Schwächen im Vorstellungsgespräch 20 neue Beispiele

von Christian Püttjer & Uwe Schnierda

Wie antworten Sie auf Fragen nach Ihren Schwächen und Stärken? Mit welchen Tricks lassen sich Schwächen im Bewerbungsgespräch glaubwürdig darstellen? Und kennen Sie die Fragen, mit denen nachgehakt wird?

Aktualisiert und ergänzt am 05.02.2016.

foto: © coldwaterman / fotolia.com

 

Welche Schwächen haben Sie und wenn ja wie viele?

  • Der Faktor Mensch kann weder im Arbeits- noch im Privatleben ausgeblendet werden.
  • Wer besser abschätzen kann, wie Vorgesetzte auf Veränderungsvorschläge, Mitarbeiter oder Kollegen auf Kritik oder Kunden in Vertragsverhandlungen reagieren, wird seine beruflichen Ziele besser erreichen können.
  • Die Einschätzung von Vorlieben und Abneigungen hilft im Umgang mit anderen, also auch im Umgang mit sich selbst.
  • Daher ist eine persönliche Auseinandersetzung mit der Frage „Wo sehe ich bei mir Schwächen?“ durchaus sinnvoll.
  • Insbesondere Führungskräfte, die Teams, Abteilungen, Bereiche, Niederlassungen oder ganze Unternehmen leiten, sollten ihre Defizite, Schwachstellen und blinden Flecke kennen und im persönlichen Gespräch und insbesondere Management-Audit gute Beispiele dafür geben können, wie sie im Lauf der Jahre ihre Konfliktfähigkeit als Teil der Führungsstärke verbessert haben.
  • Aber auch Fachspezialisten sollten ihr Selbstbild von Zeit zu Zeit mit ihrem Fremdbild abgleichen. Insbesondere dann, wenn sie in Projektgruppen mitarbeiten, dort Teilverantwortung übernehmen oder sogar Projekte eigenverantwortlich steuern.

 

Schwächen und Stärken als Ritual im Vorstellungsgespräch

  • Für einen tiefgründigen Gedankenaustausch zu den Vorzügen und Schwächen der eigenen Persönlichkeit ist ein Bewerbungsgespräch allerdings der falsche Anlass und Ort.
  • Hier geht es meist darum, ein ungeliebtes Gesprächsritual möglichst ohne größere Patzer hinter sich zu bringen.
  • Damit meinen wir, dass in vielen Vorstellungsgesprächen zwar nach Schwächen oder Stärken gefragt wird, die Antworten der Bewerberinnen und Bewerber aber häufig nur wenig hinterfragt werden.
  • Für Sie als Bewerber hat dies den Vorteil, dass Sie sich im Vorfeld eines Bewerbungsgespräches, Telefoninterviews oder Assessment-Centers auf Fragen nach Ihren individuellen Schwächen und Stärken vorbereiten können, um dann mit passenden Antworten zu überzeugen.
  • Wenn Sie hier Hilfestellung durch überzeugende Beispielantworten suchen, empfehlen wir Ihnen unser Online-Trainings Vorstellungsgespräch, die sogar noch Bezug auf spezielle Berufsfelder haben und sich sowohl an Führungskräfte als auch an Fachkräfte richten.
  • Wenn Sie Ihre Schwächen erläutern, können Sie einschränkende Wörter wie „manchmal“, „gelegentlich“ und „ab und an“ verwenden.
  • Damit steigern Sie Ihre Glaubwürdigkeit, weil Sie realistische Beispiele aus dem Berufsalltag schildern können, in denen Sie tatsächlich nicht das Verhalten an den Tag gelegt haben, dass sonst für Sie typisch ist.
  • Bleiben Sie nicht bei der Darstellung der Schwächen stehen, machen Sie anschließend klar, dass Sie auch in konfliktgeladenen Situationen Lösungen finden können. Sie können sich am folgenden Beispiel orientieren.

