Schwächen im Vorstellungsgespräch 20 neue Beispiele

Achtung, Schwächen indirekt erfragt ✓ Liste mit Schwächen ✓ Neuer Trend: Skalenfragen ✓ realistisches Selbstbild ✓

 

  • Frage 1: "Was kritisieren Kollegen manchmal an Ihnen?"

  • Frage 2: "Welche Eigenschaften mögen Sie gar nicht an sich?"

  • Frage 3: "In welchen Situationen würden Sie gerne anders reagieren?"

  • Frage 4: "Wo sehen Sie bei sich persönliche Defizite?"

  • Frage 5: "Können mir drei Stärken und drei Schwächen von Ihnen nennen?"

     

    Bereits diese wenigen Beispiele verdeutlichen Ihnen, dass Bewerberinnen und Bewerber in Vorstellungsgesprächen manchmal indirekt und manchmal ganz direkt nach ihren persönlichen Grenzen, Einschränkungen oder gar Defiziten gefragt werden.

    • Aber wie antworten Sie überzeugend auf Fragen nach Ihren Schwächen?

    • Mit welchen Strategien und Tricks lassen sich ungünstige Persönlichkeitsmerkmale im Bewerbungsgespräch glaubwürdig darstellen?

    • Und wie reagieren Sie auf die neuen und hinterlistigen "indirekten Fragen", mit denen Jobsuchern und Stellenwechslern immer häufiger auf den Zahl gefühlt wird?

     



    Welche Schwächen haben Sie und wenn ja wie viele?

    Bitte nicht zu ehrlich! Auch wenn es stimmt, dürfen Sie auf die Frage nach Ihren persönlichen Schwachstellen so keinesfalls antworten:

    • "Ich flippe aus, wenn Kollegen Termine einfach nicht einhalten."

    • "Ich sage meine Meinung gerne ganz direkt."

    • "Dummköpfe lasse ich mit Freude ins Leere laufen."

    • "Vor Vorträgen habe ich Angst."

    • "Ich mag wirklich keinen Kundenkontakt."

    • "Ich bin in Teammeetings zu abwartend und passiv."

     

    Ihr persönlicher Auftritt: Grundsätzlich ist wichtig zu wissen, dass der Faktor Mensch weder im Arbeits- noch im Privatleben ausgeblendet werden kann. Es reicht also nicht aus, überzeugende und aussagekräftige Bewerbungsunterlagen einzureichen, um den gewünschten Job auch zu bekommen. Die Firmen wollen Bewerberinnen und Bewerber immer auch in persönlichen Gesprächen kennenlernen, um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, ob sie wirklich ins Team und in die Firma passen könnten.

    Realistische Selbsteinschätzung: Aber auch eine persönliche Auseinandersetzung mit der Frage „Wo sehe ich bei mir Schwächen?“ ist durchaus sinnvoll. Wer besser abschätzen kann, wie Vorgesetzte auf Veränderungsvorschläge, Kollegen auf Kritik oder Kunden in Vertragsverhandlungen reagieren, wird seine beruflichen Ziele besser erreichen können.

    Wiederholungsgefahr: Weiter hilft ein Rückblick in Sachen "Konflikte am Arbeitsplatz" bei der Schwächenreflexion. Wenn nämlich im Arbeitsalltag bestimmte zwischenmenschliche Konflikte immer wieder auftauchen, sollten festgefahrene Rollenmuster in Ruhe  hinterfragt werden.

     



    Liste mit 15 Schwächen

    Abhängig vom Berufseld: Negative Eigenschaften 

    1. zurückhaltend

    2. skeptisch

    3. besorgt

    4. spontan

    5. abwartend

    6. reserviert

    7. vorsichtig

    8. rational

    9. überkontrollierend

    10. schnell

    11. verschlossen

    12. beherrscht

    13. lakonisch

    14. detailverliebt

    15. zögerlich

    Wie Sie diese Schwächen bezogen auf Ihre beruflichen Aufgaben taktisch darstellen können, erfahren Sie beispielhaft weiter unten.

