Was würde Ihr Chef über Sie sagen?

Beispiele für Antworten ✓ vorher Anruf beim Chef ✓ Referenzen angeben ✓ Stressfrage ✓ berufliche Entwicklung ✓

 

Natürlich steht es Ihnen frei, bei dieser Frage zu antworten, was Sie wirklich denken, beispielsweise:

„Er würde vermutlich sagen, dass er froh ist, mich los zu sein.“

„Sie würde nichts Gutes sagen, weil der Prozess vor dem Arbeitsgericht noch läuft.“

Mein Chef ist ein Idiot, der würde nur Unsinn erzählen, deswegen habe ich mich ja bei Ihnen beworben.“

Vermutlich wäre das Vorstellungsgespräch dann aber schneller zu Ende als Ihnen lieb ist. Wie geht es besser? Und worauf zielt diese Frage eigentlich ab?

 



Was würde Ihr Chef tatsächlich kritisieren?

Schwächen und Stärken indirekt: Grundsätzlich geht es bei Fragen dieser Art darum, Schwächen und Stärken indirekt zu erfragen.

Kenne ich schon! Denn da viele Bewerberinnen und Bewerber mit klassischen Fragen wie „Was sind Ihre drei Schwächen?“ oder „Wo sehen Sie Ihre Stärken?“ mittlerweile deutlich vertrauter als früher sind, erfragen Personalmitarbeiter persönliche oder fachliche Vorzüge und Grenzen heutzutage häufig indirekt.

Beispielsweise in dieser Art:

Was würde Ihr ehemaliger Chef an Ihnen kritisieren?" -> mit Antwort

„Was würde Ihre momentane Vorgesetzte an Ihnen loben?“

„Welche drei Dinge haben Ihren Chef an Ihnen gestört?“

„Was können Sie besser als Ihr Chef?“

 



Empfehlungen und Referenzen von Vorgesetzten

Schnelle Auskunft: Nicht von der Hand zu weisen ist, dass Headhunter, externe Personalberater und auch interne Personalmitarbeiter den Griff zum Telefon durchaus schätzen, um nähere Auskünfte über eine Bewerberin oder einen Bewerber zu bekommen.

Referenzgeber: Daher werden auch Referenzen ausdrücklich eingefordert, insbesondere von Führungskräften. Und gerade hier wird bei den Referenzgebern ganz offen nach dem Eindruck gefragt, den der Bewerber am Arbeitsplatz über einen längeren Zeitraum hinterlassen hat.

 



Anruf beim Ex

Selten, aber möglich: So kann es passieren, dass im Vorfeld eines zweiten Vorstellungsgesprächs tatsächlich mit dem ehemaligen Chef telefoniert wurde.

Übereinstimmung? Und die Antworten eines Bewerbers auf Fragen wie „Wenn ich jetzt Ihren Chef anrufen würde, was würde er Positives über Sie sagen?“ mit den tatsächlichen Aussagen der Ex-Chefin oder des Ex-Chefs abgeglichen werden.

Nachgefragt: Bestehen hier eklatante Widersprüche würde sicherlich nachhakt werden, worauf diese beruhen.

 



Abgleich von Arbeitszeugnis und Selbsteinschätzung

Weiter kommt es vor, dass die Gesamtnote oder Einzelbewertungen aus dem Arbeitszeugnis mit den Antworten eines Bewerbers auf die erwähnten Chef-Fragen verglichen werden.

Hier gilt es selbstbewusst und glaubwürdig zu bleiben. Meist wird nur überprüft, ob sich ein Bewerber in Widersprüche verwickelt und von vorherigen Aussagen zu seinen fachlichen Kenntnissen, persönlichen Stärken, beruflichen Erfahrungen oder individuellen Erfolgen plötzlich abrückt.

 



Keine Probleme, sondern Leistungen und Erfolge

Taktik: Grundsätzlich werden Sie mit Ihrer Antwort überzeugen, wenn Sie darauf verweisen, dass Ihr Chef im Wesentlichen mit Ihrem Engagement und Ihren Leistungen zufrieden war – und hierfür konkrete Beispiele anführen können.

Anschaulich: Idealerweise geben Sie auch Beispiele dafür, dass Ihnen Ihr Chef mehr Verantwortung, zusätzliche Aufgaben, spezielle Projekte, wichtige Kundenanfragen, drängende Sonderaufgaben oder knifflige Verhandlungen übertragen hat.

Je konkreter Sie werden, desto deutlicher wird Ihre Lern- und Erfolgskurve am letzten und vorletzten Arbeitsplatz. Verknüpfen Sie Ihre berufliche Entwicklung mit der fiktiven Meinung Ihres Chefs über Sie – und schon fällt das „Chef-Statement“ positiv und glaubwürdig aus.

Konkrete Formulierungen und Beispiele, die Ihnen zur Anregung dienen, finden Sie in unseren E-Learnings Vorstellungsgespräch. Für Fachspezialisten ebenso wie für Führungskräfte, auf Deutsch und gegebenenfalls auch auf Englisch.

Abschlusstipp: Wenn es tatsächlich starke Meinungsverschiedenheiten und Ärger mit dem letzten Chef gegeben hat, sollten Sie dies im Vorstellungsgespräch gegebenenfalls als Wechselgrund angeben. Und hoffentlich auf einen früheren Chef verweisen können, mit dem Sie über einen längeren Zeitraum sehr produktiv zusammengearbeitet haben.

 

Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

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