 

"Ich bin manchmal zu direkt zu Kollegen und reagiere gereizt und verärgert, wenn ein Problem immer wieder auftaucht, aber eine Lösung von Seiten der Kollegen einfach nicht in Sicht ist.

Mittlerweile habe ich mir angewöhnt, meine Kritik besser zu platzieren. Ich stelle mich der nervigen Situation, beispielsweise einer durchgehend falschen Warenauszeichnung im Zentrallager, und helfe den Kollegen.

Zu einem späteren Zeitpunkt suche ich dann noch einmal das Gespräch, um eine dauerhafte Lösung gemeinsam zu besprechen."
Quelle: E-Learning Vorstellungsgespräch mit 100 bzw. 120 Beispielantworten.

 

Im Trend: Schwächen indirekt erfragen

  • Früher wurde in Vorstellungsgesprächen sehr direkt nach Schwächen gefragt, beispielsweise so: "Welche Schwächen von Ihnen sollten wir kennen?" oder "Können Sie mir drei Ihrer Schwächen schildern?" oder "Welche Schwächen sind im Arbeitsalltag typisch für Sie?"
  • Mittlerweile wird in immer mehr Bewerbungsgesprächen indirekt gefragt und nachgehakt. Diese Fragetechniken sind vielen Bewerberinnen und Bewerbern noch nicht so bekannt, wie direkte Fragen nach Stärken und Schwächen.
  • Dann wird beispielsweise hinterfragt, was den Bewerber an Kollegen, Vorgesetzten oder Kunden stört, um daraus Rückschlüsse auf seine eigene Persönlichkeit zu ziehen.
  • Um Bewerber zunächst in Sicherheit zu wiegen, wird häufig auch erst nach positiven Aspekten des beruflichen Miteinanders gefragt, beispielsweise "Was schätzen Sie an Kollegen am meisten?".
  • Dann wird urplötzlich der "Hebel umgelegt" und die Frage aufgeworfen "Und was stört Sie an Kollegen am meisten im Arbeitsalltag?"
  • Rechnen Sie daher mit Fragen dieser Art.
1. "Welche drei Eigenschaften würde Ihr letzter Chef an Ihnen kritisieren?"
2. "Was für ein Temperament würden Ihre ehemaligen Kollegen Ihnen attestieren?"
3. "Welche Ihrer Eigenarten stört Sie am wenigsten?"
4. "Und welcher Charakterzug stört Sie am meisten?"
5. "Welche drei Eigenschaften mögen Sie an Kollegen überhaupt nicht?" (Nach Ihrer Antwort folgt dann die Anschlussfrage.) "Und welche drei Eigenschaften mochten Ihre Kollegen an Ihnen überhaupt nicht?"
6. "Wenn Sie bei einem Projekt in Zeitverzug geraten sind, an welchen Ihrer persönlichen Eigenschaften könnte dies liegen?"
7. "Welche persönlichen Stärken hat Ihr momentaner Chef, die Ihnen fehlen?"
8. "Welche Eigenschaft würden Sie gerne an sich ändern?"
9. "Wenn Sie daran denken, dass Sie einmal Streit mit einem Kunden hatten. Was würde der Kunde an Ihrem Auftritt kritisieren?"
10. "Mit manchen Kollegen arbeitet man am liebsten, oder? Was genau schätzen Sie an Ihren Lieblingskollegen?"
11. Anschlussfrage: "Und welche Eigenschaften stören Sie an den Kollegen, mit denen Sie nur ungerne zusammenarbeiten?"
12. "Was bringt Sie im Arbeitsalltag zur Weißglut?"
13. Anschlussfrage : "Und wie reagieren Sie dann?"
14. "Woran merken Kollegen, dass Sie kurz davor sind zu explodieren?"
15. Anschlussfrage: "Und was bringt Sie im Arbeitsalltag zum Explodieren?"
 