     

    Wie wirke ich als Leader auf andere? Gerade Führungskräfte, die Teams, Abteilungen, Bereiche, Niederlassungen oder ganze Unternehmen leiten, sollten ihre blinden Flecke kennen. Und im persönlichen Gespräch und Assessment-Center gute Beispiele dafür geben können, wie sie im Lauf der Jahre beispielsweise ihre Konfliktfähigkeit, ihre Fähigkeit zu Delegieren oder ihre Entscheidungsstärke als Teil der Führungsstärke verbessert haben.

    Gruppenprozesse: Ebenso sollten Fachkräfte ohne Personalverantwortung ihr Selbstbild von Zeit zu Zeit mit ihrem Fremdbild abgleichen. Insbesondere dann, wenn sie viel Kontakt zu Kunden oder externen Dienstleistern haben, fordernde Arbeitsspitzen unter Termindruck bewältigen oder in Projektgruppen mitarbeiten sollen.

     



    Oft nur ein Ritual im Vorstellungsgespräch

    Oft zu wenig Zeit: Für einen tiefgründigen Gedankenaustausch zu den Vorzügen und Schwächen der eigenen Persönlichkeit ist ein unter Zeitdruck stattfindendes Bewerbungsgespräch allerdings der falsche Anlass und Ort.

    Pragmatisch: Hier geht es meist mehr darum, ein ungeliebtes Gesprächsritual möglichst ohne größere Patzer hinter sich zu bringen. Damit meinen wir, dass in vielen Vorstellungsgesprächen zwar nach Schwächen oder Stärken (Beispielformulierungen, Skalenfragen und mehr) gefragt wird, die Antworten der Bewerberinnen und Bewerber aber häufig nur oberflächlich hinterfragt werden.

    Vorhersehbar: Für Sie als Bewerber hat dies den Vorteil, dass Sie sich im Vorfeld eines Bewerbungsgespräches, Telefoninterviews oder Assessment-Centers auf Fragen nach Ihren individuellen Schwächen und Stärken vorbereiten können, um dann mit passenden Antworten zu überzeugen.

     

    Praxistipp: Wenn Sie Ihre Schwächen erläutern, können Sie einschränkende Wörter wie „manchmal“, „gelegentlich“, „zuweilen“, „mitunter“ und „ab und an“ verwenden.

    Glaubwürdig: Damit steigern Sie Ihre Glaubwürdigkeit, weil Sie realistische Beispiele aus dem Berufsalltag schildern können, in denen Sie tatsächlich nicht das Verhalten an den Tag gelegt haben, dass sonst für Sie typisch ist.

    Lösung im Blick: Bleiben Sie nicht bei der bloßen Beschreibung Ihrer Schwächen stehen. Stellen Sie weiter klar, dass Sie in konfliktgeladenen Situationen Lösungen finden können. Sie können sich am folgenden Beispiel orientieren.

     

    Positivbeispiel: "Ich bin manchmal zu direkt zu Kollegen und reagiere gereizt und verärgert, wenn ein Problem immer wieder auftaucht, aber eine Lösung von Seiten der Kollegen einfach nicht in Sicht ist.

    Mittlerweile habe ich mir angewöhnt, meine Kritik besser zu platzieren. Ich stelle mich der nervigen Situation, beispielsweise einer durchgehend falschen Warenauszeichnung im Zentrallager, und helfe den Kollegen.

    Zu einem späteren Zeitpunkt suche ich dann noch einmal das Gespräch, um eine dauerhafte Lösung gemeinsam zu besprechen."
    Quelle: E-Learning Vorstellungsgespräch mit Beispielantworten.

     

    Gute Vorbereitung: Damit Sie im Ernstfall nicht mühsam nach den richtigen Worten für die Darstellung Ihrer Schwächen und Stärken suchen müssen, sondern glaubwürdige und hilfreiche Formulierungen zur Hand haben, empfehlen wir Ihnen unsere passgenauen Online-Trainings Vorstellungsgespräch, die Bezug auf spezielle Berufsfelder haben und speziell

    ausgearbeitet sind. Die Beispielantworten helfen Ihnen in kürzester Zeit, den dahinterstehenden Sinn von gestellten Fragen zu erfassen und aussagekräftige und glaubwürdige eigene Antworten zu formulieren.

