Vorstellungsgespräch: So belegen Führungskräfte ihre kommunikative Kompetenz

Managerinnen und Manager sind permanent damit beschäftigt, neue Kontakte aufzubauen und bestehende zu halten, sich und andere zu informieren und situationsangemessen zu motivieren und zu kritisieren.

Daher möchte die Firmenseite im Vorstellungsgespräch feststellen, wie es um die kommunikative Kompetenz des potenziellen neuen Mitarbeiters bestellt ist. Kann er oder sie konstruktiv, effektiv und zielführend kommunizieren?

Damit es hier zu einem Abgleich zwischen dem Selbstbild des Bewerbers und der Fremdwahrnehmung durch die Firmenseite kommen kann, wird gezielt nach dem Umgang mit Konflikten, der Fähigkeit, Kritik zu äußern und anzunehmen, und oft auch ganz direkt nach den Stärken und Schwächen gefragt.

 



Fehler im Bewerbungsgespräch: Vorzeitiges Aus ohne kommunikative Kompetenz!

Fehler: Wer von sich behauptet, kontaktstark zu sein, sollte dies exemplarisch begründen können. Passenderweise mit Rückbezug auf Situationen, die einen beruflichen Kontext haben, hierzu zählen beispielsweise Messen, Tagungen, Meetings oder Projektarbeit.

Wenn es um Konflikte, Auseinandersetzungen und Krisen geht, sind Bewerber dann im Nachteil, wenn die üblicherweise dazugehörigen negativen Emotionen die Oberhand über sie gewinnen.

Negativbeispiel: Mängel in der kommunikativen Kompetenz würden einem Bewerber unterstellt, wenn er auf die Frage „Wie gehen Sie mit schwierigen Zeitgenossen um?“ folgendermaßen antwortet:

„Ich lasse sie gegen die Wand laufen, dann merken sie schon, dass sie bei mir keinen Blumen­topf gewinnen können. In meiner alten Firma hatte ich so ein paar renitente Außen­dienst­mit­ar­bei­ter, die waren schon so lange dabei, dass sie fast Beamtenstatus hatten. Die haben vielleicht genervt.“

Kommentar zum Negativbeispiel: Der Bewerber hinterlässt mit seiner Antwort den Eindruck, dass er bei Meinungsverschiedenheiten am Arbeitsplatz nur eine Lösungsmöglichkeit kennt, nämlich die „Holzhammer“-Methode.

Statt zu signalisieren, dass er die Gründe für Konflikte erkennen kann und zunächst nach konstruktiven Lösungen sucht, wählt er gleich den Weg der Konfrontation. Mit der Bemerkung „Ich lasse sie gegen die Wand laufen“ lässt er ernsthafte Zweifel an seinen Fähigkeiten in Sachen Konfliktmanagement aufkommen.



 



Strategie im Vorstellungsgespräch: Ausnahmsweise abstrakt antworten!

Strategie: Wenn wir Führungskräfte – so wie gerade Sie – auf Vorstellungsgespräche vorbereiten, arbeiten wir die ganze Zeit darauf hin, dass sie ihre Antworten mit konkreten Beispielen aus dem Berufsalltag verknüpfen. So stellt sich die von den Firmen gewünschte konstruktive und ergebnisorientierte Grundhaltung ein.

Zum Themenblock Konflikte und Krisen im Berufsalltag wünschen wir uns aber tatsächlich einmal keine(!) konkreten Beispiele, sondern vorzugsweise abstrakte Formulierungen. Hier helfen Ihnen eher allgemein formulierte Statements dabei, die nötige innerliche Distanz zu emotional aufwühlenden Themen zu halten.

Antworten Sie auf entsprechende Fragen also lieber diplomatisch. Und wenn sich die Darstellung eines Konfliktes ganz und gar nicht vermeiden lässt, liefern Sie auf jeden Fall auch eine Lösung dazu.

Positivbeispiel: Und so könnte überzeugendere Antwort auf die Frage „Wie gehen Sie mit schwierigen Zeitgenossen um?“ klingen:

„Auch mit schwierigen Zeitgenossen muss man umgehen können. Gerade im Umgang mit Mitarbeitern oder Kunden erwarte ich von mir, dass ich auch die schwierigeren in den Griff bekomme. Oftmals erscheinen diese Menschen auch nur auf den ersten Blick als problematisch, denn meistens gibt es doch einen Ansatzpunkt, durch den man einen Zugang zu ihnen findet. Schwierige Kunden habe ich oft über technische Features, das Markenimage oder ein gutes Aktionsangebot besänftigt. Und schwierige Mitarbeiter sind häufig über- oder unterfordert. Da habe ich mir als Führungskraft immer etwas einfallen lassen, um sie wieder einzubinden.“

Kommentar zum Positivbeispiel: Im Positivbeispiel verfolgt der Bewerber von Anfang an eine ganz andere Strategie als im Negativbeispiel. Mit der Einleitung „Auch mit schwierigen Zeitgenossen muss man umgehen können“ verdeutlicht er, dass er bei zwischenmenschlichen Spannungen immer erst versucht, eine Lösung zu finden.

Statt Konflikte zu verhärten und an starren Haltungen festzuhalten, die für noch mehr Spannungen sorgen, erläutert er seine ausgefeilten kommunikativen Fähigkeiten. Der Bewerber weiß, wie man mit schwierigen Zeitgenossen umgehen und sie einbinden kann.

Geschickt wählt er allgemein gehaltene Beispiele für seinen konstruktiven Umgang mit „schwierigen Kunden“ oder „schwierigen Mitarbeitern“. Diesem Bewerber traut man zu, dass er geschickt auf die persönlichen Eigenarten seiner Kunden und Mitarbeiter eingehen kann und so für ein konstruktives Miteinander sorgt.

 

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Christian Püttjer & Uwe Schnierda twitter: karrierecoaches 

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