 
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Skalenfragen zu Schwächen: Ein neuer Ansatz in Bewerbungsgesprächen

Eine weitere Möglichkeit, um aussagekräftigere Antworten auf die Fragen nach den Schwächen der Bewerberinnen und Bewerber zu bekommen, ist der Einsatz von Skalenfragen.

Beispielsweise wird gefragt, welche Notenstufe sich ein Bewerber für seine Kreativität auf einer Skala von 1 bis 10 gibt. Dabei steht 1 für den schwächsten und 10 für den höchsten Wert in Sachen Kreativität.

Gibt sich der Bewerber für seine Kreativität einen Wert zwischen 1 bis 4, wird dies von Personalmitarbeitern als eindeutige Schwäche gedeutet werden. Aber auch die Notenstufen 5, 6 oder 7 könnten ebenfalls als Schwäche, wenn auch als weniger gravierende, interpretiert werden.

Aus der Sicht von Personalmitarbeitern oder externen Personalberatern ist damit ein Ansatzpunkt vorhanden, um intensiver nachzufragen. Beispielsweise danach,

  • wie der Bewerber in der Vergangenheit in seinem Berufsfeld mit dieser Schwäche umgegangen ist,
  • ob er an der Schwäche gearbeitet hat,
  • ob er die Schwäche etwas korrigieren konnte oder
  • ob er andere Taktiken entwickelt hat, um die Auswirkungen der Schwäche abzumildern.

 

Damit Sie sich auf Skalenfragen zu möglichen Schwächen vorbereiten können, sollten Sie zu Übungszwecken diese Fragen beantworten:

Skalenfragen im Vorstellungsgespräch
16. Auf einer Skala von 1 bis 10: Welchen Wert geben Sie sich für Ihre Konfliktfähigkeit?
17. Anschlussfrage: Sie geben einen unterdurchschnittlich niedrigen Wert an. Können Sie mir eine berufliche Situation schildern, in der Ihre wenig ausgeprägte Konfliktfähigkeit Sie in Ihren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt hat?
18. Was könnten Sie tun, damit sich Ihre wenig ausgeprägte Konfliktfähigkeit um eine Stufe verbessert?
19. Können Sie mir eine weitere persönliche Eigenschaft nennen, an der Sie in der Vergangenheit so gezielt gearbeitet haben, dass Sie sich um eine Stufe verbessert haben?
20. Und gibt es auch eine persönliche Eigenschaft von Ihnen, die Sie in den letzten Jahren durch intensive Anstrengungen um zwei oder noch mehr Stufen verbessert haben?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Witzige Schwächen sind fehl am Platz

  • Ausdrücklich warnen wir davor, auf direkte oder indirekte Fragen nach möglichen Schwächen mit vermeintlich witzigen Antworten und humorvollen Einlagen zu reagieren.
  • Antworten wie „Meine Schwäche ist Schokolade.“ oder „Ich kann mir schlecht Namen merken.“ oder auch „Ich habe eine Schwäche für guten Rotwein.“ sind in Vorstellungsgesprächen völlig unangebracht.
  • Personalmitarbeiter fassen derartige Antworten eher als Kampfansage und weniger als fröhlichen Stimmungsaufheller auf. Ist aber die für Gespräche wichtige Beziehungsebene zwischen den Beteiligten erst einmal negativ beeinflusst, lässt dies weder für den weiteren Verlauf noch für die endgültige Einstellungsentscheidung Gutes hoffen.
  • Vorstellungsgespräche haben ihr eigenen Regeln und Rituale, und dazu gehören bei vielen Firmen die Fragen nach den Stärken und Schwächen der Bewerberinnen und Bewerber. Spielen Sie daher bei Fragen nach Ihren Schwächen konstruktiv mit, damit kommen Sie einem Angebot von der Firmenseite deutlich näher.

Die endgültige Entscheidung darüber, ob Sie ein Stellenangebot tatsächlich wahrnehmen möchten, liegt nach einem erfolgreich verlaufenen Gespräch dann bei Ihnen.

 

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