     



    Im Trend: Schwächen indirekt erfragen

    Old School: Früher wurde in Vorstellungsgesprächen sehr direkt nach Schwächen gefragt, beispielsweise so: "Welche Schwächen von Ihnen sollten wir kennen?" oder "Können Sie mir drei Ihrer Schwächen schildern?" oder "Welche Schwächen sind im Arbeitsalltag typisch für Sie?"

    New School: Mittlerweile wird in immer mehr Bewerbungsgesprächen indirekt gefragt und nachgehakt. Diese Fragetechniken sind allerdings vielen Bewerberinnen und Bewerbern noch nicht so bekannt, wie direkte Fragen nach Stärken und Schwächen.

    Verhaltensorientiert: Dann wird beispielsweise hinterfragt, was den Bewerber an Kollegen, Vorgesetzten oder Kunden stört, um daraus Rückschlüsse auf seine eigene Persönlichkeit zu ziehen.

    Trügerische Sicherheit: Um Bewerber zunächst in Sicherheit zu wiegen, wird häufig auch erst nach positiven Aspekten des beruflichen Miteinanders gefragt, beispielsweise "Was schätzen Sie an Kollegen am meisten?".

    Aus der Reserve gelockt: Dann wird urplötzlich der "Hebel umgelegt" und die Frage aufgeworfen "Und was stört Sie an Kollegen am meisten im Arbeitsalltag?"

    Auf den Zahn gefühlt: Rechnen Sie daher mit Fragen dieser Art.

     

    1. "Welche drei Eigenschaften würde Ihr letzter Chef an Ihnen kritisieren?"
    2. "Was für ein Temperament würden Ihre ehemaligen Kollegen Ihnen attestieren?"
    3. "Welche Ihrer Eigenarten stört Sie am wenigsten?"
    4. "Und welcher Charakterzug stört Sie am meisten?"
    5. "Welche drei Eigenschaften mögen Sie an Kollegen überhaupt nicht?" (Nach Ihrer Antwort folgt dann die Anschlussfrage.) "Und welche drei Eigenschaften mochten Ihre Kollegen an Ihnen überhaupt nicht?"
    6. "Wenn Sie bei einem Projekt in Zeitverzug geraten sind, an welchen Ihrer persönlichen Eigenschaften könnte dies liegen?"
    7. "Welche persönlichen Stärken hat Ihr momentaner Chef, die Ihnen fehlen?"
    8. "Welche Eigenschaft würden Sie gerne an sich ändern?"
    9. "Wenn Sie daran denken, dass Sie einmal Streit mit einem Kunden hatten. Was würde der Kunde an Ihrem Auftritt kritisieren?"
    10. "Mit manchen Kollegen arbeitet man am liebsten, oder? Was genau schätzen Sie an Ihren Lieblingskollegen?"
    11. Anschlussfrage: "Und welche Eigenschaften stören Sie an den Kollegen, mit denen Sie nur ungerne zusammenarbeiten?"
    12. "Was bringt Sie im Arbeitsalltag zur Weißglut?"
    13. Anschlussfrage : "Und wie reagieren Sie dann?"
    14. "Woran merken Kollegen, dass Sie kurz davor sind zu explodieren?"
    15. Anschlussfrage: "Und was bringt Sie im Arbeitsalltag zum Explodieren?"

     



    Skalenfragen zu Schwächen: Ein neuer Ansatz in Bewerbungsgesprächen

    Auf einer Skala von 1 bis 10: Eine weitere Möglichkeit, um aussagekräftigere Antworten auf die Fragen nach den Schwächen der Bewerberinnen und Bewerber zu bekommen, ist der Einsatz von Skalenfragen.

