "einmalige Vorfälle" dürfen nicht im Zeugnis erwähnt werden.

2. Viele Jahre zurück

Wenn Sie Ihrer Chefin vor vielen Jahren ganz direkt die Meinung gesagt haben und sich gestritten haben, darf dies ebenfalls nicht erwähnt werden.

Der Vorgang liegt viel zu lange zurück.

3. Keine Abmahnung

Sie haben während der Arbeitszeit ganz klar zu viel privat gesurft, dafür aber nie eine Abmahnung bekommen?

Dann darf dieses Fehlverhalten auch nicht im Zeugnis erwähnt werden.

4. Dank im Schlussabsatz

Sie möchten, dass Ihnen im Schlussabsatz gedankt wird?

Leider haben Sie darauf laut höchster Rechtsprechung keinen Anspruch.

5. Weiterhin Erfolg Auch auf die Formel "wünschen ihm beruflich und privat alles Gute und weiterhin Erfolg" haben Sie trotz Wohlwollenspflicht keinen Anspruch.

6. Erziehungszeit

Die Elternzeit darf nur erwähnt werden, wenn sie sich die Ausfallzeit eine wesentliche tatsächliche Unterbrechung der Beschäftigung ist.
7. Sabbatical / unbezahlter Urlaub

Ebenso wie Elternzeit nur zu nennen, wenn die Dauer des Sabbaticals länger als die eigentliche aktive Mitarbeit war.

In der Praxis also sicherlich äußerst selten.

8. Aufgaben und Tätigkeiten unvollständig Künftige Arbeitgeber müssen erkennen können, was Ihre Aufgaben waren. Daher folgt auch hier aus der Wohlwollenspflicht, dass Sie bei wesentlichen Tätigkeiten auf Nachbesserung und Ergänzung drägen dürfen - und sollten.
9. Aussagen zur Führungsleistung fehlen bei Manager/-in Versuchen Arbeitgeber negative Beurteilungen durch "beredtes Schweigen", also durch Nichterwähnung, deutlich zu machen, verstößt dieses Vorgehen ebenfalls gegen die Regel wohlwollend zu formulieren.
10. Vor Gericht gegen Arbeitgeber Wird ein positiveres Zeugnis mittels gerichtlichem Vergleich oder durch gewonnene Klage durchgesetzt, darf dies natürlich nicht erwähnt werden.

 

Als Bewerbungs- und Karriereberater können, wollen und dürfen wir keine Rechtsberatung anbieten. Deshalb der klare Hinweis, dass Sie sich in Zweifelsfragen an einen Experten für Arbeitsrecht (Anwalt) wenden sollten, um Ihre Frage präzise zu klären.

Dennoch sollten Sie gegenüber Arbeitgebern durchaus auf die Wohlwollenspflicht für Arbeitszeugnisse verweisen, wenn Sie sich ungerecht beurteilt fühlen.

Die Praxis bestätigt regelmäßig, das Personalabteilungen oder die für das Zeugnis verantwortlichen Vorgesetzten auf "gute Argumente" hören.

 

 

Diese Artikel aus unserer über 25-jährigen Beratungspraxis helfen Ihnen professionell weiter.

 

Übrigens: Aus der Wohlwollenspflicht folgt auch, dass Ihr Zeugnis nicht zahlreiche Rechtschreibfehler, eine viel zu kleine, unleserliche Schrift oder merkwürdige Hervorhebungen und Unterstreichungen enthalten darf.

 




EXTRA: Berufliche Erfolge + wohlwollend

In unseren Zeugnisberatungen stellen wir viel zu oft fest, dass besondere Erfolge in Arbeitszeugnissen einfach nicht erwähnt werden.

Gerade hier sollten Sie zunächst freundlich an den Arbeitgeber appellieren, dass Sie sein Wohlwollen wünschen.

Wenn Sie beispielsweise Abläufe verbessert, Kosten gesenkt, Kollegen in deren Urlaub vertreten oder sogar Projekte erfolgreich bewältigt haben, sollte dieses berufliche Engagement auch im Zeugnis auftauchen.

 

Besondere Erfolge

 

  • "Besonders hervorzuheben ist, dass Frau Schmidt bei der Organisation von Neubau- und Sanierungsmaßnahmen außerordentlich…"

  • "Zu erwähnen ist hier beispielhaft, dass Herr Lewandowski die Kosten, Termine und Qualität ganz besonders …"

  • "An dieser Stelle möchten wir hervorheben, dass Herr Schmidt insbesondere bei der Optimierung …"

  • "Ausdrücklich verweisen wir hier auf ihre engagierte, zuverlässige und strukturierte  …"

     

    Überzeugende Argumente: Damit auch Ihre Arbeitszeugnisse schnell mehr positive Wirkung bei anstehenden Bewerbungen auslösen, halten wir in unserem Downloadbereich zahlreiche  Musterzeugnisse ( 2 x "sehr gut" und 2 x "gut") für Sie bereit. Sofort nutzbar!

    Verbessern Sie Ihre Bewerbungs-Chancen mit aussagekräftigen Arbeitszeugnissen.

     




    IMMER checken: Schluss, Gesamtnote + Aufgaben

    Ihre Zeugnis muss nicht in jedem Satz perfekt sein.

    Es lohnt sich auch nicht, wegen einem Rechtschreibfehler oder falsch gesetztem Komma vors Arbeitsgericht zu ziehen. Und zwangsläufig eine Niederlage zu kassieren.

    Wichtig ist immer der Schlussabsatz mit dem Kündigungsgrund, die Gesamtnote, eine aussagekräftige Darstellung Ihrer Arbeitsaufgaben und eine positive Beschreibung besonderer Erfolge und Leistungen.

    • Fehlen wesentliche Aufgaben? Verweisen Sie auf die Wohlwollenspflicht und fordern Sie eine Nachbesserung ein!

    • Ist der Kündigungsgrund merkwürdig oder falsch formuliert? Machen Sie einen Gegenvorschlag und drängen Sie auf Änderung!

    • Entspricht die Gesamtnote des Endzeugnisses nicht dem Zwischenzeugnis? Wenn hier nur wenige Monate oder gar Wochen vergangen sind, gilt die Bindungswirkung! Massive Verschlechterungen muss der Arbeitgeber auch belegen können. Sonst bleibt es bei den guten Noten der Zwischenbeurteilung.

     

    Top-Muster

    Nutzen Sie unsere "sehr guten" oder "guten" Arbeitszeugnisse als Vorlage beim Arbeitgeber.

    inspirierend: 4 x Führungskräfte - 100 Aufgaben, 100 Erfolge

    hilfreich: 4 x Fachkräfte - 100 Aufgaben, 100 Erfolge

     

    nützlich: 4 x Arbeitszeugnis gewerbliche Mitarbeiter Technik

    aktiv: 4 x Arbeitszeugnis kaufmännische Mitarbeiter

       

       

       

      zwischenzeugnis-checkliste