    In Zahlen ausgedrückt: Beispielsweise wird gefragt, welche Notenstufe sich ein Bewerber für seine Kreativität auf einer Skala von 1 bis 10 gibt. Dabei steht 1 für den schwächsten und 10 für den höchsten Wert in Sachen Kreativität.

    Wie einschätzen? Gibt sich der Bewerber für seine Kreativität einen Wert zwischen 1 bis 4, wird dies von Personalmitarbeitern als eindeutige Schwäche gedeutet werden. Aber auch die Notenstufen 5, 6 oder 7 könnten ebenfalls als Schwäche, wenn auch als weniger gravierende, interpretiert werden.

    Wie verändert? Aus der Sicht von Personalmitarbeitern oder externen Personalberatern ist damit ein Ansatzpunkt vorhanden, um intensiver nachzufragen. Beispielsweise danach,

    • wie der Bewerber in der Vergangenheit in seinem Berufsfeld mit dieser Schwäche umgegangen ist,

    • ob er an der Schwäche gearbeitet hat,

    • ob er die Schwäche etwas korrigieren konnte oder

    • ob er andere Taktiken entwickelt hat, um die Auswirkungen der Schwäche abzumildern.

     

    Übungsfragen: Damit Sie sich auf Skalenfragen zu möglichen Schwächen vorbereiten können, sollten Sie zu Übungszwecken diese Fragen beantworten:

    Skalenfragen im Vorstellungsgespräch
    16. Auf einer Skala von 1 bis 10: Welchen Wert geben Sie sich für Ihre Konfliktfähigkeit?
    17. Anschlussfrage: Sie geben einen unterdurchschnittlich niedrigen Wert an. Können Sie mir eine berufliche Situation schildern, in der Ihre wenig ausgeprägte Konfliktfähigkeit Sie in Ihren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt hat?
    18. Was könnten Sie tun, damit sich Ihre wenig ausgeprägte Konfliktfähigkeit um eine Stufe verbessert?
    19. Können Sie mir eine weitere persönliche Eigenschaft nennen, an der Sie in der Vergangenheit so gezielt gearbeitet haben, dass Sie sich um eine Stufe verbessert haben?
    20. Und gibt es auch eine persönliche Eigenschaft von Ihnen, die Sie in den letzten Jahren durch intensive Anstrengungen um zwei oder noch mehr Stufen verbessert haben?

     



    Witzige Schwächen sind fehl am Platz

    Falsche Tipps im Internet: Ausdrücklich warnen wir davor, auf direkte oder indirekte Fragen nach möglichen negativen Eigenschaften mit vermeintlich witzigen Antworten und humorvollen Einlagen zu reagieren.

    Vorsicht vor Unsinn von Bloggern ohne Beratungserfahrung: Antworten wie „Meine Schwäche ist Schokolade.“ oder „Ich kann mir schlecht Namen merken.“ oder auch „Ich kann ein Glas guten Rotwein nicht ablehnen.“ sind in Vorstellungsgesprächen völlig unangebracht.

    Kampfstimmung vermeiden: Personalmitarbeiter fassen derartige Antworten eher als Kampfansage und weniger als fröhlichen Stimmungsaufheller auf. Ist aber die für Gespräche wichtige Beziehungsebene zwischen den Beteiligten erst einmal negativ beeinflusst, lässt dies weder für den weiteren Verlauf noch für die endgültige Einstellungsentscheidung Gutes hoffen.

    Am Thema vorbei: Vorstellungsgespräche haben ihr eigenen Regeln und Rituale, und dazu gehören bei vielen Firmen die Fragen nach den Stärken und Schwächen der Bewerberinnen und Bewerber.

    Zwischenziel: Beantworten Sie daher entsprechende Fragen sowohl taktisch als auch glaubwürdig und konstruktiv, damit kommen Sie einem Angebot von der Firmenseite deutlich näher.

    Sie entscheiden: Die endgültige Entscheidung darüber, ob Sie ein Stellenangebot tatsächlich wahrnehmen möchten, liegt nach einem erfolgreich verlaufenen Vorstellungsgespräch dann bei Ihnen.

    Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

    foto: © coldwaterman / fotolia.com